© Johanna Becker
Das Projekt widmete sich den nach NS-Recht sogenannten "verbotenen Beziehungen" zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter:innen und insbesondere den Biografien ihrer Nachkommen. Die Verfolgungsgeschichte ihrer Eltern und die Diskriminierungs- und Ausschlusserfahrungen der Kinder waren auch nach 1945 häufig tabuisiert und fehlten bislang in der Erinnerungskultur und sind wissenschaftlich kaum erforscht.
Das Hauptziel des Projektes war die partizipative Konzeption einer Wanderausstellung. Der persönliche Zugang zu den teils vorhandenen Rassismuserfahrungen und Identitätskrisen der damaligen Kinder und Jugendlichen eröffnete einen Raum für das Sprechen über Rassismus, auch für junge Menschen mit vergleichbaren Erfahrungen.
Ein Forum gab dieser Gruppe die Möglichkeit zum Austausch und der Vernetzung untereinander. In Workshops erarbeiteten die Mitwirkenden die biografischen Schwerpunkte, die in der Ausstellung über Interviews dargestellt sind. Diese Interviews bewahren und sichern erstmalig überhaupt die persönlichen Erfahrungen dieser Gruppe.
Die Ausstellung wurde begleitet von einem wissenschaftlichen Fachbeirat, einem Beirat aus jugendlichen „Expert:innen in eigener Sache“ mit Migrationsgeschichte, die den Transfer zwischen den Ausgrenzungs- und Rassismuserfahrungen zwischen damals und heute herstellen konnten, und dem Kompetenzzentrum für Lehrer(innen)fortbildung Bad Bederkesa.
Zur den entstandenen Bildungsmaterialien „Multi-peRSPEKTif meets trotzdem da!“
Die Wanderausstellung „trotzdem da!“ der Gedenkstätte Lager Sandbostel ist weiterhin auf Tour und bis 1. Juli 2026 in der Gedenkstätte Gestapokeller und Augustaschacht e.V. zu sehen. Weitere Stationen bis Ende 2027 sind bereits angekündigt: trotzdem da! — Die Ausstellung.
Gedenkstätte Lager Sandbostel
Die Gedenkstätte am Standort des ehemaligen Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers (Stalag) X B Sandbostel im nördlichen Niedersachsen ist eine Einrichtung der privaten Stiftung Lager Sandbostel.
Zentrales und bedeutendstes Großexponat sind sieben parallel gereihte ehemalige Unterkunftsbaracken aus Holz. Hinzu kommen zwölf weitere Gebäude aus der Stalag-Zeit und der frühen Nachnutzung u.a. als Internierungslager für SS-Angehörige und Notaufnahmelager für jugendliche männliche DDR-Flüchtlinge. Mit zwei Dauerausstellungen und einem vielschichtigen gedenkstättenpädagogischen Bildungsprogramm wird die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers vermittelt.
Kooperationspartner:innen:
KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Projekt „Multi-peRSPEKTif“ am Denkort Bunker Valentin, Bremen
Kompetenzzentrum für Lehrer(innen)fortbildung Bad Bederkesa
Förderland: Deutschland
Laufzeit: 01.12.2022 bis 31.12.2024
trotzdemda.de
