Wer darf mögliche Täter:innen von Kriegsverbrechen anklagen? Soll nur angeklagt werden, was auch schon geltendes Völkerrecht ist? Ist die Todesstrafe vorgesehen? Und werden auch Personen verurteilt, die bei der Verhandlung nicht anwesend sind? Mit diesen und zahlreichen weiteren Fragen waren die Schöpfer des Hauptkriegsverbrecherprozesses nach dem 2. Weltkrieg konfrontiert. Ein neues Lernspiel ermöglicht den Besucher:innen des Memoriums sich selbst mit völkerstrafrechtlichen Fragen auseinanderzusetzen.
Das Spiel versetzt die Nutzer:innen in die Rolle der französischen Anklägerin Aline Chalufour. Als reale historische Figur arbeitete sie beim Internationalen Militärtribunal 1945 am Anklagepunkt Kriegsverbrechen, insbesondere Geiselerschießungen. In vier Phasen erleben die Spielerinnen und Spieler den historischen Ablauf des Prozesses, eingebettet in ein fiktionales Narrativ – von den ersten Verhandlungstagen bis hin zur Urteilsverkündung. Dabei interagieren sie mit historischen Persönlichkeiten wie Zeuginnen und Zeugen, Militärpolizisten oder Visionären des Völkerstrafrechts. Ganz nebenbei setzen sie sich spielerisch mit zentralen Fragen des Völkerstrafrechts auseinander.
Anhand von Biografien selbstentdeckend und spielerisch lernen
Zielgruppe des Serious Game sind vor allem jüngere, medienaffine Menschen, die über das Medium Spiel niedrigschwellig an Inhalte wie den Hauptkriegsverbrecherprozess, NS-Unrecht und Völkerstrafrecht herangeführt werden. Das Spiel macht diese Themen mit biografischen Zugängen greifbar. Es fordert dazu heraus, selbst Position zu beziehen und zu entscheiden, wie Völkerstrafrecht gestaltet werden soll.
Spieldauer variabel
Entwickelt wurde Tribunal 45 vom Memorium Nürnberger Prozesse und dem Berliner Games-Studio Playing History. Das Serious Game ist in der App Memorium Nuremberg Trials auf Google Play Store und Apple App Store kostenlos und öffentlich verfügbar. Die Spieldauer ist variabel. Das Spiel kann in 30 Minuten durchgespielt werden. Man kann auch mehr als 60 Minuten in der Spielewelt von Tribunal 45 verbringen.
Über das Memorium Nürnberger Prozesse:
Das Memorium Nürnberger Prozesse informiert am historischen Ort über das Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Militärgerichtshof, erweitert aber seinen Fokus auch auf die 1946-49 durchgeführten Nürnberger Nachfolgeprozesse sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Völkerstrafrechts.
Kooperationspartner: Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main; Haus des Spiels der Museen der Stadt Nürnberg; die Studiengänge „Game Design und Management“ & „Mediendesign und Management“ der Hochschule Fresenius
Förderland: Deutschland
Laufzeit: 01.04.2024 bis 31.12.2025
