© Felix Grünschloss
Um die politisch-moralische Verantwortung für das begangene nationalsozialistische Unrecht in zukunftsgerichtete Erinnerungs- und Bildungsformate zu übersetzen, führt die Stiftung EVZ mit Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) seit 2021 ein wegweisendes Förderprogramm durch: die Bildungsagenda NS-Unrecht. Nach Abschluss der ersten Förderphase wird das Programm nun von 2026 bis 2029 fortgeführt.
Es braucht eine Bildungsinitiative, denn ohne die Generation der Überlebenden und mit zunehmender zeitlicher Distanz nimmt das Wissen über die NS-Geschichte und den Holocaust, insbesondere bei jungen Menschen, stark ab. Gleichzeitig verstärken historische Kontinuitäten die fortdauernde Diskriminierung von Minderheiten bis in die Gegenwart und verbinden sich mit einer besorgniserregenden Zunahme von Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus. Immer häufiger kommt es in Deutschland und Europa zu antisemitisch, antiziganistisch und rassistisch motivierten Gewalttaten und Anschlägen – dies zeigen aktuelle Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) und der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA).
Durch geschichtsbewusste, Empathie fördernde und aktivierende Vermittlung der Lehren aus der NS-Vergangenheit stärkt die Bildungsagenda NS-Unrecht demokratische Haltungen und wirkt Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und LGBTIQ-Feindlichkeit entgegen. Die geförderten Projekte machen die Schicksale der verfolgten Menschen und Gruppen sichtbar – mit einem besonderen Fokus auf jenen, die bisher kaum oder in zu geringem Maße in unserer erinnerungskulturellen Praxis verankert sind.
Wir vermitteln biografische Erfahrungen von Verfolgten unter Einbeziehung ihrer Zeugnisse und stärken die Kompetenzen der Projektteilnehmer:innen. Bewusst sprechen wir neue Zielgruppen an, die sich bisher nicht oder nur wenig für das NS-Unrecht interessieren, und agieren gemeinsam mit ihnen für ein lebendiges Erinnern.
Durch modellhafte Förderungen, die eine bundesweite Strahlkraft entfalten, initiiert die Bildungsagenda NS-Unrecht reichweitenstarke Bildungsprojekte und Mitmachinitiativen. Dafür bedienen sich die Projekte interdisziplinär und teilhabeorientiert ganz unterschiedlicher Formate und Ansätze – mit einem besonderen Augenmerk auf die Vermittlung von NS-Unrecht an die jüngeren Generationen.
Mehr als 200 beeindruckende Projektideen aus der non-formalen historisch-politischen Bildungsarbeit zum NS-Unrecht sind Ende 2025 im Rahmen der aktuellen Ausschreibungsrunde bei der Stiftung EVZ eingegangen und wurden ausgewertet. Rund 60 ausgewählte Projektträger wurden Ende Januar 2026 zur Antragstellung eingeladen.
Im Mai 2026 wurden diese Anträge von einer Fachjury aus Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis begutachtet.
Auf Grundlage der Empfehlungen der Fachjury wurden die Projekte dem Kuratorium der Stiftung EVZ zum Beschluss vorgelegt. Die abschließende Entscheidung über die Förderung traf das Bundesministerium der Finanzen in seiner Funktion als Zuwendungsgeber der Bildungsagenda NS-Unrecht. Grundlage dafür sind die Förderrichtlinien des Programms sowie die Verfügbarkeit der Haushaltsmittel.
Zwischen Juli und Oktober 2026 nehmen 51 neue Projekte der Bildungsagenda NS-Unrecht ihre Arbeit auf – mit einem Gesamtfördervolumen von circa 18 Millionen Euro. Eine fortlaufend aktualisierte Übersicht über die Projekte findet sich hier.
Die nächste Ausschreibung der Bildungsagenda NS-Unrecht wird Anfang September 2026 veröffentlicht.
Sie haben Fragen oder Anregungen zur Bildungsagenda NS-Unrecht? Bitte kontaktieren Sie bildungsagenda@stiftung-evz.de.

