Betroffene von Menschenhandel stärken
Im Rahmen ihres menschenrechtlichen Engagements setzt die Stiftung EVZ einen Schwerpunkt auf den Schutz der Opfer von Menschenrechtsverletzungen in der Gegenwart. Menschenhandel als zeitgenössische Form von Sklaverei und Zwangsarbeit ist nicht mit dem System der Sklaven- und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus vergleichbar. Ihre Bekämpfung und die Verbesserung des Loses der Opfer sind jedoch aktuelle und globale Herausforderungen ersten Ranges.
Das Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) und der Stiftung EVZ zielt auf "Empowerment" der heute von Zwangsarbeit Betroffenen zur Wahrnehmung ihrer Rechte auf Lohn und Entschädigung.
Ziele des Projekts
Bislang treten Betroffene in der Regel nur als Zeuginnen und Zeugen in Strafverfahren gegen die Täter und Täterinnen auf. Ziel ist es, dies zu ändern und die Betroffenen mit ihren eigenen Rechten in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken. Durch Musterverfahren werden Impulse für eine veränderte Rechtspraxis gesetzt, damit Betroffene entschädigt und entlohnt werden. Betroffene sollen stärker über ihre Rechte informiert werden.
Das Projekt bietet:
- einen Rechtshilfefonds, der Betroffene in ausgewählten Fällen dabei unterstützt, ihre Entschädigungs- und Lohnansprüche durchzusetzen,
- Fachveranstaltungen und Fortbildungen, bei denen Beratungsstellen und Kontrollbehörden sensibilisiert und qualifiziert werden,
- Politikberatung und Öffentlichkeitsarbeit für einen Menschenrechtsansatz gegen Menschenhandel: weg von einer Perspektive der Strafverfolgung der Täter und Täterinnen hin zu einer Perspektive der Menschenrechte der Betroffenen.
Durch begleitende Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit soll auch die Wahrnehmung für das Thema Lohn und Entschädigung auf der politischen Ebene erhöht werden.
Online-Recherchetool für Journalisten
Ein Online-Recherchetool ermöglicht die gezielte journalistische Recherche zum Thema Menschenhandel/ Sklaverei heute/ Zwangsarbeit heute in Deutschland. Das Dossier bietet einen schnellen Überblick und stellt weiterführende Informationen in Form von Hintergrunddokumenten, Recherchetipps und Ansprechpartner/innen zur Verfügung (teilweise englischsprachig).
Studie "Menschenhandel in Deutschland - die Menschenrechte der Betroffenen stärken"
Menschenhandel ist in Deutschland ein Phänomen mit einem großen Dunkelfeld. Die genaue Anzahl der Opfer ist nicht bekannt, zahlreiche Opfer kommen aus dem Ausland und werden in verschiedenen Bereichen in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gezwungen. Menschenhandel ist eine Menschenrechtsverletzung, die nicht allein im Zuge der Kriminalitätsbekämpfung Interesse finden darf. Die Opfer brauchen Unterstützung bei der Wahrnehmung von Entschädigungsansprüchen oder der Auszahlung der ihnen zustehenden Löhne.
Die Studie des DIMR zeigt, dass trotz rechtlicher Möglichkeiten in Deutschland derzeit nur wenige Betroffene eine Entschädigung erhalten oder Lohnansprüche gerichtlich durchsetzen können. Im Rahmen des Projektes soll eine finanzielle Unterstützung ausgewählter Fälle bei der Durchsetzung von Entschädigungs- und Lohnansprüchen und bei der Klärung grundsätzlicher Rechtsfragen im Vorfeld der Geltendmachung erfolgen.
Die von der Stiftung EVZ geförderte Studie geht der Frage nach, wie Opfer von Menschenhandel ihre Rechte gegenüber den Tätern durchsetzen können. Zugleich ist diese Ausgangspunkt für ein gemeinsames Projekt der Stiftung EVZ und des Deutschen Instituts für Menschenrechte.