Was hat Sie dazu bewogen, den Ilan Fiorentino Cup ins Leben zu rufen – und welche Bedeutung hat das Turnier für Sie persönlich und für die jüdische Gemeinschaft in Düsseldorf? 

Der Ilan Fiorentino Cup wurde von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Rahmen des Projekts „Shalom Chaverut“ ins Leben gerufen, um Menschen durch den Sport zusammenzubringen und zugleich die Erinnerung an Ilan Fiorentino lebendig zu halten. Er war Mitglied der Veteranenmannschaft (Vatikim) aus Sha'ar HaNegev und wurde am 7. Oktober 2023 von Hamas-Terroristen ermordet. Fußball verbindet über kulturelle, religiöse und sprachliche Grenzen hinweg und schafft Begegnungen, die im Alltag oft nicht selbstverständlich sind. 

Für mich persönlich steht das Turnier für Gemeinschaft, Respekt und gelebte Vielfalt. Besonders bewegt mich die Freundschaft, die sich seit unserem ersten Kennenlernen der Mannschaft aus Sha'ar HaNegev im September 2024 entwickelt hat. Trotz der geografischen Entfernung verbindet uns heute weit mehr als der Fußball. Die Begegnungen haben uns gezeigt, wie wichtig persönliche Kontakte, gegenseitiges Verständnis und echte Verbundenheit sind. Gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse des 7. Oktober und der Herausforderungen, mit denen die Menschen in der Region weiterhin leben, ist es uns wichtig, diese Freundschaft zu pflegen und Solidarität nicht nur auszusprechen, sondern auch konkret zu leben. Der Ilan Fiorentino Cup bietet dafür einen besonderen Rahmen, weil er Menschen zusammenbringt und zeigt, wie verbindend Sport sein kann. 

Für die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ist der Cup weit mehr als ein Sportereignis: Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass jüdisches Leben selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft ist und aktiv am gesellschaftlichen Miteinander teilnimmt. Als Gemeinde verstehen wir uns nicht nur als religiöse und kulturelle Heimat für unsere Mitglieder, sondern auch als Brückenbauerin zwischen unterschiedlichen Menschen und Lebenswelten. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen möchten wir Räume schaffen, in denen Menschen einander begegnen, Vorurteile abbauen und gemeinsame positive Erfahrungen sammeln können. 

Der diesjährige Cup sollte ein Zeichen für Begegnung, Erinnerung und Solidarität setzen. Wie haben Sie die antisemitischen Anfeindungen gegenüber den israelischen Gästen und jüdischen Kindern im Umfeld des Turniers erlebt und welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit?

Die antisemitischen Anfeindungen gegenüber unseren israelischen Gästen und auch gegenüber jüdischen Kindern haben uns tief betroffen gemacht. Besonders erschütternd ist, wenn junge Menschen mit Hass oder Ausgrenzung konfrontiert werden, obwohl sie lediglich an einem Sportturnier teilnehmen und Teil einer Gemeinschaft sein möchten.

Solche Vorfälle zeigen, dass Antisemitismus leider weiterhin eine Realität in Deutschland ist. Gleichzeitig bestärken sie die Jüdische Gemeinde Düsseldorf in ihrem Engagement für Aufklärung, Dialog und Begegnung. Projekte wie der Ilan Fiorentino Cup sind wichtiger denn je, weil sie Menschen zusammenbringen und persönliche Kontakte ermöglichen. Wir lassen uns von solchen Erfahrungen nicht entmutigen, sondern sehen darin einen Auftrag, weiterhin Brücken zu bauen, jüdisches Leben sichtbar zu machen und aktiv für ein respektvolles Miteinander einzutreten. Die große Solidarität vieler Teilnehmender, Gäste und Partner hat uns dabei gezeigt, dass Hass nicht die Mehrheit repräsentiert.

Trotz dieser Erfahrungen bringen Sie Menschen unterschiedlicher Herkunft und Perspektiven auf dem Fußballplatz zusammen. Welche Rolle kann der Sport Ihrer Meinung nach dabei spielen, Vorurteile abzubauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken? 

Sport besitzt eine besondere Kraft, Menschen miteinander zu verbinden. Auf dem Fußballplatz zählen nicht Herkunft, Religion oder politische Ansichten, sondern Teamgeist, Fairness und das gemeinsame Ziel. Dort begegnen sich Menschen auf Augenhöhe und lernen einander als Mitspielerinnen und Mitspieler kennen – nicht als Vertreter einer Gruppe oder eines Vorurteils. 

Gerade deshalb kann Sport einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Gemeinsame Erlebnisse schaffen Vertrauen, Respekt und gegenseitiges Verständnis. Viele Vorurteile entstehen dort, wo Menschen keinen persönlichen Kontakt miteinander haben. Der Sport schafft diese Begegnungen und ermöglicht Erfahrungen, die oft nachhaltiger wirken als jede Diskussion. 

Der Ilan Fiorentino Cup soll genau das fördern: Begegnung, Dialog und die Erfahrung, dass uns oft mehr verbindet als trennt. Als Jüdische Gemeinde Düsseldorf möchten wir durch solche Projekte dazu beitragen, dass Menschen miteinander statt übereinander sprechen und gesellschaftlicher Zusammenhalt konkret erlebbar wird.

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