© Robert Schittko
Ein Theaterprojekt des Jungen Schauspiel Frankfurt, das die Geschichte von NS-Zwangsarbeit und Arbeitsmigration im Frankfurter Stadtteil Gallus künstlerisch aufarbeitete. In drei miteinander verwobenen Teilprojekten wurden Zeitzeug:innen, migrantische Selbstorganisationen und Stadtteil-Institutionen einbezogen, um Verbindungen zwischen nationalsozialistischer Arbeitsideologie und heutigen Debatten um Einwanderung und Beheimatung sichtbar zu machen.
Wie wird über Arbeitsmigration und Einwanderung in Deutschland gesprochen? Wie wirkte das auf die Möglichkeiten zur Beheimatung von Zugewanderten? Mit der Bezeichnung „Anwerbung von Arbeitskräften“ organisierten die Nationalsozialisten die Verschleppung von Zwangsarbeiter:innen. Nur zehn Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden sogenannte „Gastarbeiter:innen“ für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands angeworben.
Das Projekt „Gallus-Geschichten“ ging diesen Fragen in drei miteinander verwobenen Teilprojekten nach – spezifisch im Frankfurter Stadtteil Gallus mit seinen Initiativen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen und Zwangsarbeit, seiner Geschichte von Arbeitskämpfen, Marginalisierung und migrantischer Selbstorganisation. Unter der Regie von Martina Droste vernetzte sich das Junge Schauspiel Frankfurt mit Zeitzeug:innen und Institutionen vor Ort und suchte Verbindendes in separaten Erzählungen von Sehnsüchten und Perspektiven verschiedener Generationen.
„Zeit für Zeug:innen“ wurde im Historischen Museum Frankfurt uraufgeführt. Ausgehend von der Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ zeigte ein diverses Ensemble in einer vielstimmigen Performance, warum die Erzählungen von Zeitzeug:innen für uns heute relevant sind und Lebensgeschichten weiterzählt werden sollen.
„Aus freien Stücken?“ brachte das Junge Schauspiel mit Geschichts- und Kulturvereinen sowie migrantischen Selbstorganisationen im Gallus in Verbindung. Aus dieser Vernetzung entstanden theatrale Interventionen, Social-Media-Beiträge und Performances im Stadtraum.
„B-Heimat. Orte unserer Sehnsucht“ beleuchtete in den Kammerspielen, wie Nachkommen ehemaliger NS-Zwangsarbeiter:innen, ehemalige „Gastarbeiter:innen“ und ihre Kinder- und Enkelgeneration auf Beheimatung, Arbeit und Rassismus in Deutschland blicken. Ein intergeneratives Ensemble stellte sich dem Abenteuer des Neu-Erzählens.
Kooperationspartner: Gallus Theater, Gallus Zentrum – Jugendkultur und Medien, Geschichtsort Adlerwerke – Fabrik, Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Historisches Museum Frankfurt, Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus e.V., Jugendhilfe Paul-Hindemith-Schule, Jugendmigrationsdienst (JMD) im Quartier Gallus, Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim (LAGG), Mehrgenerationenhaus – Kinder im Zentrum Gallus e.V.
Förderland: Deutschland
Laufzeit: 01.04.2024-31.12.2025
