Grafeneck - Münster / 1940 - heute

Am Beispiel der NS-'Euthanasie' die Entmenschlichung im Nationalsozialismus nachvollziehbar zu machen, ist das Ziel des kulturpädagogischen Projektes 'Grafeneck - Münster / 1940 - heute'. Es erprobt einen kulturpädagogischen Ansatz, der Erfahrungsräume und Reflexionsmöglichkeiten schafft. Hierfür wird auf die Ausdruckskraft der Kunst gesetzt und ein narrativer Bogen gespannt, der von den ersten Massenmorden der Aktion T4, die in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb stattfanden, hin zu dem wichtigen Widerstandsmoment reicht, der 1941 in den Predigten des Münsteraner Bischofs von Galen lag.

Workshops für Jugendliche aus den Tätigkeitsfeldern Sozialer Arbeit
Das Projekt richtet sich in einem ersten Schritt an Studierende der Sozialen Arbeit und der Heilpädagogik/Inklusiven Pädagogik, die in einem zweiten Schritt selbst als Peers Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene anleiten. Diese finden im Raum Schwäbische Alb/Reutlingen und in Münster und dem Münsterland statt. Durchgehend sind Menschen mit psychischen Erkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen partizipativ beteiligt.


Erfahrungsräume für 'gelebte' Geschichte ermöglichen
Erprobt wird ein kulturpädagogischer Ansatz, der darauf setzt, Räume zu eröffnen, in denen die Vergangenheit das gegenwärtige Erleben und Denken zu berühren vermag. In den angebotenen Geschichts-Workshops spielen die Lebenswege von Opfern und die Lebensgeschichten von Tätern eine zentrale Rolle. Es geht auch um die Fragen, mit denen deren Nachfahren heute beschäftigt sind. Die Ideologie der Eugenik und die nationalsozialistische Vorstellung von einem 'Volkskörper' werden thematisiert und in ein Verhältnis zu heutigen gesellschaftlichen Tendenzen der Entwertung und Entmenschlichung gesetzt. Die eigene Familiengeschichte wird als möglicher Ort der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in den Blick gebracht.


Um für das Erfahrene und das mit ihm verbundene emotionale Erleben Artikulationsmöglichkeiten zu schaffen, werden die historischen Workshops mit Gesprächsgruppen und Malwerkstätten kombiniert. 'Gelernte' Geschichte kann sich so zu 'gelebter' Geschichte wandeln.

Mit der Ausdruckskraft der Bildenden Kunst
Die Möglichkeiten der Bildenden Kunst, auf sensuelle Weise eine intensive Beschäftigung mit der Thematik anzuregen, in der auch Widersprüchliches und Ambivalentes Platz hat, wird an der Gedenkstätte Grafeneck in einer Reihe von Kunstwerken genutzt. Etwa im 'Alphabetgarten' der US-amerikanischen Künstlerin Diane Samuels, in dem die Buchstaben des Alphabets aufgesammelt werden können, um Namen für die unbekannten Opfer und Worte für das zu bilden, das sich nur schwer sagen lässt. Das Projekt arbeitet mit den Künstler:innen Hannah Bischof, Michaela Melián, Jochen Meyder, Lena Ditte Nissen und Felix Votteler zusammen, es initiiert Ausstellungen sowie Präsentationen im Öffentlichen Raum.

Datenblatt

Kooperationspartner: lokale Akteure auf der Schwäbischen Alb (Living Museum Alb, Jüdisches Museum Buttenhausen, Kunstmuseum Reutlingen, Wochenzeitung Kontext), in Münster (Geschichtsort Villa ten Hompel, LWL-Institut für Westfälische
Regionalgeschichte u.a.) und der Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehemals PAKH e.V. in Köln.
Förderland: Deutschland
Laufzeit: 01.04.2024 bis 31.12.2025