Die Nationalsozialisten errichteten ein System der Zwangsarbeit, dem Menschen aus allen Teilen Europas zum Opfer fielen. Mehr als zwölf Millionen Menschen mussten zwischen 1939 und 1945 im Deutschen Reich und den deutsch besetzten Gebieten arbeiten. Die meisten von ihnen kamen aus Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen in der Rüstungsindustrie und der Landwirtschaft arbeiten, um den rasant steigende Arbeitskräftebedarf der deutschen Kriegswirtschaft zu decken. Auch in allen Bereichen des öffentlichen Lebens wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt.
Das System der Zwangsarbeit wurde vom Großteil der deutschen Bevölkerung gebilligt. Erst nach fast sechzig Jahren war die deutsche Gesellschaft bereit, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Die Stiftung EVZ hat in der Präambel des Stiftungsgesetzes den Auftrag erhalten, die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht für kommende Generationen wach zu halten. Darum fördert die Stiftung EVZ auch eine große Bandbreite von Projekten, die die Geschichte der NS-Zwangsarbeit erforschen und einem möglichst großen Publikum zugänglich machen sollen.
Online-Portal "Zwangsarbeit in NS-Staat"
Das von der Stiftung geförderte und vom Bundesarchiv erstellte Informationsportal zur Zwangsarbeit unter dem Nationalsozialismus "Zwangsarbeit im NS-Staat" gibt Auskunft über die Bestände regionaler Archive. In der Webseite ist zudem ein so genanntes Haftstättenverzeichnis integriert. Das Verzeichnis entstand aus Anlass der Auszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter: Neben den bekannten Haftorten wie Konzentrationslagern gab es viele Orte, die zwar formal nicht als Konzentrationslager galten, in denen aber vergleichbare Bedingungen herrschten. Nach dem Stiftungsgesetz konnten deshalb weitere Haftorte den Konzentrationslagern gleichgestellt und als „andere Haftstätten“ anerkannt werden.
Das datenbankgestützte Internetverzeichnis enthält Informationen zu rund 3.800 Lagern und Haftstätten, die Nutzungsdauer als Haftorte für ZwangsarbeiterInnen, die geografische Lage sowie Literatur- und Quellenangaben. Darüber hinaus kann man sich auf dem Portal über die Geschichte der NS-Zwangsarbeit, über die Zahlungen an ehemalige Zwangarbeiter sowie über die entsprechende Fachliteratur informieren.
Weitere Internetprojekte
In Kooperation mit der FU Berlin ist das Online-Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945" entstanden, das fast 600 Audio- und Video-Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeitern aus 26 Ländern für Bildung und Wissenschaft zur Verfügung stellt.
Das mehrsprachige Webportal "Lernen aus der Geschichte" stellt inhaltliche und methodische Ressourcen für den Unterricht an Schulen sowie für die Projektarbeit zum Thema Holocaust und Nationalsozialismus bereit. In einer Projektdatenbank können zahlreiche ausführlich dokumentierte Praxisbeispiele aus der historisch-politischen Bildung eingesehen werden.
30 historische Dokumente der NS-Zwangsarbeit und Entschädigungspraxis zwischen 1945 und 2003 erschließt das neue Internet-Portal mit-stempel-und-unterschrift.de, das im November 2011 online gestellt wurde. Das Online-Angebot richtet sich an SchülerInnen, Studierende und Lehrende und will zum kritischen Quellenstudium anregen. Die Unterlagen sind für die Auszahlungen der Stiftung EVZ an ehemalige ZwangsarbeiterInnen genutzt worden. Zu jedem Dokument stehen Lehrmaterialien zur Verfügung, die mit Arbeitsblättern, Fragen, Hintergrundgeschichten, quellenkritischen Anmerkungen, Interpretationen und Weblinks das Portal ergänzen.