Luzie: Wie bist du als Initiatorin des Liberation Dances auf diese Idee gekommen? Und wie setzt ihr die Idee um?

Natalie: Unsere Idee war, 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eine Tanzperformance zu entwickeln mit Swingtänzer:innen gemeinsam. Um an die vom Nationalsozialismus verfolgten Menschen zu erinnern - aber insbesondere auch an Swingjugendliche, die verfolgt wurden. Und dafür haben wir 2024 80 Swingtänzer:innen aus verschiedenen Ländern eingeladen, mit einem Schwerpunkt auf Deutschland, Tschechien und Polen und haben dann partizipativ diese Choreografie, den Liberation Dance, entwickelt.

Luzie: Warum eignet sich besonders Swing so gut als Mittel für politische und historische Bildungs- und Erinnerungsarbeit?

Natalie: Das Thema Swing und Jazz eignet sich, gerade wenn man sich mit der NS-Geschichte auseinandersetzen will, weil man daran aufzeigen kann, dass Swing Werte hatte oder hat und verkörpert, die im Nationalsozialismus verfolgt und missachtet wurden – Wie Individualität und Improvisation, die im Swingtanz zum Ausdruck kommen und daher stammen, dass Swing aus der afroamerikanischen Kultur entsprungen ist und Individualität verkörpert, die eben von den Nationalsozialisten abgelehnt wurde. Die Swingjugendlichen, die damals dazu getanzt haben oder diese Musik gehört haben,  wurden auch deswegen verfolgt, weil sie sich eben nicht in die NS-Institutionen und unterordnen wollten. Sie wollten nicht im Gleichschritt marschieren, sondern sie wollten eben lieber aus der Reihe tanzen zu ihrer Swingmusik.

Luzie: Warum eignet sich Swing als besonders guter Aufhänger, um mit Jugendlichen zu arbeiten?

Philipp: Swing ist eine Subkultur und Jugendliche haben sehr häufig mit Subkulturen zu tun – Weil sie teilweise selbst lose oder fester Teil von einer Subkultur sind. Seien es jetzt Jugendliche, die in der Punkszene aktiv sind oder eben zu Taylor Swift auf Konzerte gehen und dementsprechend als 'Swifties‘ auch eine Subkultur sind. Und diese Verbindung bringt uns dazu, dass wir über die Lebensrealitäten der Jugendlichen direkt reden können und auch eine Verbindung setzen können – Dass wir die Jugendlichen zum Beispiel fragen können ‚Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr verfolgt werdet für die Musik, die ihr am liebsten hört oder eben auch den Fußballverein, den ihr am liebsten mögt?‘

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