Kampagne der Stiftung EVZ zu 70 Jahre Kriegsende

"Ich lebe noch!"

2014 und 2015 waren Erinnerungsjahre an Beginn und Ende des Zweiten Weltkriegs. Um die Aufmerksamkeit für NS -Opfer in Osteuropa zu erhöhen und das Fundraising zu unterstützen, entwickelte die Stiftung EVZ die Kampagne „Ich lebe noch!“

Im Oktober 2014 präsentierte die Stiftung EVZ die Motive der Kampagne der Öffentlichkeit. Für die Kampagne zeigten sechs Überlebende aus Belarus, der Ukraine und Russland ihre Gesichter und erzählten ihre Geschichte. Regina Alexandrowna Lawrowitsch berichtete als eine der Zeitzeuginnen für „Ich lebe noch!“ zum Kampagnenstart von ihrem Schicksal. Am Abend nach der Pressekonferenz traf Regina Lawrowitsch bei einem Fundraising-Dinner auf Spenderinnen und Multiplikatoren.

 

Mit 500 beleuchteten Plakaten in Berliner U-Bahnhöfen, Tram- und Bushaltestellen, auf 38 digitalen Werbewänden und als Projektionen im U-Bahnhof Friedrichstraße startete die erste Phase der Kampagne in Berlin im Herbst 2014. Für eine Woche zeigte die Kampagne die Überlebenden vor einem historischen Bild mit einem persönlichen Zitat und dem Claim der Kampagne „Ich lebe noch!“ Zeitgleich ging die Kampagnenseite www.ich-lebe-noch.info online. Dort erfuhren die Nutzer mehr über die Biografie der einzelnen Überlebenden vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und welche Verbrechen sie unter den Nationalsozialisten erlitten haben: Verschleppung zu Zwangsarbeit und in Konzentrationslager, Zerstörung ihrer Heimatdörfer und Ermordung der Familienmitglieder, das Minsker Ghetto und die Belagerung Leningrads. Damit spiegelte die Kampagne auch das vielfältige Leid der Überlebenden wieder. Parallel dazu waren die Kampagnenmotive auch auf Postkarten in Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen Berlins verfügbar.

Die Zeitzeugin Regina Lawrowitsch
Pressekonferenz
Vorstand Günter Saathoff

Die zweite Phase der Kampagne zeigte die Motive auf Plakaten und Postkarten in Berlin zeitgleich zum internationalen Holocaust-Gedenktag und 70. Jahrestag der Ausschwitz-Befreiung im Januar 2015. Eine Anzeige in „Der Tagesspiegel“, ein Zeitzeugengespräch mit Filmvorführung und Kampagnenbanner im Foyer der Komischen Oper verstärkten die Sichtbarkeit der Kampagne besonders bei Multiplikatoren. Das „Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar“ und die Weimarer Verkehrsbetriebe brachten „Ich lebe noch!“ wie viele Kirchengemeinden, Schulen und Bibliotheken durch bereitgestellte Plakatsets in die gesamte Bundesrepublik.

 

In der dritten Phase der Kampagne fand am 16. April ein Zeitzeugen- und Zeitzeuginnengespräch in Berlin statt. So konnten in Kooperationen mit „taz. Die tageszeitung“ und „Der Tagesspiegel“ Interviews mit den Zeitzeuginnen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes realisiert werden. Zur Veröffentlichung der Interviews und in den Wochen vor und nach dem 8. Mai 2015 warben Online-Banner mit den Motiven der Kampagne auf den reichweitenstärksten Onlinemedien für mehr Aufmerksamkeit für NS-Opfer.

 

 

Die Opfer des Nationalsozialismus sind hochbetagt. Ihre Lebenssituation ist oft prekär und gekennzeichnet durch einen Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe. Die Stiftung EVZ unterstützt in Mittel- und Osteuropa sowie in Israel Initiativen, die die Hilfsbereitschaft für Opfer von Zwangsarbeit und anderem NS-Unrecht lokal und international stärken. Sie fördert Modellprojekte für eine würdige soziale und medizinische Betreuung und für den generationenübergreifenden Dialog. Daran anknüpfend setzt sie sich sozialpolitisch dafür ein, das Verantwortungsbewusstsein der Gesellschaften für die Belange älterer Menschen und für ihre gesellschaftliche Integration zu stärken.

Zum Engagement der Sitftung

 

Beispielprojekte

Sozialzentrum zur Unterstützung von NS-Opfern der Roma in der Region Wolschskij (Russland)

Zielgruppe: 80 NS-Opfer der Roma

Volumen: 80.000 Euro

Ziel: nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation von NS-Opfern der Roma durch die kostenlose Bereitstellung von Medikamenten, Nahrungsmitteln sowie sozialer und medizinischer Betreuung und juristischer Beratung

Kurzbeschreibung

  • Versorgung von NS-Opfern mit Nahrungsmitteln
  • Finanzierung notwendiger Operationen und Kuren
  • kostenlose Bereitstellung von Medikamenten, Hygiene- und Rehabilitationsmitteln (z. B. Rollstühle)
  • pflegerische und soziale Betreuung immobiler Personen
  • Weiterbildung pflegender Angehöriger
  • Begleitung der NS-Opfer zu Behörden, Ärztinnen und Ärzten
  • Sensibilisierung medizinischen Betreuungspersonals für die besondere Situation der NS-Opfer der Roma
  • juristische Beratung/Telefonhotline

Anmerkung: Roma-Frauen organisieren sich selbst und ergreifen die Initiative.

 

„Ich baue eine Brücke aus der Vergangenheit …“: digitalisierte Erinnerungen von Opfern totalitärer Regimes (Russland)

Laufzeit: 15.7.2012–15.10.2013

Zielgruppe: 100 NS-Opfer und junge Freiwillige

Volumen: 19.200 Euro

Besonderheit: Ergebnis: 100 digitalisierte Lebensgeschichten, Projektwebsite: wordpress.ort.spb.ru

Ziel: mithilfe moderner Technik die eigene Lebensgeschichte dokumentieren und an die jüngeren Generationen weitergeben

Kurzbeschreibung:

  • Würdigung der Lebenswege
  • PC-Fortbildung in Kleingruppen, Fokus: Textverarbeitung
  • Umgang mit einer Digitalkamera
  • Unterstützung durch junge Freiwillige/Studierende
  • 20 immobile Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden mit dem Laptop zu Hause besucht

Anmerkung: Das Projekt wurde mit dem russischen Preis „Verbindung der Generationen“ geehrt.

Humanitäres Engagement für 200 NS-Opfer und überlebende Roma in der Region Gomel (Belarus)

Laufzeit: 1.1.2012–1.7.2014
Zielgruppe: 200 NS-Opfer, darunter 80 Roma
Volumen: 52.000 Euro p. a.
Besonderheit: Roma und Nichtroma arbeiten in der NGO „Soziale Hilfe“ zusammen, um das Misstrauen und die Vorurteile gegen Roma abzubauen.
Ziel: Lebensbedingungen verbessern: medizinische Hilfsmittel, Lebensmittelpakete, Kuren, häuslicher Pflegedienst, Beratung und Weiterbildung
Kurzbeschreibung

  • häusliche Pflege
  • Unterstützung mit Medikamenten und Lebensmitteln
  • Einbeziehung von Freiwilligen
  • Schulungen für pflegende Angehörige
  • Organisation von Erzählcafés
  • juristische Beratungen
  • Ausbildung einer Gruppe von Roma-Frauen zu Pflegerinnen und freiwilligen Mediatorinnen