Beispielprojekte

Ausgewählte Projekte aus der Förderung 2022 finden Sie auf dieser Seite, weitere Projekte im Tätigkeitsbericht 2022 ab Seite 12.

Virtueller Rundgang: den Gedenkort Malyj Trostenez multiperspektivisch erschließen

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Studierende aus Minsk, Osnabrück und Wien erarbeiteten virtuelle Rundgänge, 3D-Modelle und 360-Grad-Aufnahmen der Gedenkanlage Malyj Trostenez, Belarus. Dadurch setzen sie sich im transnationalen Kontext mit dem Ort multiperspektivisch auseinander. Junge Menschen erstellen Rundgänge für junge Menschen und geben so Wissen Peer-to-Peer weiter.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Expert:innen aus zahlreichen Archiven und Museen berieten und unterstützten die Projektteilnehmenden. Junge Besucher:innen erschließen auf diese Weise die Geschichte des Gedenk- und Vernichtungsorts selbständig – vor Ort oder weltweit vor dem Bildschirm.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Malyj Trostenez ist der größte Vernichtungsort von Jüdinnen:Juden auf dem Gebiet der besetzten Sowjetunion und deshalb in der osteuropäischen Öffentlichkeit ein bedeutsamer Gedenkort. In der deutschen Öffentlichkeit ist er bisher nahezu unbekannt.  Das Projekt zeigt den gesamteuropäischen Rahmen des NS-Terrors und die Verzweigungen des Holocaust auf - und damit die Notwendigkeit des transnationalen Erinnerns. Es ergänzt die bisherige Förderung für den Aufbau des Gedenkorts durch das Auswärtige Amt.

Projektträger:  Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“, Minsk. Kooperationspartner: Universität Osnabrück, Universität Wien.
Förderzeitraum:  2021–2022
Fördersumme:  84.076 EUR
Förderländer: Deutschland, Österreich, Belarus
Webseite: https://malytrostinec.nghm-uos.de

 

#LastSeen. App und digitaler Bildatlas von NS-Deportationen 1938 bis 1945

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Das interaktive pädagogische Angebot entschlüsselt ausgewählte Bilder und schafft so einen Zugang zur Geschichte der NS-Deportationen. Die Bilder zeigen, dass sich das Unrecht oftmals in der Öffentlichkeit zutrug und machen das Schicksal von Juden:Jüdinnen sowie Sinti:ze und Rom:nja sichtbar.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Neben Pädagog:innen und Schüler:innen sind auch lokalhistorische Akteur:innen Teil des Projektes. Das Portal bietet außerdem Forscher:innen die Möglichkeit, neue Forschungsfragen zu erarbeiten und bestehende Leerstellen zu füllen. NS-Verfolgte und ihre Angehörigen sowie nachkommende Generationen bringen ihre Perspektiven in die Aufarbeitung ein.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Das Projekt besteht aus einem Bildatlas und einem digitalen Spiel, das Schüler:innen mit entwickelten. Der digitale Bildatlas schafft als neuartiges Lernformat bleibende visuelle Eindrücke und emotionale Zugänge zum Thema. Visuelle Inhalte bleiben laut der MEMO-Jugendstudie besonders stark im Gedächtnis von jungen Menschen. Ein Präsenzworkshop für Schüler:innen erweitert das Angebot für die praktische Bildung vor Ort.

Projektträger: Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution/International Tracing Service (ITS).
Kooperationspartner: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Public History im Kulturreferat der Landeshauptstadt München, USC Dornsife Center for Advanced Genocide Research, Los Angeles, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin.

Förderzeitraum: 2021–2023
Fördersumme: 704.500 EUR
Förderland: Deutschland
Webseiten:
www.lastseen.org
https://lastseen-website.vercel.app 

MIRROR // MIRROR: Kunst- und Theaterprojekt

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Das dreiteilige Projekt MIRROR // MIRROR zeigt Aspekte der Geschichte von NS-Unrecht in Leipzig. Es stellt Bezüge zu gegenwärtigen Formen rechter Radikalisierung in interdisziplinären und transmedialen Formaten her und schafft so künstlerische und emotionale Zugänge zu wenig bekannten Aspekten und Orten der NS-Zwangsarbeit. 

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Das Theater kooperierte mit der Gedenkstätte NS-Zwangsarbeit, einem Gamedesigner und einem Stadtteilzentrum im migrantisch geprägten Leipziger Osten. Das theatrale Planspiel „ON THE OTHER SIDE“ (Teil 1) lud ein junges Publikum im Namen der fiktiven Social Media Plattform HYDRA zu einer Testsession ein: Besucher:innen erlebten so spielerisch, z.B. als Content Creator oder Influencer:innen, wie die Mechanismen von Social Media immer „extremere” Inhalte fördern und verbreiten. Das mobile Game „Vibezig“ (Teil 2) führt interessierte Leipziger:innen an Orte der NS-Zwangsarbeit und fragt, wie man mit den Orten und ihrer Geschichte umgehen kann, die man bisher für historisch unbelastet hielt. Am intergenerationellen Stadtteilprojekt THE FUTURE IS YOURS (Teil 3) nahmen auch Laienschauspieler:innen teil. 

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Das Projekt verbindet analoge, multimediale und partizipative Formate und öffnet Raum für aktuelle Debatten der Erinnerungskultur. Auf der Abschlussveranstaltung „Alles Versöhnungstheater?“ diskutierten Theaterpädagog:innen gemeinsam mit Jugendlichen über die aktuellen Thesen des Autors Max Czolleks. Er fordert dazu auf, heutige Diskriminierungen von marginalisierten Gruppen als Teil einer gegenwärtigen Erinnerungskultur zu thematisieren. Das Projekt zeigt: Wir alle sind dafür verantwortlich die Gegenwart so zu gestalten, dass sich eine Gewaltherrschaft wie die des Nationalsozialismus nicht wiederholt. 

Projektträger: Theater der Jungen Welt (TDJW) Leipzig 

Förderzeitraum: 2021–2023
Fördersumme: 350.000 EUR
Förderland: Deutschland
Webseite: www.theaterderjungenweltleipzig.de
Mehr zum Thema: TRACING REMEMBRANCE: Interview mit Sebastian Quack und Florian Heller

„Frankfurt und der Nationalsozialismus": Eine interaktive und digitale Erinnerungsplattform

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Die Plattform schafft multiperspektivische Zugänge zur Auseinandersetzung mit dem Thema NS-Unrecht in Frankfurt am Main und macht das Wissen für eine inklusive historisch-politische Bildungsarbeit nutzbar. Mit der geobasierten App können sich alle Interessierten auf die Suche nach Spuren des Nationalsozialismus im Stadtraum machen. Die Website informiert über die rund 12.000 aus Frankfurt deportierten und ermordeten Juden:Jüdinnen, deren Gesicht und Geschichten so erinnert werden können. In den drei Ausstellungen setzen sich Betrachter:innen individuell mit NS-Geschichte in der heutigen, diversen Gesellschaft auseinander.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Das Projekt ist offen für diverse Gruppen: Nachfahren und Forscher:innen können Informationen oder Fotos zu Personen oder Orten beisteuern, Lehrkräfte können individuelle Touren in der App anlegen.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Bis 1933 hatte Frankfurt den höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil im Deutschen Reich und galt als liberal und demokratisch. Das Projekt verdeutlicht, wie sich die Stadt so schnell und radikal dem Nationalsozialismus andienen konnte und wie schleppend die Aufarbeitung danach verlief. Die Plattform ist innovativ und inklusiv: Besucher:innen beschäftigen sich durch ihren persönlichen Zugang mit NS-Geschichte. Der starke Bezug zur Gegenwart und zur Lokalgeschichte macht das Projekt greifbarer. Die Projektentwicklung wurde zeichnerisch dokumentiert und veranschaulicht so den emotionalen und gedanklichen Auseinandersetzungsprozess. 

Projektträger: Historisches Museum Frankfurt
Förderzeitraum: 2020–2022
Fördersumme: 785.700 Euro
Förderland: Deutschland
Webseite: www.historisches-museum-frankfurt.de

Humanitäre und soziale Unterstützung für 60 Überlebende des Genozids an den Roma und Arbeit mit jungen Freiwilligen

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Die Aktivitäten verbessern die gesundheitliche und soziale Lage der NS-Überlebenden Romn:ja und stärken ihre gesellschaftliche Teilhabe in der Projektregion. Die Arbeit mit jungen Freiwilligen unterstützt das generationenübergreifende Verständnis füreinander. Der Projektträger beantragt als Organisation für soziale Serviceleistungen, Hauspflege und Community-Beratung offiziell anerkannt zu werden. Dadurch kann er zukünftig pflegerische und soziale Leistungen über die Kommune selbst abrechnen.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

60 Überlebende des Genozids an den Romn:ja erhielten in mehreren Orten Rumäniens pflegerische Unterstützung und soziale Beratung sowie Lebensmittel, Medikamente und Hygieneprodukte. In einm Sommercamp mit drei Überlebenden haben sich 15 junge Menschen über die Verfolgungsgeschichte der Romn:ja und deren heutige Lebenssituation informiert. Anschließend besuchten die Freiwilligen die alten Menschen regelmäßig zuhause. Einige Mitglieder der Gemeinschaft wurden in „Community Development“, Projektmanagement und Fundraising geschult, andere nahmen am Internationalen Gedenktag zur Ermordung der Romn:ja in Auschwitz teil.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Mit der Förderung stärkt und stabilisiert die Stiftung EVZ die Romn:ja Selbstorganisation in Rumänien. Der generationenübergreifende Ansatz trägt dazu bei, dass junge Volontär:innen regelmäßig NS-Überlebende besuchen und sich um sie kümmern.  Die Veranstaltungen zur Geschichte der Deportation und Ermordung der Romn:ja informieren und sensibilisieren die Öffentlichkeit über die Verfolgungsgeschichte der Romn:ja.

Projektträger: Marginalized Communities Association
Förderzeitraum: 2021–2022
Fördersumme: 68.430 EUR
Förderland: Rumänien
Website: 

Humanitäre Hilfe und Unterstützung der LGBTIQ-Community in der Ukraine

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Im Projekt werden vier ukrainische LGBTIQ-Organisationen in Kyiv, Charkiv und Saporischschja gefördert. Zudem leistet die Stiftung humanitäre Nothilfe und psychologische Unterstützung für die LGBTIQ-Community vor Ort.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Das Projekt wird von Projektmanager:innen, Sozialarbeiter:innen und Aktivist:innen durchgeführt. Es zielt darauf ab, die gesamte LGBTIQ-Gemeinschaft in drei großen Städten der Ukraine zu erreichen.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Menschen aus der LGBTIQ-Community sind besonders stark vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine betroffen. Sie erhalten neben Lebensmitteln auch psychologische Unterstützung. In den im Projekt eingerichteten Gemeinschaftszentren finden sie eine vertrauensvolle Atmosphäre. Darüber hinaus entsteht ein Programm, das LGBTIQ-Personen beruflich unterstützt, die aufgrund des Krieges ihre Arbeit verloren haben. Die NGO „KyivPride“ plant zudem eine Unterkunft für binnenvertriebene LGBTIQ-Personen einzurichten.

Projektträger: NGO KyivPride. Kooperationspartner: Sfera, Spektrum, Gender Z.
Förderzeitraum: 2022–2023
Fördersumme: 64.762 EUR
Förderland: Ukraine

Websitenhttps://www.instagram.com/kyivpride/

https://www.facebook.com/kyivpride/posts/pfbid02qSYBFL9S8kTVGDtU5qaZ1A2vY1FA8VZ1MPPmr4BVhaHj28jv3oDW34peeNGyArYFl

Lenny Emson

Gemeinschaftszentren sind Orte der Unterstützung und des Vertrauens
Lenny Emson
Direktor der NGO „KyivPride“

Unterstützung für Holocaust-Überlebende in der Ukraine durch Online-Aktivitäten und junge Freiwillige

Was möchten der Projektträger und die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Unter den derzeitigen Kriegsbedingungen und verstärkt seit der Corona-Pandemie vereinsamen vor allem ältere und nicht-mobile Menschen in der Ukraine. Hauptziel des Projektes ist es daher, jüdische NS-Verfolgte körperlich und geistig zu aktivieren und dadurch ihre Einsamkeit zu verringern.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Alle Aktivitäten finden online oder in den Wohnungen der Überlebenden statt. Deshalb sind sie auch unter Pandemie- und Kriegsbedingungen durchführbar und für wenig und nicht mobile Personen geeignet. In alle Projektaktivitäten sind junge Freiwillige eingebunden. Außerdem nehmen etwa 25 Mitglieder der Organisation antifaschistischer Widerstandskämpfer (OBAS) teil.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Im Projekt erfahren die NS-Überlebenden, wie man im Kriegsalltag besser zurechtkommt und finden neue (Online-)Freunde. Es entstehen Lernmodule, die von anderen Organisationen mit derselben Zielgruppe genutzt werden. Damit wirkt das pilothafte Vorhaben nachhaltig.

Projektträger: Saporoshskij Blagotworitelnyj Fond „Chesed Michael"
Förderzeitraum: 2022–2024
Fördersumme: 30.000 EUR
Förderland: Ukraine
Websitehttps://www.facebook.com/hesed.zp.ua
Video aus den Kursen: https://youtu.be/OYXPrB03sv0