local.history

Mit dem Förderprogramm local.history unterstützt die Stiftung EVZ lokal und regional aktive Geschichtsinitiativen aus Mittel- und Osteuropa. Gefördert werden Projekte zur Aufarbeitung und Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges. Die Projekte setzen sich thematisch mit Orten, Personen und Ereignissen der nationalsozialistischen Geschichte auseinander.

Über den lokalen Bezug findet die Auseinandersetzung mit Aspekten der Verfolgung im Nationalsozialismus statt: beispielsweise der NS-Zwangsarbeit, die Verfolgung von Sinti:ze und Romn:ja, von Menschen mit Behinderung oder Widerstandskämpfer:innen. Lokale Akteur:innen und verschiedene Zielgruppen nehmen teil, um eine zeitgemäße und inklusive Erinnerungskultur zu schaffen. Damit erreichen sie die Bevölkerung vor Ort. Der Stiftung EVZ ist es wichtig, dabei Verbindungen zu aktuellen Debatten in der Gesellschaft aufzugreifen und Fragen zur Geschichte aus heutiger Perspektive zu stellen.

„Helena Bohle-Szacka. Przenikanie“: ein multidisziplinäres Ausstellungs- und Forschungsprojekt

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Das Projekt hält die Erinnerung an Helena Bohle-Szacka – Künstlerin, Mode- und Grafikdesignerin, aber auch KZÜberlebende – wach und verknüpft sie mit der lokalen Geschichte in Łódź.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Das Projekt erreicht durch den künstlerischen Ansatz diverse Zielgruppen, die sich mit den Themen Verfolgung und NS-Zwangsarbeit im lokalen Kontext beschäftigen.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Geschichte und Kunst werden miteinander verwoben. So entstehen Räume zur Auseinandersetzung mit der Biografie von Helena Bohle-Szacka, aber auch zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit. Die Ausstellung erzählt nicht nur von der Vergangenheit, sondern blickt in die Gegenwart als Mahnung gegen Hass und Aggression in den Gesellschaften.

Projektträger: Centralne Muzeum Włókiennictwa w Łodzi
Förderzeitraum: 2021–2022
Fördersumme: 58.206 Euro
Förderland: Polen
Webseite: https://cmwl.pl/public

Performance „Breaking the Silence in Lettland”

Am 10. August 1941 wurde eine kleine Gemeinde von Juden:Jüdinnen in Lettland ausgelöscht. Das Massengrab befindet sich im Wald, etwa 3 km vom Stadtzentrum von Cesis entfernt.

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Ziel des Projekts ist es, das Bewusstsein der zeitgenössischen Gesellschaft für das traumatische Erbe der totalitären Vergangenheit, insbesondere des Holocaust, zu schärfen. Zeitgenössische audiovisuelle Kunstperformances und Kunstobjekte im öffentlichen Raum der Stadt Cesis machen die damaligen Ereignisse erlebbar und erfahrbar. In Podcasts sprechen beteiligte Künstler:innen  über die Bedeutung des lebendigen Gedenkens an die Opfer des Totalitarismus und seine Bedeutung für die Verteidigung der Demokratie heute.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Das Projekt wird mit Hilfe von bedeutenden lettischen Künstler:innen und Partnerorganisationen in vier Sprachen umgesetzt. Die lokale Bevölkerung wird in das Projekt einbezogen.   

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Das Projekt findet in einem kleinen Ort statt, ist aber symbolisch und kann durch den künstlerischen Ansatz landes- sowie europaweit zu einem der Best Practice Projekte werden.

Projektträgerin:  BURNING CONSCIENCE Exhibition Support Foundation; Kooperationspartner:innen: Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., Embassy of Israel to Latvia, Embassy of the Federal Republic of Germany to Latvia                                                 
Förderzeitraum: 2021-2022
Fördersumme: 60.000 Euro
Förderland: Lettland
Website: sirdsapzinasugunskurs.lv

Virtuelles Museum des Kriegsgefangenenlagers Stalag 352 in Minsk

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Das Projekt erzählt die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen am Beispiel der Geschichte des Stalag 352 multimedial. 5,7 Millionen sowjetische Soldat:innen gerieten in deutsche Gefangenschaft. Von ihnen kamen bis zu 3,35 Millionen, also mehr als die Hälfte ums Leben: durch Hunger, Krankheiten, schwere Arbeit und gezielte Tötungen. Damit sind sie neben der sowjetischen Zivilbevölkerung und den europäischen Juden:Jüdinnen eine der größten Opfergruppen des Zweiten Weltkrieges.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Im Projekt arbeiten Historiker:innen und Webentwickler:innen gemeinsam mit den Anwohner:innen von Masyukovshchyna. gelegen am Stadtrand von Minsk neben dem ehemaligen Stalag. Ziel ist es, neben der Erinnerung auch den vernachlässigten Ort selbst einzubinden und nutzbar zu machen.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Die lokale Bevölkerung wird in die Erarbeitung des Gedenkortes einbezogen. Das Thema Kriegsgefangene in Belarus ist bislang wenig bearbeitet und erfährt durch das Projekt mehr Aufmerksamkeit. Für einen neuen Gedenkort wird von Anfang an die digitale Ebene mitgedacht. Da unklar ist, was mit dem Gelände passieren wird, kann das Projekt so dokumentiert werden. Die Öffentlichkeitsarbeit stärkt die lokale zivilgesellschaftliche Initiative, die sich seit Jahren für die Erinnerung einsetzt.

Projektträgerin: Republican Union of Tourism Industry
Förderzeitraum: 2021-2022
Fördersumme: 50.306 Euro
Förderland: Belarus
Website:  Зберажом Масюкоўшчыну / Сохраним Масюковщину | Gruppen | Facebook

Virtuelle Karte mit Bildungsmaterialien

... über das Leben in Nowy Sacz unter der deutschen Besatzung
 

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Die entstehende virtuelle Karte ist ein wichtiges Instrument des Gedenkens und der Aufklärung. Der Schwerpunkt liegt auf einer Fallstudie der Stadt  Nowy Sacz, die die Folgen einer rücksichtslosen Ideologie ohne Achtung der Menschenrechte während der deutschen Besatzung aufzeigt. Die Karte wird die Geschichte ganzer Gemeinschaften und einzelner Menschen unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Glaubensbekenntnis, politischen Ansichten und sozialer Stellung erforschen. Auf diese Weise wird die Geschichte der besetzten Stadt aus der Perspektive bestimmter Menschen dargestellt, die wir mit Namen, an bestimmten Orten und durch bestimmte Ereignisse kennen.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Als Teil des Projekts werden Lehrer:innen und Schulen aller Stufen (einschließlich der Universität für Senior:innen) angesprochen. Die Karte soll im Unterricht als Quelle genutzt werden und auch für lokale und gesamtpolnische Tourismusorganisationen praktisch nutzbar sein. Der Inhalt der Karte wird von Historiker:innen, der lokalen Bevölkerung sowie von Jugendlichen erstellt.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Das Projekt verbindet lokale Geschichte und Tourismus heute. Die multimediale Karte ist als Format – nicht nur in der Bildungsarbeit – vielfach nutzbar. Das Projekt ist als Best Practice für die Region bedeutsam.

Projektträgerin: Fundacja Nomina Rosae Ogrod Kultury Dawnej
Förderzeitraum: 2021-2022
Fördersumme: 45.000 Euro
Förderland: Polen
Website: „Wartime Nowy Sącz” – our new research&education project – Fundacja Nomina Rosae

Förderung in Deutschland (bis 2021)

„Weg des Erinnerns”: Schicksale der Kinder von Zwangsarbeiter:innen

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Über die sogenannten „Ausländerkinderpflegestätten“ ist in Deutschland nur sehr wenig bekannt, obwohl etwa 50.000 bis 70.000 Kleinkinder von Zwangsarbeiter:innen in diesen Baracken umgekommen sind. Das Projekt soll die Erinnerung an die Schicksale der Opfer wachhalten und in der deutschen Erinnerungskultur verankern.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Der Heimatverein Indersdorf arbeitet seit Jahren daran, an die Kinder und die Neugeborenen der Zwangsarbeiter:innen zu erinnern. Über die Vereinswebseite und QR-Codes vor Ort erreicht das Projekt sowohl die lokale Bevölkerung in und um Indersdorf, als auch Tourist:innen und Interessierte.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Die Stiftung EVZ fördert das Projekt, weil es ein bisher wenig bekanntes Kapitel der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus ausleuchtet und Menschen vor Ort die Möglichkeit gibt, sich aktiv mit der lokalen Geschichte auseinanderzusetzen.

Projektträger: Heimatverein Indersdorf
Förderzeitraum: April-Oktober 2021
Fördersumme: 12.237 Euro
Förderland: Deutschland
Webseite: Weg des Erinnerns | Heimatverein Indersdorf e.V. (heimatverein-indersdorf.de)

 

Partizipative Stadtlabor-Ausstellung

„Der NS und wir? Eine Spurensuche im Heute”

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Das Projekt soll Frankfurter:innen eine ganz eigene Auseinandersetzung mit der Zeit des NS ermöglichen und durch die persönliche Spurensuche zeigen, wie plural das Erinnerungskollektiv ist. Der partizipative Ansatz soll neue Erinnerungen und Geschichtsbezüge freilegen.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Insgesamt 38 Frankfurter:innen nehmen am Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt teil. Mit seinem Ausstellungsformat erreicht das Projekt eine breite Öffentlichkeit. Eingebettet ist die Stadtlabor-Ausstellung in eine umfassende Gesamtschau zu Frankfurt und dem NS.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung der Frage: Wie kann eine moderne, zeitgemäße und inklusive Erinnerungskultur aussehen? Es regt weiter dazu an, das Erinnern offen und vielfältig zu denken.

 

Projektträger: Historisches Museum Frankfurt
Förderzeitraum: 2021-2022
Fördersumme: 15.000 Euro
Förderland: Deutschland
Webseite: historisches-museum-frankfurt.de/stadtlabor/auf-spurensuche-im-heute; historisches-museum-frankfurt.de/de/frankfurt-und-der-ns

Projektfinder

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Ansprechpersonen

Corinna Jentzsch

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-26
E-Mail: jentzsch@stiftung-evz.de

Agnieszka Pustola

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-13
E-Mail: pustola@stiftung-evz.de