BILDUNGSARBEIT MIT ZEUGNISSEN

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs können nur noch wenige Überlebende des Nationalsozialismus persönlich ihre Erinnerungen weitergeben. Ihre Zeugnisse jedoch – Tagebücher und Briefe, Autobiografien, audiovisuelle Interviews, Gedichte, Kompositionen, Zeichnungen und Fotos – bieten uns Zugänge zu ihren spezifischen Perspektiven auf den Nationalsozialismus und seine Verbrechen. Die Stiftung EVZ tritt dafür ein, diese Perspektive, die erst spät gesellschaftliche Aufmerksamkeit fand, dauerhaft in der Erinnerungskultur zu verankern.

Neue Ausschreibung „Theaterprojekte mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus“!
Bewerbungsfrist: 1.7.2016


Die Stiftung EVZ möchte Formen künstlerischer Aneignung von Zeugnissen anregen und fördern. Theater- und Tanzschaffende, die solche Projekte mit den Mitteln der darstellenden Künste entwickeln, können sich für eine Förderung bei der Stiftung EVZ bewerben.

Die ersten beiden Bände der Publikationsreihe „Bildungsarbeit mit Zeugnissen“ sind online!

Die Publikationen dokumentieren die Ergebnisse der stiftungseigenen Seminarreihe „Entdecken und Verstehen. Bildungsarbeit mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus“. Im Rahmen von bundesweiten Seminaren und internationalen Workshops lädt die Stiftung seit 2009 Wissenschaftler und Bildungsreferenten, Gedenkstättenmitarbeiter, Lehrkräfte und andere Fachexperten ein, sich zu Fragen des Umgangs mit den Zeugnissen auszutauschen. Ziel der Stiftung ist es, qualifizierte Wege aufzuzeigen, wie die Zeugnisse in die schulische und außerschulische Bildungsarbeit einbezogen werden können.

Die gedruckten Ausgaben können im Buchhandel (auch online) bestellt werden.

Band 1: Zeugnisformen. Berichte, Künstlerische Werke, Erzählungen von NS-Verfolgten

Opfer des Nationalsozialismus haben in vielfältigen Formen eindrucksvoll Zeugnis abgelegt: Erinnerungsberichte, literarische, musikalische und bildnerische Verarbeitungen, Videointerviews und nicht zuletzt die Zeugenaussagen vor Gericht. Der Sammelband gibt darüber einen umfassenden Überblick und stellt pädagogische Konzepte für die historisch-politische Bildungsarbeit vor.

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Band 2: From Testimony to Story. Video Interviews about Nazi Crimes. Perspectives and Experiences in Four Countries

Der englischsprachige Sammelband thematisiert Bildungskonzepte mit videographierten Interviews mit Überlebenden des Nationalsozialismus in einer internationalen Perspektive. Experten aus Israel, Polen, der Tschechischen Republik und Deutschland präsentieren verschiedene Sammlungen von NS-Zeitzeugeninterviews und diskutieren pädagogische Zugänge zu diesen digitalen Zeugnissen.

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Interview mit den Herausgeber_innen der Publiktaionsreihe: Dagi Knellesen und Ralf Possekel

Bereits Ende 2015 ist der erste Band der Publikationsreihe "Bildungsarbeit mit Zeugnissen" erschienen, der sich mit den unterschiedlichen Zeugnissen beschäftigt, die die Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager hinterlassen haben. Der zweite Band legt seinen Fokus auf videografierte lebensgeschichtliche Interviews, die mit ehemaligen Häftlingen geführt wurde und betrachtet dabei deren Rezeptionen in vier Ländern.

 

Zum Interview mit den Herausgeber_innen

„Theaterprojekte mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus“

Im Juli 2014 hat die Stiftung erstmals Fördermittel für Projekte ausgeschrieben, in denen die Zeugnisse im Mittelpunkt einer künstlerischen Bearbeitung stehen. Gefördert werden die Erarbeitung und Aufführung szenischer Darstellungen, die Bezüge zu einzelnen Biografien von NS-Verfolgten setzen und Bedeutungen dieser persönlichen Geschichten für die Gegenwart finden. Die Zeugnisse und Selbstaussagen von NS-Opfern sollen einen elementaren Stellenwert innerhalb des Arbeitsprozesses haben und möglichst Teil der künstlerischen Darstellung sein.
Die Ausschreibung richtete sich bundesweit an freie Theaterschaffende und freie Theaterhäuser, an Bildungs- und Kultureinrichtungen und Vereine. Ziel war die Förderung sowohl professioneller Theaterproduktionen als auch theaterpädagogischer Projekte mit Jugendlichen und Erwachsenen.

Ausgewählte Projekte

ANSICHTS-KARTEN VON GESTERN NACH MORGEN. Theaterperformance der Berliner spreeagenten e.V. mit Zeitzeugen-Interviews

8 Schüler der Ernst-Haeckel-Oberschule Berlin Hellersdorf wählen sich je ein Videointerview mit einem NS-Überlebenden aus und stellen ihre persönlichen Lesarten dazu künstlerisch vor. Es entstehen Tableaus und szenische Miniaturen, in denen sich Performance, Video und Text miteinander verbinden. mehr

„Verschleppt jung ohne ich“ – eine Theaterperformance am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Ravensbrück in Eberswalde

Die Eisenspalterei war ein Außenlager des KZ Ravensbrück. 800 Frauen aus Polen, Italien und anderen Ländern wurden hier im Nationalsozialismus gedemütigt und ausgebeutet. Unter theaterpädagogischer Anleitung untersuchen deutsche und polnische Jugendliche den historischen Ort und ziehen Überlebensberichte ehemaliger polnischer Zwangsarbeiterinnen heran. mehr

Das Schutzengelhaus. Ein dokumentarisches Theaterstück zum Thema ‚Kinder-Euthanasie‘ über die Kinderfachabteilung in Waldniel-Hostert

Schülerinnen und Schüler der Europaschule in Schwalmtal erarbeiten eine Szenencollage zum Thema Kindereuthanasie in der NS-Zeit. Grundlage der Theaterarbeit sind historische Quellen, wie Briefe von Angehörigen der Kinder, Zeugenaussagen oder Berichte des verantwortlichen Personals. In einem zweiten Projekt setzen sich Schülerinnen und Schüler der Maria-Lenssen Berufskollegs mit dem Thema auseinander und entwickeln hierzu eine szenische Präsentation.

Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht. - Margarete Ries: Vom 'asozialen' Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz

Auf der Grundlage von Verhörprotokollen und Zeugenaussagen aus einem Entnazifizierungsverfahren 1948/49 hat die bremer shakespeare company gemeinsam mit der Universität Bremen ein dokumentarisches Theaterstück aufgeführt. Erzählt wird die Geschichte von Margarete Ries, die als „Asoziale“ in Ravensbrück inhaftiert war und später als Funktionshäftling in Auschwitz jüdische Häftlinge bewachte. mehr

Theaterprojekte mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus

Bewerbungsfrist ist der 1.7.2016

 

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Kontakt

Ulrike Rothe

Programmleiterin

rothe@stiftung-evz.de 

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-79

Fax: +49 (0)30 25 92 97-11