Christian Pfeil wurde 1944 im Ghetto Lublin im deutsch-besetzten „Generalgouvernement“ geboren, wohin seine Familie im Mai 1940 deportiert wurde. Hier mussten sie, angeordnet von der SS und der Polizei, Zwangsarbeit leisten. Er und seine engsten Angehörigen überlebten diese Tortur, viele andere Mitglieder seiner Familie wurden ermordet.
Nach der Befreiung kehrte die Familie in ihren Heimatort Trier zurück, wo sich Christian Pfeil eine erfolgreiche Existenz als Gastronom aufbaute, die jedoch immer wieder durch rechtsextreme und rassistische Angriffe überschattet wurde. Seit vielen Jahren setzt er sich für die Stärkung des lokalen Gedenkens in der Stadt ein. Pfeil vertrat in der Vergangenheit das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma im International Auschwitz-Komitee und hielt die zentrale Gedenkrede zum Europäischen Holocaust Gedenktag für Sinti und Roma am 2. August 2022 in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Wenn Sie heute auf Ihre Familiengeschichte und Ihre eigene Kindheit zurückblicken: Was ist Ihnen besonders wichtig, was die jüngere Generation über das Schicksal Ihrer Familie und den Genozid an den Sinti und Roma wissen sollte?

Die Jugend, auch die Sinti-Jugend, weiß zu wenig über dieses Schicksal, was meine Familie und alle Sinti durchgemacht haben während des NS-Regimes. Sie darüber aufzuklären und mit ihnen darüber zu sprechen ist das Allerwichtigste.

Vor 25 Jahren wurde die Stiftung EVZ gegründet. Welche Bedeutung hatte und hat diese Gründung für Sie persönlich – als Überlebender und als jemand, der sich seit vielen Jahren für das Gedenken engagiert?

Für mich sind vor allem die Begegnungen mit Jugendlichen wichtig - etwa zum 2. August in Oświęcim. Solche Begegnungen von Überlebenden mit der jungen Generation hat auch die Stiftung EVZ viel unterstützt, das finde ich sehr wichtig.

Wenn Sie an die kommenden 25 Jahre denken: Was wünschen Sie sich für die Zukunft – für die Erinnerung an den Genozid an den Sinti und Roma und für den Kampf gegen Antiziganismus in unserer Gesellschaft?

Ich hoffe ich bin noch lange da und kann noch lange sprechen und mich mit Jugendlichen unterhalten und aufklären überall, wo ich eingeladen werde. Das ist für mich unheimlich wichtig, denn das ist als Holocaust-Überlebender meine Pflicht: Meine Geschichte und die Geschichte meiner Familie immer wieder zu erzählen.

Zur Listenansicht