NS-Zwangsarbeit

HUMANITÄRE PROGRAMME

Neben den Individualleistungen an frühere NS-Opfer wurden gemäß Stiftungsgesetz auch Gelder für humanitäre Programme zugunsten von NS-Opfern bereitgestellt.

Dazu zählten

Die Zahlungen wegen Zwangsarbeit, sonstigen Personenschäden und Vermögensschäden berücksichtigten das erlittene Unrecht, nicht aber die aktuelle soziale Situation der Empfänger. Durch die humanitären Programme sollte erreicht werden, dass einigen besonders schwer geschädigten und bedürftigen Opfern des Nationalsozialismus zusätzlich geholfen wurde und wird.

 

Mit dem Ende der individuellen Auszahlungen verblieben bei den Partnerorganisationen Gelder, die ursprünglich für individuelle Zahlungen vorgesehen waren, aber nicht ausgezahlt werden konnten. Dies konnte unter anderem daran liegen, dass Antragsteller verstarben, ohne einen Rechtsnachfolger zu hinterlassen oder dass Antragsteller den Wohnort wechselten und nicht mehr erreicht werden konnten. Diese Gelder und Restmittel der Stiftung EVZ wurden von den Partnerorganisationen für humanitäre Projekte verwendet.

 

HUMANITÄRE PROJEKTE FÜR JÜDISCHE HOLOCAUST-ÜBERLEBENDE

Nach dem Stiftungsgesetz standen der Conference on Jewish Material Claims against Germany (JCC) 141 Mio. Euro zur Durchführung humanitärer Projekte zugunsten jüdischer Holocaust-Überlebender zur Verfügung. Nach Angaben der JCC wurden insgesamt über 230 Projekte in 20 Staaten zugunsten jüdischer Verfolgter unterstützt. Die größte Zahl der überlebenden Begünstigten lebt heute in Israel, ein großer Teil der Mittel floss darüber hinaus an Sozialprojektpartner in Mittel- und Osteuropa sowie nach Nordamerika und Kanada.

 

Da die JCC seit Jahrzehnten mit der Förderung von Sozialprojekten in aller Welt befasst ist, konnte sie sich bei der Verteilung der Mittel auf ein Netzwerk an Sozialträgern und Wohlfahrtsorganisationen stützen. Gefördert wurden Betreuungs- und Fürsorgeprojekte (auch häusliche Pflege), medizinische und psycho-geriatrische Projekte sowie materielle Hilfsleistungen (u. a. Verteilung von Heizmaterialien, Winterkleidung und Lebensmitteln) und die Bereitstellung medizinischer Hilfsmittel.

 

HUMANITÄRE PROJEKTE FÜR NS-VERFOLGTE DER SINTI UND ROMA

Das Stiftungsgesetz stellte für soziale Zwecke zugunsten vom NS-Regime verfolgter Sinti und Roma rund 12 Mio. Euro zur Verfügung. Für die Durchführung war die International Organisation of Migration (IOM) zuständig. Die IOM hat diese Mittel mit den Finanzmitteln aus dem Schweizer Bankenfonds gebündelt und in einem größeren Plafond für humanitäre Zwecke zusammengefasst: Neben den deutschen 12,27 Mio. Euro flossen rund 20,5 Mio. US-Dollar aus dem Schweizer Bankenvergleich in die „Humanitarian and Social Programmes“ (HSP) der IOM.

 

Die IOM nutzte dafür ihr Netzwerk in 13 mittel- und südosteuropäischen Zielländern, das mit Trägerorganisationen vor Ort zusammenarbeitetet. Schwerpunkt waren materielle Hilfen, insbesondere die Bereitstellung von Nahrungsmitteln oder auch Kleidung und Heizmaterial. Im Anschluss wurden auch Begegnungsprojekte durchgeführt. Rund 70.000 bedürftige Roma, die unter der NS-Verfolgung gelitten hatten, konnten durch diese Projekte erreicht werden.

 

HUMANITÄRE ZAHLUNGEN AUS DEM „VERSICHERUNGSPROGRAMM“ ICHEIC

Rund 178 Mio. Euro standen nach dem Stiftungsgesetz für einen speziellen humanitären Fonds der International Commission on Holocaust Era Insurance Claims (ICHEIC) zur Verfügung, die sich mit Versicherungsschäden zu befassen hatte. Diese entschied eigenverantwortlich über die Verwendung. Die ICHEIC hat diese Mittel im wesentlichen für Projekte zugunsten jüdischer Überlebender in Kooperation mit der Jewish Claims Conference (JCC) zur Verfügung gestellt.

 

Die humanitären Mittel wurden im Auftrag der ICHEIC von den Trägern für folgende Schwerpunkte verwendet: