Migration und Erinnerungskultur

Das Programm richtet sich an antisemitismus- und rassismuserfahrene Community-Organisationen in Deutschland. Im Fokus steht die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus aus selbstbestimmten Erzählformen der jüdischen Perspektiven, die der Sinti:ze und/oder Rom:nja, von Schwarzen und migrantischen Communities.

Ziel des Programms ist es, Erinnerungskulturen inklusiv und praktisch zu fördern, den Diskurs der NS-Erinnerung auf heutige Lebensrealitäten zu beziehen und die Erinnerung an NS-Unrecht wach zu halten. Das partizipativ und diversitätsorientierte Programmformat findet Anwendung bei der Projekt-Ausschreibung und Auswahl. Dabei wird die Stiftung EVZ extern begleitet und beruft ein Beratungsgremium ein, bestehend aus Expert:innen mit fundiertem Wissen zu Antisemitismus, Rassismus gegen Rom:nja und Sinti:ze, anderen Formen des Rassismus und Diskriminierung, zu Erinnerung, Widerstand und politischen Bewegungen.

Plurale und selbstbestimmte Erinnerungskultur gestalten - Von Anfang an und Gemeinsam!

Die im Jahr 2020 als Pilotformat gestartete Programmausrichtung >Plural, Selbstbestimmt und Partizipativ> des Förderprogramms Migration und Erinnerungskultur, zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus für ein lebendiges Erinnern, geht nun in die nächste Wirkungsphase für 2022 und 2023.

Mit der diskriminierungskritisch verorteten Begleitorganisation Migrationsrat Berlin e.V. wurde das Expert:innen-Programmgremium 2022 einberufen und ein gemeinsames Auftakttreffen zum Prozess >Plural-Selbstbestimmt und Partizipativ> realisiert.

Das Ziel des Förderprogramms ist die Sichtbarwerdung von Verflechtungen der NS-Geschichte und ihrer Fortwirkungen in die Gegenwart aus Perspektiven von rassismus-und antisemitismuserfahrenen Community-Organisationen.

Dieses fordert die Thematisierung mit den in der Gesellschaft befindlichen Ungleichheitsverhältnissen, der pluralen Verortung in kollektiven Gewaltgeschichten, den politischen Bewegungskämpfen nach Anerkennung und der Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftliche historische Erinnern. Diesem stellt sich die Stiftung reflektiert-machtkritisch und diversitätsorientiert.

In diesem Förderprogramm schafft die Stiftung EVZ Räume und Formate für eine selbstbestimmte, partizipative und plurale Ausrichtung der historisch-politischen Bildung aus Perspektiven von antisemitismus-und rassismuserfahrenen Expert:innen.

Die Stiftung EVZ als institutioneller Entscheidungsträger teilt bewusst von Anfang an ihren Wirkungsraum und etabliert auf operativer Ebene Formate der Partizipation. In diesem thematisch-und struktursensiblen Prozess, lässt sich die Stiftung EVZ, wie in der Pilotphase zuvor, extern begleiten.

Die Expert:innen des Programmgremiums bringen fundiertes Wissen zu: Antisemitismus, Rassismus gegen Rom:nja und Sinti:ze und unterschiedlichen Rassismen (Anti-Schwarzer Rassismus, Anti-Muslimischer Rassismus, Anti-Asiatischer Rassismus, sowie andere Formen von Diskriminierung (Queerfeindlichkeit, Klassismus etc.), Erinnerung(-sgemeinschaften), Widerstand und politischen Bewegungen, mit.

Das Programmgremium wird in der Vertiefung der oben genannten Themen, eine passgenaue Projektausschreibung erarbeiten und die Kriterien für die Gestaltung von Projekten der historisch-politischen Bildung zur Sichtbarwerdung von Verflechtungen in NS-Geschichte und ihrer Fortwirkungen, festlegen. Diese sind auch richtungsgebend, wie plurale und selbstbestimmte Erinnerungskultur in Deutschland, aus Perspektiven von antisemitismus-und rasissmuserfahrenen Community-Organisationen, aussehen kann. Die Veröffentlichung der Projektausschreibung ist für Februar 2023 geplant. Zudem wird das Programmgremium die eingereichten Projekte bewerten und für eine Förderung durch die Stiftung EVZ empfehlen. Ferner ist ein Outcoming zum Prozess des Programmformats >Plural, Selbstbestimmt und Partizipativ> geplant.

„Perspektiven auf Vergangenheit und Gegenwart“: mehrsprachige Geschichtswerkstatt im Freien Radio

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Im Projekt werden Leerstellen in Narrativen zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus aus Perspektiven von Menschen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrungen hör-und sichtbarer gemacht. Das gemeinsame Radiomachen unterstützt das kollektive Geschichtsbewusstsein. Gedenkstättenbesuche, lokale Spurensuche zur NS-Vergangenheit in Halle und Gespräche mit Zeitzeug:innen gestalten die Vielfalt eines lebendigen Erinnerns.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Die mehrsprachige Geschichtswerkstatt wird von und mit Menschen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrungen im Rahmen der Plattform Radio Corax umgesetzt. Sie erreicht Community-übergreifend Geschichtsinteressierte bundesweit.

Warum fördert die Stiftung gerade dieses Projekt?

Die Geschichtswerkstatt eröffnet eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte. Sie beleuchtet ihre Fortwirkungen und geht der Frage nach, wie gesamtgesellschaftliche Erinnerung(en) gestaltet werden können.

Projektträger: Common Voices Radio des Radio Corax e. V. in Halle (Saale)
Laufzeit: 2021–2023
Fördersumme: 57.995 Euro
Förderland: Deutschland
Webseiten: wir-erinnern.radiocorax.de
https://commonvoices.radiocorax.de

„Erinnerungen erkunden“: Jüdische Perspektiven

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Im Projekt wird die innerjüdische Diversität in Deutschland in den Fokus gerückt. Plurale und selbstbestimmte Erzählperspektiven von Juden:Jüdinnen zu Erinnerungen an die Shoah münden in eine künstlerisch-räumliche (Klang und Bild)-Installation. 

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Der Zusammenschluss freischaffender Medien- und Performancekünstler:innen in Frankfurt am Main „Andpartnersincrime“ ist der Kooperationspartner des Projekts. Das Projekt bietet einen kreativen und generationsübergreifenden Zugang zu multiperspektivischen Erinnerungen an die Shoah.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Weil es die innerjüdischen Perspektiven aufzeigt und über künstlerische Formate eine breite Zielgruppe erreicht. 

Projektträgerin: Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Förderzeitraum: 2021-2022
Fördersumme: 30.000 €
Förderland: Deutschland
Webseiten:  www.jg-ffm.de | www.andpartnersincrime.org

„Virtual Remembrance“: Erinnerungen von Sinti:ze und Rom:nja

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Die Bildungsinhalte zu Erinnerungskultur und Gedenken an die im NS ermordeten Sinti:ze und Rom:nja Europas werden um digitale Formate erweitert und so für ein breiteres Publikum zugänglich.

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

Im Projekt werden Sinti:ze und Rom:nja befragt nach generationsübergreifendem Gedenken und wie ihre Lebensrealitäten damit verwoben sind.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Durch das Projekt wird die Perspektive der Sinti:ze und Rom:nja gestärkt. Es kann ein selbstbestimmter Zugang zur Thematik erreicht werden und das Format bietet die Möglichkeit, verschiedene Personen zu erreichen. Die audiovisuellen Materialien werden mehrsprachig (Deutsch und Englisch) und erstmals in der Romnes Sprache (Sprache deutscher Sinti:ze und Rom:nja) aufbereitet und auf der Webseite bereit gestellt.

Projektträgerin: Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn e.V.
Förderzeitraum: 2021-2023
Fördersumme: 38.500 €
Förderland: Deutschland
Webseite: www.gedenkstaette-zwangslager-marzahn.de | www.sinti-roma-berlin.de

„(In)Visible Stories-Maghrebinische Zwangsarbeiter in der NS-Zeit“

Was möchte die Stiftung EVZ mit dem Projekt bewirken?

Ziel des Projektes ist es, die wenig bekannte Geschichte von maghrebinischen Zwangsarbeiter:innen im Nationalsozialismus in den Communities weiter zu erzählen, zu verbreiten und an sie zu erinnern.  

Wer macht mit und wen erreicht das Projekt?

In kontinuierlichen Vernetzungstreffen setzen sich maghrebinische Geschichtsinteressierte mit der Geschichte des Nationalsozialismus, der NS-Verflechtungsgeschichte von maghrebinischen Soldaten und dem Kolonialismus auseinander. Dazu werden überregionale Gedenkstätten sowie regionale Erinnerungsorte besucht.

Warum fördert die Stiftung EVZ gerade dieses Projekt?

Mit diesem Projekt wird die NS-Zeit aus einer wenig bekannten Perspektive betrachtet und neue Aspekte herausgearbeitet. Im Laufe des Projektes wird eine Webseite erstellt, auf der die Inhalte und Aktivitäten des Projektes veröffentlicht werden.

Projektträger: Zukunft Plus - Verein für gesellschaftliche Partizipation e.V. Düsseldorf
Förderzeitraum: 2021-2023
Fördersumme: 58.975 €
Förderland: Deutschland
Webseite: Im Aufbau, www.denkort-bunker-valentin.de

Projektfinder

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Ansprechpersonen

Magdalena Lovrić

Projektkoordination

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-20
E-Mail: lovric@stiftung-evz.de