Das Historylab der Stiftung EVZ ist ein Lern- und Denkraum für junge Menschen, die sich kritisch mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen und fragen, was sie für unsere Gegenwart bedeutet.

Das Historylab ist ein Lern- und Denkraum für junge Menschen, die sich kritisch mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen und fragen, was sie für unsere Gegenwart bedeutet. Junge Menschen bringen ihre Perspektiven ein, entwickeln Projekte und zeigen, dass Geschichte kein abgeschlossener Blick zurück ist, sondern etwas, das Gegenwart prägt.

Das Förderprogramm wird in den Jahren 2024 bis 2026 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert.

Gefördert durch

Für wen ist das Historylab?

Das Historylab ist für alle zwischen 18 und 29 Jahren, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren Spuren bis heute beschäftigen wollen. Es geht um Fragen wie: Welche Kontinuitäten gibt es? Wie prägt Geschichte unsere Gegenwart? Und was bedeutet Erinnerung heute? Eingeladen sind alle, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung engagieren möchten – ob mit Vorerfahrung in Projekten zur NS-Zeit oder ganz neu im Thema.

Wichtig ist die Bereitschaft, kritisch zu denken, eigene Ideen einzubringen und gemeinsam mit anderen Geschichte aus neuen Perspektiven zu betrachten. 

So funktioniert das Historylab

So funktioniert das Historylab

  1. Gemeinsamer Auftakt

    Das Historylab erstreckt sich über mehrere Monate und verbindet Lernen, Projektarbeit und Austausch. Zu Beginn kommen die Teilnehmenden zusammen, lernen sich kennen und setzen sich erstmals mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander. Gespräche, Workshops und Diskussionen helfen dabei, erste Projektideen zu entwickeln und eine klare Richtung für die nächsten Schritte festzulegen.

  2. Vom Input zur Projektidee

    Die Teilnehmenden arbeiten anschließend in einem digitalen Lernkurs weiter. Sie erhalten Impulse aus Wissenschaft, Bildung und Praxis und setzen sich damit auseinander, wie die Geschichte des Nationalsozialismus bis heute wirkt. Parallel entwickeln sie ihre Projektideen weiter und überführen sie schrittweise in umsetzbare Konzepte. In regelmäßigen Check-ins tauschen sie sich aus, besprechen Herausforderungen und klären offene Fragen. 

  3. Ideen in die Praxis bringen

    Konzepte nehmen im Team oder allein Form an und werden Schritt für Schritt realisiert. Entstehen können zum Beispiel Podcasts, Social-Media-Projekte, Workshops oder kleinere Ausstellungen. Für Material, Technik oder Gestaltung stellt die Stiftung eine Projektförderung von bis zu 1000 Euro zur Verfügung. Während der Umsetzung begleiten Austausch, Feedback aus der Gruppe und Unterstützung durch das Team der Stiftung den Prozess. 

  4. Perspektiven teilen

    Am Ende kommen alle noch einmal zusammen, präsentieren ihre Projekte und reflektieren ihre Erfahrungen aus der gemeinsamen Arbeit. Das Historylab schafft dabei einen Raum, in dem junge Menschen NS-Geschichte kritisch hinterfragen, eigene Perspektiven einbringen und Erinnerungskultur aktiv mitgestalten.

Abschlusstreffen

Spin-offs

Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers OhrdrufGedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers Ohrdruf

In dieser besonderen Runde haben sich junge Menschen zusammengefunden, um eine Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers Ohrdruf vorzubereiten. Ausgangspunkt ist ihre intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Lagers, in dem zwischen November 1944 und April 1945 rund 20.000 Menschen unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen wurden und mehr als 7.000 ihr Leben verloren. Aus gemeinsamer Recherche, Gesprächen und Diskussionen entsteht die Frage, wie Gedenken heute aussehen kann und welche Formen junge Menschen dafür finden. Am historischen Ort erinnern sie am 28. März in Ohrdruf an die Verfolgten und ihre Geschichten. Anschließend öffnen Workshops und Gespräche im Schloss Ehrenstein einen Raum für Austausch darüber, wie Erinnerung heute gestaltet werden kann und welche Rolle junge Menschen dabei spielen. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie der Weimarer Mal- und Zeichenschule. Die Vorbereitungen begleiten die Teilnehmenden auf Instagram unter @81liberation_ohrdruf.

„Journalism x History“ mit der Jugendpresse„Journalism x History“ mit der Jugendpresse

Journalism x History ist ein Bootcamp für engagierte junge Menschen aus Geschichte und Journalismus, die ihre Perspektiven, Zugänge und Werkzeuge zusammenbringen und sich gegen Rechtsruck und Ausgrenzung positionieren. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Auseinandersetzung mit Themen rund um den Nationalsozialismus und deren kritische Einordnung in kurzen Videoformaten, die sichtbar sind und Diskussionen anstoßen. Junge Menschen arbeiten in Tandems zusammen und entwickeln gemeinsam ein eigenes Reel. Welche Perspektive sie wählen, entscheiden sie selbst: Einige ordnen aktuelle gesellschaftliche Debatten historisch ein, andere nehmen Falschinformationen, Framing oder den Umgang mit Quellen kritisch unter die Lupe. In drei digitalen Workshops lernen sie zentrale journalistische und mediale Werkzeuge kennen, Feedbackrunden geben Raum für Austausch und neue Impulse. Die Chefredaktion der Jugendpresse begleitet die Teams während des gesamten Prozesses und unterstützt sie dabei, ihre Ansätze zu schärfen und in ein überzeugendes Format zu bringen. Auf Instagram bei @jugendpressede und @evzyoung vorbeischauen und keine Updates verpassen!

Im Historylab entstanden

  1. Verflechtungen erkennen

    Wie erinnern wir in einer vielfältigen Gesellschaft an Gewaltgeschichte? Das Workshop „Erinnerungskultur in der postkolonialen und postmigrantischen Gesellschaft“ von Dimitra Dermitzaki brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen und zeigte Verbindungen zwischen Verfolgung im Osmanischen Reich und im Nationalsozialismus auf. In Gesprächen, Inputs und einem Stadtspaziergang entstanden neue Zugänge zu Erinnerung jenseits nationaler Narrative. Der Austausch stieß auf großes Interesse und setzte Impulse für weitere Zusammenarbeit und Projekte.

  2. Vom Denkmal zur Debatte

    Was bedeuten sowjetische Ehrenmale heute als sichtbares Ergebnis des Zweiten Weltkriegs im Stadtraum? Die Online-Intervention „Abstimmung zur Zukunft sowjetische Ehrenmale in Berlin“ von Eva Yakubovska verbindet historische Einordnungen, Kartenansichten, Expert:innenbeiträge und eine interaktive Abstimmung. Nutzer:innen setzen sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander, vergleichen Positionen zu drei Berliner Ehrenmalen und bringen ihre eigene Haltung in die Debatte ein.

  3. Was bleibt vor Ort

    Was hat die Entwicklung der V2-Raketen mit Zwangsarbeit in Friedrichshafen zu tun? Das Projekt „Raderach“ von Frederic Forkel macht die bislang wenig sichtbare Geschichte der Heeresprüfstelle Raderach zugänglich, an der Zwangsarbeiter unter extremen Bedingungen eingesetzt wurden. Über eine Website, Flyer und eine mobile Ausstellung bringt das Projekt historische Hintergründe in den öffentlichen Raum und regt zur Auseinandersetzung mit lokaler NS-Geschichte an.

  4. Alltag zwischen Gegensätzen

    Zwischen Mitmachen, Wegsehen und Widerstand: Welche Handlungsspielräume gab es im Nationalsozialismus? Das Workshop „Füreinander – Nebeneinander – Gegeneinander. Dahlemer Nachbarschaften zwischen NS-Elite, Jüdischem Leben und Bekennender Kirche“ von Lukas Beck rückt Dahlem als Ort enger Nachbarschaften in den Fokus, in denen Täterinnen, Verfolgte und Widerstandskämpferinnen Tür an Tür lebten. Anhand von Fotos, Briefen und Dokumenten rekonstruieren Teilnehmende Biografien, verorten sie auf einer Karte und vergleichen, wie unterschiedlich Entscheidungen ausfielen und welche Folgen sie hatten.

  5. Privathaushalt und NS

    Wie wird Zwangsarbeit im Privathaushalt erinnert und warum bleibt sie oft unsichtbar? Das Projekt „Verdrängte Geschichten: Polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen in privaten Haushalten“ von Marina Kochedyshkina und Samantha Tokaryk rückt eine bislang wenig beachtete Form der NS-Zwangsarbeit in den Fokus. Auf Basis eigener Recherchen zu historischen Quellen und Biografien macht die Ausstellung die Erfahrungen betroffener Frauen sichtbar und zeigt, wie eng diese Form der Ausbeutung mit dem Alltag der deutschen Gesellschaft verknüpft war.

  6. Wir sind Geschichte

    Wie lässt sich Erinnerung in den Alltag holen, ohne zu belehren? Die Posterserie „Wir sind Geschichte“ von Jan-Gottfried Esser verbindet historische Reflexion mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen und setzt auf Empathie als politische Praxis. Fünf visuell reduzierte, barrierearme Poster laden im öffentlichen Raum zum Innehalten ein und machen sichtbar, wie Ausgrenzung funktioniert und wie ihr begegnet werden kann. Die Poster stoßen Gespräche an, irritieren gewohnte Sichtweisen und eröffnen neue Perspektiven darauf, wie sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen lassen.

  7. Stimmen verbinden

    Wie prägen persönliche Erinnerungen politische Einstellungen bis heute? Das Projekt „Spuren der Vergangenheit: Stimmen aus Ostdeutschland“ von Clara Evans verbindet Lebensgeschichten aus NS-Zeit, DDR und Wendezeit mit aktuellen Fragen zu Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Auf Basis von Interviews mit Menschen verschiedener Generationen entstehen Einblicke in individuelle Erfahrungen, die historische Umbrüche greifbar machen und zeigen, wie Vergangenheit in der Gegenwart weiterwirkt. Das Ergebnis ist eine kompakte Broschüre mit Porträts, Zitaten und Audioausschnitten, die einen niedrigschwelligen Zugang zu komplexen historischen Zusammenhängen schafft. 

  8. Gemeinsam erinnern

    Wie kann ein gemeinsames Erinnern über nationale Perspektiven hinweg gelingen? Das Projekt „Babyn Jar gemeinsam gedenken“ von Alesia Grieb, Aleksandra Belozerova, Charlene Marth und Ben Reis setzt sich mit dem Erinnerungsort Babyn Jar und dem „Holocaust durch Kugeln“ in der Ukraine auseinander. Die Ausstellung verbindet historische Einordnung mit aktuellen Fragen zum Umgang mit Geschichte und zeigt, wie Erinnerung politisch gedeutet und instrumentalisiert werden kann. Sie bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und macht sichtbar, wie Erinnerung zwischen historischen Erfahrungen, politischen Interessen und aktuellen Debatten ausgehandelt wird.

Ausstellung

Dein Historylab auf Social Media

  • Dein Historylab geht in die dritte Runde

    Vom 6. bis 9. März ist die dritte Runde des Historylabs in Weimar gestartet: 15 junge Menschen haben sich getroffen, Ideen entwickelt und ihre Projekte auf den Weg gebracht. Jetzt geht es in die Umsetzung, im August kommen sie wieder zusammen und zeigen, was daraus geworden ist.

  • Rückblick auf den Kick-off der ersten Runde in Weimar

    Vier Tage voller Austausch, Lernen und Ausprobieren: 💡 Die Teilnehmer:innen testeten unser E-Learning, besuchten das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und diskutierten in einem kreativen Workshop über Memes, Geschlechterrollen und NS-Symbolik in der Popkultur.

Infomailing Dein Historylab

Ich möchte über den nächsten Durchgang informiert werden!

Ansprechperson

Ekaterina Malygina

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97- 96
E-Mail: malygina@stiftung-evz.de