Tödliche Zwangsarbeit in Karya

Im Jahr 1943 müssen hunderte jüdische Männer Zwangsarbeit auf einer Baustelle in Karya - einer kleinen Bahnstation in Mittelgriechenland - leisten. Dass dies bekannt wird, ist Andreas Assael zu verdanken, einem Forscher, Sammler und Sohn eines jüdischen Überlebenden aus Thessaloniki. Er entdeckt 2002 ein Fotoalbum aus der Kriegszeit - darin Fotos jüdischer Zwangsarbeiter in Karya. Die Forschungen, die er daraufhin anstellt, sind die Grundlage einer Wanderausstellung, die seit 2024 in Deutschland und Griechenland zu sehen ist.

Ausgehend von bislang nicht publizierten Fotos der Zwangsarbeit jüdischer Männer an der Bahnstrecke in Karya wurde eine multiperspektivische Wanderausstellung erarbeitet. Unter Einbeziehung von Studierenden aus Deutschland und Griechenland untersuchte die Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften der Universität Osnabrück den Ort geoarchäologisch nach Massengräbern und Spuren der Zwangsarbeit und entwickelte ein qualitativ und visuell hochwertiges 3-D-Modell, das den Tatort erfahrbar macht. In einem partizipativen Ansatz flossen Ergebnisse von Zeitzeug:innenbegegnungen, Biographien der Überlebenden und Workshops mit Nachkommen von Überlebenden in das deutsch-griechische Projekt ein.

Die in Berlin im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, in Thessaloniki in der Aristoteles Universität und in Athen gezeigte Ausstellung richtete sich an die interessierte Öffentlichkeit und wurde auf begleitenden Veranstaltungen mit Expert:innen sowie mit einem breiten Publikum diskutiert. Eine Webseite, Social Media sowie Workshops und Lernmodule erreichten insbesondere Studierende und Schüler:innen, auch Menschen, die keine historischen Ausstellungen besuchen, sowie Multiplikator:innen in der Erinnerungsarbeit.

 

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit ist eine Einrichtung der Stiftung Topographie des Terrors. Mit den Dauerausstellungen und Bildungsprogrammen zur Zwangsarbeit im Nationalsozialismus vermittelt der Erinnerungsort die Alltäglichkeit der Zwangsarbeit von über 26 Millionen Menschen im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten Europas. Gefördert werden soll so die Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die noch heute die Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen betroffenen Ländern wie Griechenland beeinflusst.

Datenblatt

Kooperationspartner:innen:

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften der Universität Osnabrück
Jüdisches Museum Griechenlands

Förderland: Deutschland, Griechenland
Laufzeit: 1.11.2022 bis 31.12.2024

Projektwebsite

 

Mehr zum Projekt

Bildungsagenda NS-Unrecht

Das Magazin der Bildungsagenda NS-UnrechtDas Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht

Rüstungsbetriebe, Landwirtschaft, Privathaushalte, Konzentrations- und Arbeitslager: Zwangsarbeit war im Deutschen Reich zwischen 1939 und 1945 fast allgegenwärtig. 26 Millionen Menschen arbeiteten unter Zwang, ohne Lohn und unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Deutschen Reich sowie in den besetzten Gebieten. Gesehen und gehört wurden die Millionen Opfer zu spät – die Dimensionen dieses Unrechts bleiben bis heute oft europaweit unbekannt. Drei geförderte Institutionen widmen sich über drei unterschiedliche Zugänge dem Thema Zwangsarbeit und den Millionen Menschen, die unter ihr litten. Sie forschen, fordern Auseinandersetzung, erinnern, machen sichtbar und sie bilden – und füllen durch partizipative und interdisziplinäre Ansätze Wissenslücken.