Mit Unterstützung aller Fraktionen im Deutschen Bundestag wurde am 2. August 2000 das Gesetz zur Gründung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" verabschiedet, das am 12. August 2000 in Kraft trat. Es sah individuelle humanitäre Zahlungen an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter*innen sowie andere Opfer des Nationalsozialismus vor. Die Zahlungen begannen im Jahr 2001 und waren in der ersten Jahreshälfte 2007 abgeschlossen.
Für ihre dauerhaften Aktivitäten wurde ihr ein Grundkapital von 358 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Aus den Erträgen fördert die Stiftung EVZ mit jährlich ca. 7,5 Millionen Euro nationale und internationale Projekte.

Der Weg zur Stiftungsgründung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieben ehemalige Zwangsarbeiter*innen von den Entschädigungsleistungen der Bundesrepublik weitgehend ausgenommen.

Für die deutschen Unternehmen brachte Mitte der 90er Jahre eine Welle von Einzel- und Sammelklagen aus dem Ausland den Anstoß, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Ein verändertes politisches Klima sowie der wachsende juristische Druck mündeten in die  Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft. Diese setzte sich zwei Ziele: Anerkennung des historischen Unrechts gegenüber den Opfern und Geschädigten sowie weitestgehender Rechtsfrieden, insbesondere in den Beziehungen mit den USA.

Mit der Gründung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im Jahr 2000 wurde eine Institution geschaffen, die im Auftrag der Stifter – des Bundes und der  Wirtschaft – die Auszahlungen an die Opfer übernehmen sollte.

Zahlen und Fakten

  • Ursprüngliches Stiftungsvermögen: 10,1 Mrd. DM (5,2 Mrd. Euro)
  • Davon wurde etwa die Hälfte 5,1 Mrd. DM (ca. 2,6 Mrd. Euro) von den beteiligten Unternehmen zur Verfügung gestellt, weitere 5 Mrd. DM (ca. 2,6 Mrd. Euro) vom deutschen Staat
  • Insgesamt rund 6.500 deutschen Unternehmen waren beteiligt: einige als Nachfolger von NS-Betrieben, die Zwangsarbeiter*innen beschäftigt hatten, viele andere waren zur Zeit des NS-Regimes noch nicht gegründet
  • Einen Großteil dieser Summe, knapp 8,7 Mrd. DM (ca. 4,4 Mrd. Euro), erhielten überlebende Zwangsarbeiter*innen in Form von individuellen Einmalzahlungen
  • Auszahlungen wurden durch Partnerorganisationen in den einzelnen Ländern durchgeführt. Insgesamt erhielten 1,67 Mio. Menschen eine Gesamtsumme von 4,4 Mrd. Euro

Auszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter*innen nach Organisationen/Ländern

PartnerorganisationAnzahl der LeistungsempfängerAuszahlungssumme (Euro)
Weißrussland; hiervon
– Weißrussland
– Estland
129.000
120.000
9.000

345 Mio.

325 Mio.
21 Mio.

International Organization for Migration (IOM)
90.000386 Mio.
Jewish Claims Conference (JCC)159.0001.149 Mio.
Polen484.000979 Mio
Russland: hiervon
– Russland
– Lettland
– Litauen
– GUS-Staaten
256.000
228.000
13.000
12.000
3.000
426 Mio.
380 Mio.
23 Mio.
18 Mio.
5 Mio.
Tschechien76.000210 Mio.
Ukraine471.000 867 Mio.
Gesamt1.665.0004,4 Mrd.

 

Förderung innerhalb der drei Handlungsfelder

Die Fördertätigkeit der Stiftung EVZ ist sehr weit gefächert und gliedert sich in drei Handlungsfelder:

 

  • Auseinandersetzung mit der Geschichte
  • Handeln für Menschenrechte
  • Engagement für NS-Opfer

 

Die Projektförderung seit 2001 teilt sich wie folgt auf:

 

2001-2019
Auseinandersetzung mit der Geschichte:
2.588 Projekte mit 46,77 Mio. Euro
Handeln für Menschenrechte:
1.509 Projekte mit 43,42 Mio. Euro
Engagement für Opfer des Nationalsozialismus:
1.213 Projekte mit 54,32 Mio. Euro

 

 

Jährliches Fördervolumen seit 2001

Mehr zu den Meilensteinen der Stiftungsgeschichte erfahren Sie hier und auf unserem Instagram-Kanal.

Kontakt

Nadine Reimer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
reimer(at)stiftung-evz.de
Tel.: +49 (0)30 25 92 97-85

 

Sophie Ziegler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
ziegler(at)stiftung-evz.de
Tel.: +49 (0)30 25 92 97-85

17.12.1999: Bundeskanzler Gerhard Schröder, Otto Graf Lambsdorff und der stellvertretende amerikanische Finanzminister, Stuart Eizenstat, demonstrieren mit einem gemeinsamen Händedruck Einigkeit bei den Verhandlungen zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter.

17.07.2000: Die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft haben sich geeinigt, jeweils fünf Milliarden Mark in die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" einzuzahlen.