© Felix Grünschloss
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekennt sich die Bundesrepublik Deutschland weiterhin zu ihrer politisch-moralischen Verantwortung für das begangene nationalsozialistische Unrecht.
Um die seit Jahrzehnten übernommene Verantwortung in zukunftsgerichtete Erinnerungs- und Bildungsformate zu übersetzen, führt die Stiftung EVZ mit Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) seit 2021 ein wegweisendes Förderprogramm durch: die Bildungsagenda NS-Unrecht.
Es braucht eine Bildungsinitiative, denn ohne die Generation der Überlebenden und mit zunehmender zeitlicher Distanz nimmt das Wissen über die NS-Geschichte und den Holocaust ab. Gleichzeitig verstärken historische Kontinuitäten die fortdauernde Diskriminierung von Minderheiten bis in die Gegenwart und verbinden sich mit einer besorgniserregenden Zunahme von Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus. Immer häufiger kommt es in Deutschland und Europa zu antisemitisch, antiziganistisch und rassistisch motivierten Gewalttaten und Anschlägen – dies zeigen aktuelle Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) und der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA). Fast 24 antisemitische Vorfälle pro Tag verzeichnet RIAS für 2024 – ein drastischer Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.
Durch geschichtsbewusste, Empathie fördernde und aktivierende Vermittlung der Lehren aus der NS-Vergangenheit stärkt die Bildungsagenda NS-Unrecht demokratische Haltungen und wirkt Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und LGBTIQ-Feindlichkeit entgegen. Die geförderten Projekte machen die Schicksale der verfolgten Menschen und Gruppen sichtbar – mit einem besonderen Fokus auf jenen, die bisher kaum oder in zu geringem Maße in unserer erinnerungskulturellen Praxis verankert sind.
Wir vermitteln biografische Erfahrungen von Verfolgten unter Einbeziehung ihrer Zeugnisse und stärken die Kompetenzen der Projektteilnehmer:innen. Bewusst sprechen wir neue Zielgruppen an, die sich bisher nicht oder nur wenig für das NS-Unrecht interessieren, und agieren gemeinsam mit ihnen für ein lebendiges Erinnern.
Durch modellhafte Förderungen, die eine bundesweite Strahlkraft entfalten, initiiert die Bildungsagenda NS-Unrecht reichweitenstarke Bildungsprojekte und Mitmachinitiativen. Dafür bedienen sich die Projekte interdisziplinär und teilhabeorientiert ganz unterschiedlicher Formate und Ansätze: Partizipative Theater- und Musikprojekte, eine Studie zum Status quo der Erinnerungskultur, berufsgruppenorientierte Bildung gegen Antisemitismus, ortsspezifische Apps und Serious Games schaffen Sichtbarkeit und fordern Auseinandersetzung ein – mit einem besonderen Augenmerk auf jüngere Generationen.
Mehr als 200 beeindruckende Projektideen aus der non-formalen historisch-politischen Bildungsarbeit zum NS-Unrecht sind Ende 2025 im Rahmen der aktuellen Ausschreibungsrunde bei der Stiftung EVZ eingegangen und wurden ausgewertet. Rund 60 ausgewählte Projektträger wurden Ende Januar 2026 zur Antragstellung eingeladen.
Im Mai 2026 werden diese Anträge von einer Fachjury aus Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis begutachtet.
Auf Grundlage der Empfehlungen der Fachjury werden die Projekte dem Kuratorium der Stiftung EVZ zum Beschluss vorgelegt. Die abschließende Entscheidung über die Förderung trifft das Bundesministerium der Finanzen in seiner Funktion als Zuwendungsgeber der Bildungsagenda NS-Unrecht. Grundlage dafür sind die Förderrichtlinien des Programms sowie die Verfügbarkeit der Haushaltsmittel.
Sie haben Fragen oder Anregungen zur Bildungsagenda NS-Unrecht? Bitte kontaktieren Sie bildungsagenda@stiftung-evz.de.

