Beredtes Schweigen

Erst in den 1980er Jahren begann in der Bundesrepublik Deutschland nach jahrzehntelangem Leugnen und Verdrängen die intensivere Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Eugenikverbrechen. Ziel des Projektes war es, vergessene Orte der NS-Eugenikverbrechen und die Lebenswege Betroffener sichtbar zu machen und dabei die Dimension der Verbrechen zu verdeutlichen. Die Angebote regen an, die eigenen Denkweisen über und den Umgang mit Kranken und Menschen mit Beeinträchtigung zu reflektieren.

Persönliche Begegnung mit Einzelschicksalen
Das Projekt basiert auf lokaler Biographiearbeit und ermöglicht heute, wo kaum noch Zeitzeugen zur Verfügung stehen, eine persönliche Begegnung mit Einzelschicksalen. Die damaligen Ereignisse und ihre Folgen konnten so von den Teilnehmenden nachvollzogen werden. Die eigene Nachbarschaft wurde zum Ort der Mahnung und des Gedenkens. 

Aufarbeitung im öffentlichen Raum 
Im Projekt haben sich die wissenschaftliche mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit den NS-Eugenikverbrechen verbunden. Die partizipative und inklusive Erarbeitung eines Theaterstücks ermöglichte Teilhabe und Begegnung. Die Schaffung einer Graphic Novel und ihre Einbindung in Lernmaterialien, im Theater und für Fassadenprojektionen ergänzten und bereicherten die Aufarbeitung um einen öffentlichen, kreativen und emotionalen Aspekt. Fortbildungen und Workshops sowie ein internationales Symposium boten Raum für Diskussionen und Austausch.  

Weitere Ergebnisse des Projekts entdecken:

Die AG Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena forscht und lehrt u. a. zu Fragen von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sowie außerschulischen Lernorten. Lernort Weimar e.V. arbeitet zur Geschichte der Stadt Weimar und seiner Umgebung und führt Projekte zur historisch-politischen Bildung mit Schwerpunkt auf der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus durch. Stellwerk – junges theater ist ein freies Theater in Weimar. Neben dem laufenden Spielbetrieb bietet das stellwerk ganzjährig Kurse und Workshops für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an, die mit zeitgenössischen Kunst- und Theaterformen arbeiten. Dazu kommen regelmäßige Kooperationen mit Schulen, Kulturinstitutionen und anderen freien Trägern in Weimar und Umgebung.

Datenblatt

Kooperationspartner:innen:
Lernort Weimar e.V.
stellwerk junges theater

Förderland: Deutschland
Laufzeit: 01.12.2022 bis 31.12.2024

beredtes-schweigen.de

Mehr zum Projekt

Bildungsagenda NS-Unrecht

Das Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht 2023Das Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht 2023

Wer in Thüringen kennt die Geschichte der Gebäude der Universität Jena, des Klinikums Stadtroda, des ehemaligen Gesundheitsamts in Weimar oder der Landesheilanstalten in Blankenhain, Mühlhausen oder Hildburghausen? Wo in der eigenen Umgebung sind Orte der Eugenikverbrechen? Was ist dort geschehen?

Bildungsagenda NS-Unrecht

Das Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht 2025Das Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht 2025

Ein weiteres Beispiel dafür, wie Graphic Novels NS-Unrecht neu vermitteln können, ist die Graphic Novel „Ausradiert – Nationalsozialistische Eugenikverbrechen in Thüringen“ des Lernorts Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie des Weimarer Jugendtheaters stellwerk. Die Publikation beleuchtet ein Thema, das lange kaum sichtbar war: die Ermordung und Zwangssterilisation von Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen im Kontext der NS-„Rassenhygiene“.