Latscho Diwes

Das Programm richtet sich an Überlebende des Genozids an den Rom:nja in der Republik Moldau und der Ukraine. Die Stiftung EVZ ermöglicht ihnen Zugang zu medizinischen, sozialen und anderen Leistungen. Bis vor Kurzem zählten die Überlebenden des Genozids an den Rom:nja zu den „vergessenen Opfern“ der NS-Verfolgung. Sowohl in ihren Heimatländern als auch international gibt es für sie kaum Unterstützung.

Diese Ziele sollen mit verschiedenen Projektaktivitäten erreicht werden:

Für die unmittelbaren Bedürfnisse der älteren Rom:nja:

  • Aktivitäten um die physische und psychische Gesundheit der Überlebenden zu verbessern
  • Beraten und unterstützen beim Zugang zu staatlichen Leistungen
  • Serviceleistungen, welche den Überlebenden in ihrem täglichen Leben entsprechend ihren Bedürfnissen helfen
  • Möglichkeiten der sozialen Teilhabe, insbesondere für wenig mobile oder nicht mobile Überlebende

 

Für die Stärkung der Familien, Helfer:innen und Betreuer:innen der älteren Rom:nja:

  • Trainings und Beratungen für pflegende Angehörige, ehrenamtliche Helfer:innen und Fachleute

  • Beratung und Mentoring lokaler Roma-Führungskräfte, Selbstorganisationen oder Initiativen bei der Verwaltung und Umsetzung von sozialen Projekten für ältere Rom:nja

  • Aktivitäten um die Zusammenarbeit zwischen Expert:innen und lokalen Organisationen, Verwaltung u. ä. zu verbessern
  • Stärkung der lokalen Rom:nja-Gemeinschaft, insbesondere Familienangehörige von Überlebenden, z.B. durch berufliche Weiterbildung mit anschließender Beschäftigung im Projekt; Unterstützen bei der Selbstversorgung mit Agrarprodukten

Beratungsgremium 2024

Anzhelika Bielova

Romni (ethnische Gruppe Serven), Feministin, Gründerin und Präsidentin der NGO „Vereinigung Romani Frauen – Stimme der Romni“ mit Filialen in vier ukrainischen Städten, Regionalvertreterin des Ukrainischen Frauenkongresses. Sprecherin bei den UNO- Foren für Fragen nationaler Minderheiten, den Dialogen des Europarates mit zivilgesellschaftlichen Organisationen der Roma und travellers, beim Isländischen Frauenkongress und dem Ukrainischen Frauenkongress.

Was wollen Sie mit Ihrer Teilnahme am beratenden Gremium erreichen?

Ich möchte, dass die Kompetenzen lokaler Rom:nja-Organisationen weiterentwickelt werden – institutionell, organisatorisch, technisch. Durch die Kompetenzförderung in den Bereichen Transparenz und Rechenschaftspflicht erwarte ich eine höhere Qualität der Förderung zum Unterstützen der Rom:nja Gemeinschaft in der Ukraine und eine Verbesserung der Lage von Roma und Romnja. 

Ion Duminica

Rom aus Moldau, Doktor der Politologie, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung „Rom:nja-Ethnologie“ im Institut des Kulturerbes der Republik Moldau. In den letzten 20 Jahren habe ich mehr als 50 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, u.a. zur Geschichte und Kultur, sozialen Integration sowie historischen Erinnerung an den Genozid moldawischer Rom:nja. Ich bin auch ein zivilgesellschaftlicher Aktivist, Geschäftsführer der gesellschaftlichen Rom:nja-Vereinigung „Porojan“ und Sekretariatsmitglied der nationalen Rom:nja-Koalition „Die Stimme der Rom:nja“ in der Republik Moldau.  

Was wollen Sie mit Ihrer Teilnahme am beratenden Gremium erreichen?

Ich habe meiner Teilnahme im beratenden Gremium des Förderprogramms Latscho Diwes zugestimmt, um eine faire und detaillierte Bewertung der Anträge zu gewährleisten, die auf diverse Unterstützung von Überlebenden des Genozids während des Zweiten Weltkriegs ausgerichtet sind. Gerade jetzt ist die Umsetzung lokaler Projekte, die sich mit dem Sammeln von fragmentarischen Zeitzeugnissen und der sozialen Unterstützung der letzten betagten Zeugen des Genozids an den Rom:nja in der Republik Moldau und der Ukraine beschäftigen, sehr wichtig.

Serhij Yermoshkin

einer der Gründer der Rom:nja-Bewegung in der Ukraine (seit 1989). Mehrmals haben mich unsere Rom:nja zum Vorstandvorsitzenden des Regionalen Romani Kongresses in Odesa und in verschiedene Ausschüsse und Beratungsgremien bei den staatlichen Strukturen gewählt, wo Lösungen für viele Alltagsprobleme von Rom:nja gefunden wurden. Als Jurist verteidige ich die Rechte und Interessen der Rom:nja seit 30 Jahren, auch vor Gerichten.

Was wollen Sie mit Ihrer Teilnahme am beratenden Gremium erreichen?

Das beratende Gremium halte ich für einen sehr wichtigen und notwendigen Teil des Programms Latscho Diwes, sozusagen als Vertretung und Verteidigung der Interessen von Rom:nja-Selbstorganisationen und ich bin stolz darauf, dass die Gemeinschaft mich für die Mitgliedschaft empfohlen hat. Ich hoffe, dass meine Arbeit dem Programm helfen wird, die Probleme und Bedarfe der Rom:nja in der Ukraine klarer zu sehen, insbesondere in Zeiten des Krieges.

Janush Panchenko

Ukrainischer Ethnograf mit Rom:nja Abstammung mit Schwerpunkten auf Sprache, Kultur und Geschichte der Rom:nja. Zurzeit arbeite ich an einer Doktorarbeit bei der Nationalen Universität in Saporishshja. Außerdem sammle ich Zeitzeugnisse von Überlebenden des Genozids an den Rom:nja während des Zweiten Weltkriegs und leite „Romano Tchan“ – das erste Romani Jugendkulturzentrum in der Ukraine und im postsowjetischen Raum. 

Was wollen Sie mit Ihrer Teilnahme am beratenden Gremium erreichen?

Die Motivation an der Arbeit des beratenden Gremiums teilzunehmen, hängt mit dem Wunsch zusammen, zukunftsfähige und qualitativ gute Projekte zu identifizieren und zur Förderung zu empfehlen, die zur Unterstützung von Überlebenden des Genozids an den Rom:nja sowie zur Weiterentwicklung der Romani Kultur in der Ukraine und der Republik Moldau beitragen. Dies ist besonders wichtig in der Zeit des russischen Angriffs auf die Ukraine, der zur Verschlechterung der ohnehin schwierigen Lage der Rom:nja-Gemeinden geführt hat.

Umfassende Unterstützung von 80 Überlebenden des Genozids an den Rom:nja in Belarus

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt erreichen?

Die Lebensbedingungen älterer Rom:nja-Überlebender in den belarussischen Regionen Gomel, Minsk, Bobrujsk und Mogiljow werden durch materielle Hilfen wie Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente oder Heizmaterial verbessert. Juristische Beratung erleichtert den Überlebenden und ihren Familien den Zugang zu Gesundheits-, Sozial- und Rechtsdiensten. Geistliche Beratung und ein Notruftelefon helfen dabei, ihre psychische Gesundheit zu stabilisieren. Durch Zeitzeugengespräche und den Einsatz von Freiwilligen wird der Generationendialog und die Hilfsbereitschaft innerhalb der Rom:nja-Community gefördert. Eine verstärkte Interaktion zwischen den Rom:nja und der Mehrheitsgesellschaft sowie eine neu eingerichtete Webseite steigern Anerkennung und Respekt für die nationale Minderheit der Rom:nja.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Die Rom:nja-Selbstorganisation „Romano Drom“ aus der Region Gomel leistet vielseitige Unterstützung für rund 80 Überlebende des Genozids an den Rom:nja in 16 belarussischen Gemeinden. Die im Projekt involvierten jungen Rom:nja-Freiwillige werden in der Altenpflege und juristischen Fragen geschult. Vertreter:innen der Mehrheitsgesellschaft treffen Zeitzeug:innen, besuchen öffentliche Gedenkveranstaltungen und lernen so die Geschichte und Kultur der belarussischen Rom:nja kennen.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Der Projektträger entwickelte sich in den letzten Jahren von einer kleinen Initiative hin zu einer professionellen NGO. Er genießt in hohem Maße das Vertrauen der Rom:nja-Gemeinden in immer mehr belarussischen Regionen. Die Umsetzung des Projekts ist für die Stiftung EVZ die einzige Möglichkeit – gerade in Pandemiezeiten und aufgrund der schwierigen politischen Lage – eine bedarfsorientierte und überlebensnotwendige Hilfe an die hochbetagten Rom:nja zu leisten.

Projektträger: Romano Drom
Förderzeitraum: 2021 - 2023
Fördersumme: 55.000 Euro
Förderland: Belarus

Projektfinder

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Ansprechpersonen

Dr. Valentina Valtchuk

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-47
E-Mail: valtchuk@stiftung-evz.de

Daria Yemtsova

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-83
E-Mail: yemtsova@stiftung-evz.de