
© Anna Holz
© Andreas Nicolaus Vetrone
Das Projekt verband interdisziplinäre Erinnerungsformate mit der historischen Begleitung der Planung einer neuen Eisenbahnbrücke zwischen Frankreich und Deutschland. Französische und deutsche Jugendliche setzten sich mit Lebensgeschichten von Menschen auseinander, die unter NS-Unrecht gelitten haben. Für einen zukünftigen Gedenkort an der neu geplanten Eisenbahnbrücke entstanden Entwürfe und Beiträge unter professioneller künstlerischer Leitung.
Die Brücke über den Rhein bei Breisach verbindet Frankreich und Deutschland. Mit ihrer 150-jährigen Geschichte war sie historischer wie konkreter Ausgangsort der interdisziplinären Projektteile. Die Planungen für eine neue Eisenbahnbrücke boten Anlass für vielgestaltige Erinnerungsformate und ließen grenzüberschreitende Partnerschaften entstehen. Eine historische Forschung untersuchte dabei offene Fragen zur Geschichte der Region.
Biografiearbeit Französische und deutsche Schulklassen erarbeiteten Biografien von Menschen im Elsass und in Baden, die von nationalsozialistischem Unrecht betroffen waren: bekannte und unbekannte Lebensgeschichten aus ihrer näheren oder weiteren Umgebung. Im Mittelpunkt standen elsässische und badische Widerstandskämpfer, Sinti:ze und Rom:nja, Jüdinnen und Juden, Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangene, Menschen in psychiatrischen Kliniken sowie Elsässer:innen, die zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen wurden.
Tanz Ein kreatives Tanzprojekt mit Schüler:innen und Lehrkräften aus Frankreich und Deutschland erinnerte an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren und feierte die Solidarität zwischen den beiden ehemals kriegführenden Ländern. Das Projekt hatte die international renommierte Tanzgruppe Battery Dance Company aus New York eingeladen, Lehrkräfte und Schüler in Tanzworkshops anzuleiten, in denen Geschichte zu einer körperlichen Erfahrung wurde. Die Workshops fanden rund um den 80. Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands und der Befreiung der besetzten und annektierten Gebiete statt.
Memorial Im Oktober 1940 wurden mehr als 5.600 badische Jüdinnen und Juden in sieben Zügen von Freiburg aus über die Breisacher Eisenbahnbrücke in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Seit den 1990er Jahren gibt es auf beiden Seiten des Rheins Überlegungen, wieder eine durchgehende Bahnverbindung zwischen Freiburg und Colmar zu schaffen. Das Vorhaben wurde 2019 im Aachener Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich verankert und bildete einen aktuellen Bezugspunkt des Projekts. Das Blaue Haus beschäftigt seit vielen Jahren die Frage, wie und an welchem Ort im öffentlichen Raum an die Deportation der badischen Jüdinnen und Juden erinnert werden kann. Die im Rahmen des Projektes entwickelten Ideen und Beiträge waren dabei nicht als Entwürfe für ein konkretes Bauwerk gedacht, sondern als Teil eines langfristigen Erinnerungsprozesses.
Kooperationspartner: französisch-deutsches Kulturzentrum Art‘Rhena, Battery Dance Company, New York.
Förderland: Deutschland und Frankreich
Laufzeit: 01.04.2024 bis 31.12.2025
