© Benjamin Griebe
MemoRails ist ein Drittmittelprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Stiftung EVZ. Es richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen in Deutschland, die auf kreative und zeitgemäße Art und Weise an die Verbrechen des NS-Regimes und ihre Folgen an Bahnhöfen in Deutschland erinnern.
Ziel ist es, Bahnhöfe als Orte der NS-Verfolgung sichtbar zu machen, Geschichten von Verfolgten, aber auch von Täter:innen zu recherchieren und mit verschiedenen Gedenk- und Veranstaltungsformaten, jeweils abgestimmt auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort, im Bahnhofsumfeld, an sie zu erinnern. Die lokale Bevölkerung soll in die Erinnerungsarbeit einbezogen werden.
Als vielfrequentierte Orte des Transits sind Bahnhöfe geeignet, Menschen die Möglichkeit zu geben, der NS-Verbrechen zu gedenken und ein öffentliches Bewusstsein für die Geschichten „hinter“ den Bahnhöfen zu schaffen. Das Förderprogramm setzt deutliche Impulse zur Aufarbeitung des NS-Unrechts und zum Gedenken an die Opfer im Umfeld des 80. Jahrestags des Kriegsendes.
Die Logoleiste finden die Projektträger hier.
Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e. V.
Das Projekt hat zum Ziel, aktuelle Recherche- und Publikationsprojekte zur NS-Geschichte des ostbrandenburgischen Dorfes Trebnitz über eine Vielfalt von Veranstaltungen für diverse Zielgruppen zu erweitern und sichtbar zu machen. Im Zentrum steht eine durch eine deutsch-polnische Jugendbegegnung vorbereitete, performative Gedenkwanderung vom Bahnhof zum Außenlager Wulkow. Als Produkt entstehen ein Audiowalk und nachhaltige Workshopformate, die bei der feierlichen Einweihung des Gedenkzeichens präsentiert werden.
Jugend Museum (Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg)
Jugendliche erforschen die Geschichte des Schienennetzes im Gleisdreieckpark sowie der umliegenden Bahnhöfe in Berlin. Ausgehend von biografischer Recherche führen sie Interviews mit Parkbesucher:innen durch und erarbeiten Plakate sowie digitale Formate (Reels, TikTok). Höhepunkt des Projektes sind eine öffentlich-künstlerische Intervention, eine Werkschau und die Präsentation der Ergebnisse im Park.
Volkshochschule Meppen gGmbH
Im Projekt wird die Rolle des mitten im Emsland gelegenen Bahnhofs Meppen in einem multiperspektivischen Ansatz auf seine NS-Geschichte befragt. Es entstehen Bildungsmaterialien, eine Ausstellung im Stadtmuseum, eine Stadtrallye "Memory Lane" sowie eine partizipativ erarbeitete Kunstinstallation, die zusammen mit einer Videoinstallation den Gedenkort eröffnet.
Stadtverwaltung Meiningen
Der Träger recherchiert die Geschichte von NS-Zwangsarbeit im ehemaligen Reichsausbesserungswerk, das bisher keinerlei Erwähnung findet. Recherchen über ca. 6.000 Zwangsarbeiter:innen werden in ein pädagogisches Konzept sowie eine Ausstellung übertragen, die in der kürzlich eröffneten "Dampflokerlebniswelt" (DEW) gezeigt wird. Im öffentlichen Raum werden ein nachhaltiges Leitsystem vom Bahnhof zum DEW sowie weitergehende Informationen am Bahnhof bereitgestellt.
AKuBiZ e.V.
Der Bahnhof Königstein, heute touristischer Ausgangspunkt in der Sächsischen Schweiz, verband ein Netz von Feldbahnen in drei KZ-Außenlager von Flossenbürg mit dem Liniennetz der Reichsbahn. Das Projekt recherchiert strukturelle Gegebenheiten sowie Verbindungen von Zwangsarbeit zur touristischen Region. Ergebnisse des Projekts sind u.a. ein Radwanderführer (analog und digital), informative Bahnfahrten sowie die Ergänzung der Ausstellung im Feldbahnmuseum um die Geschichte von NS-Zwangsarbeit.
Rödermarkfreunde e.V. zur Förderung von Kunst und Kultur
Entlang der Geschichte der Person Rosel Hecht wird die große Geschichte von Entrechtung, Vertreibung, Folter und Tod der jüdischen Bevölkerung erzählt. Rund um die Biografie und den Bahnhof Ober-Roden werden Aktivitäten mit großer Bürgerbeteiligung durchgeführt sowie Instagram-Reels und ein Podcast veröffentlicht.
Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.
Das Projekt macht auf Geschichten von Deportationen der Cottbuser Jüd:innen, Insassinnen des Frauenzuchthauses sowie Zwangsarbeiter:innen aufmerksam. Mit einer digitalen Medieninstallation und durch Veranstaltungen werden die Rolle der Reichsbahn und die Reaktionen der Cottbuser Bevölkerung thematisiert. Mit einem Peer-to-Peer-Ansatz entwickeln Schüler:innen eine Geoaching- oder Actionbound-Tour von der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zur Ausstellung im Bahnhof.
GERÄUSCHKULISSE e.V.
Das Projekt thematisiert den Einsatz von Zwangsarbeiter:innen in der Braunkohleindustrie in Böhlen während der NS-Zeit. Es entsteht eine permanente audiovisuelle Ausstellung auf dem Gelände des Bahnhofs Böhlen. Die entwickelten Audiofeatures für die Ausstellung werden partizipativ mit Schüler:innen erarbeitet.
Dekoder-gGmbH
Das Projekt “Letzter Halt: Flossenbürg" beschäftigt sich mit der Geschichte der Eisenbahnlinie von Weiden nach Flossenbürg. Im Fokus stehen die Recherche zur Nutzung der Linie für Häftlingstransporte 1938-45 sowie die Entwicklung eines multimedialen Storytelling-Formats. Die lokale Bevölkerung wrd als „Citizen Scholars“ in die Recherchen eingebunden.
Sinti-Allianz Deutschland NRW e. V. c.o. Robert Wernicke
Anhand des Bahnhofs Köln-Deutz erzählt das Projekt in einer Ausstellung zwölf Geschichten von Sinti:zze, Rom:nja, Jüd:innen und Jenischen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und deportiert wurden. Die Porträts zeigen individuelles Leben und Leid und setzen die bestehenden Gedenktafeln in einen konkreten Kontext.
Deutsches Theater in Göttingen GmbH
Das Projekt entwickelt ein Theaterstück über den Alten Güterbahnhof in Göttingen, das den historischen Ort und die Ereignisse der NS-Deportationen mit der heutigen Probebühne des Theaters verknüpft. Begleitend zum Theaterstück findet ein pädagogisches und partizipatives Bildungsprogramm bestehend aus Führungen, Schulworkshops und Zeitzeug:innengesprächen insbesondere für junge Menschen statt.
Musikschule Neumünster
Die Projektreihe mit dem Titel „VON HiER AUS“ thematisiert das Schicksal von Menschen, die während der NS-Zeit zwangsweise nach Neumünster kamen und von dort deportiert wurden. Vier aktuell betriebene Bahnhöfe in Neumünster sowie ihre Geschichte als zentrale Orte von Flucht und Zwangsarbeit stehen im Zentrum. Schüler:innen setzen sich gemeinsam mit Künstler:innen in verschiedenen Formaten kreativ mit den Geschichten der Verfolgten auseinander.
Schlaglicht e.V. - Emanzipatorische politische Bildung und Medienpädagogik
Ausgangspunkt des Projekts ist die Brandenburger Nordbahn und ihre Geschichten in der NS-Zeit mit den Schwerpunkten Verfolgung, Ausgrenzung, Flucht, jüdisches Leben und Zwangsarbeit. Grundschüler:innen produzieren Erklärfilme und andere digitale Formate zur Geschichte von vier Bahnhöfen in ihren jeweiligen Gemeinden, die auf einer Website veröffentlicht werden.
Insgesamt haben sich über 100 Initiativen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Akteure mit kreativen und forschungsbasierten Projektideen beworben. Die Projekte kommen aus allen Bundesländern und betreffen die unterschiedlichsten Bahnhöfe. Die Träger stammen aus kleinen Dörfern und aus Großstädten. Ein Teil der Beteiligten bringt langjährige Erfahrung in der Erinnerungskultur mit, andere sind neu in diesem Bereich tätig. Die Ansätze unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch methodisch und weisen eine große Bandbreite auf. Die Auswahl der Projekte erfolgte durch eine Jury auf Grundlage festgelegter Kriterien. Geplant sind unter anderem klassische Ausstellungen, Stadtführungen, Radwanderwege, digitale Formate und Theateraufführungen im öffentlichen Raum. Die Projekte werden sich an ein breites Publikum richten und umfassen viele partizipative Ideen zur Einbindung der lokalen Bevölkerung. Nach der internen Jury-Sitzung hat nun auch die externe Jury ihre Entscheidung getroffen und 13 Projekte ausgewählt.
Kommunikationsmanagement Gedenken an Bahnhöfen
Tel.: +49 (0)30 25 92 97-46
E-Mail: poncelet@stiftung-evz.de

