Engagement für Überlebende von NS-Verfolgung in Deutschland und Israel

Im Programm werden Überlebende von nationalsozialistischer Verfolgung dabei unterstützt, psychisch, physisch und sozial stabil in Würde altern zu können. Sie nehmen am gesellschaftlichen Leben teil und werden vor Vereinsamung geschützt.

Die Projekte würdigen die Überlebenden, ihre Biografien, Lebensleistungen und ihren heutigen Beitrag in den Gesellschaften. Die Strukturen und Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen werden ausgebaut. Auf diese Weise können die Organisationen den sich verändernden Bedürfnissen der hochbetagten Überlebenden gerecht werden und die Nachkommen der Überlebenden und Ehrenamtlichen in ihrem gesellschaftlichen Engagement stärken.

Pilotprojekt: Mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen Überlebende stärken

Zusätzlich förderte die Stiftung bis 2023 als Pilotvorhaben drei Bündnisse in Berlin, Heidelberg und Nürnberg: für ein breiteres Engagement für Überlebende von NS-Verfolgung in der lokalen Zivilgesellschaft. Die Bündnisse sollen in der lokalen Öffentlichkeit sichtbar werden. Nach zwei Jahren werden ihre Ergebnisse so aufbereitet, dass sie auf andere Regionen übertragen und genutzt werden können. Lesen Sie hier Interviews der Bündnisparter:innen über Chancen und Meilensteinen des Bündnisprojektes.
 

Reisebericht

  1. Reisebericht: Projektbesuche in Israel

    Vom 9. bis 17. Mai 2023 war unsere Kollegin Christa Meyer-Prochnow auf Projektreise in Israel. Sie besuchte fünf von uns geförderte Projekte für Holocaustüberlebende und machte sich vor Ort ein Bild der einzelnen Aktivitäten.

Generationsübergreifende Begegnungen russischsprachiger Holocaustüberlebender mit Jugendlichen in Israel

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

In den 1990er-Jahren migrierten viele russischsprachige Holocaust-Überlebende nach Israel. Sie sind häufig altersbedingt einsam, sozial isoliert und aufgrund der sprachlichen Barrieren nicht vollständig integriert. Die jungen Projektteilnehmer:innen wertschätzen die Lebensleistungen und Biografien der älteren Menschen, die sich dadurch anerkannt und gewürdigt fühlen.Isolation und Einsamkeit werden so verringert.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

An fünf Orten beteiligen sich 650 junge Menschen und 550 überwiegend russischsprachige Überlebende von NS-Verfolgung an Begegnungen und generationsübergreifenden Veranstaltungen. Die Lebenswege von Juden:Jüdinnen aus der Sowjetunion sind Inhalt von Schulungen für 80 Lehrkräfte, Jugendgruppenleitungen und Seniorenberater:innen. Durch eine Kooperation mit Schulen werden einzelne Biografien der Überlebenden von Schüler:innen verschriftlicht und so praxisnah vermittelt.Lokale Koordinator:innen, die im vertrauensvollen Kontakt zu den hochbetagten Überlebenden stehen, führen die jungen Menschen und die Überlebenden zusammen.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Die Narrative russischsprachiger NS-Überlebender sind in der Erinnerungskultur der israelischen Mehrheitsgesellschaft wenig bekannt. Die Projektaktivitäten und begleitende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf Russisch und Hebräisch erhöhen die Sichtbarkeit und sensibilisieren für die Belange der Überlebenden in der Gesellschaft. Über kreative Angebote fördert der Träger das Kennenlernen der Lebensgeschichten von Juden:Jüdinnen aus der ehemaligen Sowjetunion und die Begegnungen mit jungen Menschen.

Projektträger: Atid Bamidbar
Förderzeitraum: 01.01.-31.12.2024
Fördersumme: 40.000 Euro
Förderland: Israel
Webseite: www.bamidbar-en.org/russian-speakers

Beratungszentren für Holocaust-Überlebende in Israel

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Holocaust-Überlebende leben teilweise unter prekären Bedingungen. Das Projekt verbessert ihre Lebensumstände und ihre gesellschaftliche Teilhabe.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Die Organisation Aviv for Holocaust Survivors betreibt vier Beratungszentren in Jerusalem, Holon und Bat Yam. Rund 1.800 Holocaust-Überlebende und ihre Angehörigen können sich individuell von Jurist:innen und Ehrenamtlichen beraten lassen. Zudem gibt es für Sorgen und Nöte eine 24h-Telefon-Hotline. Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für 150 Fachkräfte der Altenhilfe runden das Angebot ab.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Aviv informiert Holocaust-Überlebende, stellt Anträge für sie und setzt ihre Rechte durch. Häufig sind die Antragstellenden aus sprachlichen Gründen schlecht informiert. Hinzu kommt die unübersichtliche, sich häufig ändernde Rechtslage. Die Organisation bietet diesen Service kostenfrei an. Ein weiteres Ziel ist es, durch Kooperationen neue Begünstigte zu identifizieren und zu unterstützen.

Projektträger: Aviv for Holocaust Survivors
Förderzeitraum: 2022-2024
Fördersumme: 81.884,00 Euro
Förderland:  Israel
Website: www.avivshoa.co.il

Aviv's activity and successes in 2022

Video

Aviv's activity and successes in 2022

Aviv for Holocaust Survivors ist eine gemeinnützige Organisation, die sich dafür einsetzt, dass die Überlebenden des Holocaust ihre Rechte in vollem Umfang wahrnehmen können, und zwar kostenlos. Das Video zeigt ihre Arbeit im Jahr 2022.

Psychosoziales Zentrum mit Therapie- und Beratungsangeboten

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Die Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST) bietet seit 2004 im Frankfurter Treffpunkt für Shoah-Überlebende niedrigschwelligen Zugang zu individuellen Hilfsangeboten. Regelmäßige Café-Nachmittage, Gruppenaktivitäten, therapeutische Angebote und Ausflüge ermöglichen den Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen und den Austausch mit professionell geschulten Fachkräften. 

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Der Treffpunkt ist ein geschützter Raum, in dem soziale Teilhabe für traumatisierte Shoah-Überlebende ermöglicht und dadurch ihre Lebensqualität verbessert wird. Ehrenamtliche, oft Angehörige der zweiten oder dritten Generation, begleiten die Angebote. Während der Pandemie wurde die Arbeit auf vielfältige individuelle Angebote umgestellt wie z.B.  von Gemeindemitgliedern  gekochtes Essen. Dieses wurde den Überlebenden nach Hause gebracht, um den Kontakt zu ihnen aufrecht zu erhalten.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

In den vielen Jahren, in denen der Treffpunkt existiert, sind die Besucher:innen deutlich diverser geworden. Neben hochbetagten Überlebenden nutzen zunehmend so genannte Child Survivor und Nachkommen die Angebote. Das Projektteam der ZWST evaluiert und entwickelt die Angebote laufend weiter. So entstand ein generationenübergreifendes Zeitzeug:innentheater, dessen Entstehungsprozess im Dokumentarfilm „Jetzt“ zu sehen ist. Die ZWST pflegt den Austausch zwischen Praxis und Forschung, z.B. mit wissenschaftlichen Instituten sowie Trauma-Expert:innen in Deutschland und international. 

Projektträgerin: Die Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST)
Förderzeitraum: 2022-2024
Fördersumme: 140.000 Euro
Förderland: Deutschland

Website: zwst.org/de/angebote/ueberlebende-der-shoah/treffpunkte

Projektfinder

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Publikationen

Ansprechpersonen

Stephanie Bock

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-66
E-Mail: bocks@stiftung-evz.de

Christa Meyer-Prochnow

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-73
E-Mail: meyer-prochnow@stiftung-evz.de