Lesen Sie Teil 2 der Kurz-Serie zu MEMO Deutschland
"Und was hättest Du gemacht?"

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"Und was hättest Du gemacht?"

Studie zur Erinnerungskultur in Deutschland: MEMO Deutschland

Wie schauen die Deutschen auf die Zeit des Nationalsozialismus? "MEMO Deutschland - Multidimensionaler Erinnerungsmonitor" geht seit 2017 Fragen rund um Erinnern an und Verantwortung für NS-Unrecht nach. Die repräsentative Befragung unter 1.000 Personen wird von der Stiftung EVZ unterstützt. Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld führt die Studie durch.

 

Gesamteindruck der Studie: In der deutschen Gesellschaft finden sich teils deutlich verzerrte Perspektiven auf die Zeit des Nationalsozialismus.

 

Vier Themenkomplexe aus MEMO 2020 werden hier in einer Kurz-Serie vorgestellt - Teil 1

 

Welcher Begriff bezeichnet das Ende des Zweiten Weltkrieges?
Die Antworten auf diese Frage zeigen ähnliche Zustimmungswerte zu den Begriffen: „Befreiung“, „Neuanfang“, „Kapitulation“ und „Niederlage“. Der Begriff „Befreiung“ wurde mit 87 Prozent am häufigsten genannt. Auch der Begriff „Niederlage“ wurde mit 70 Prozent als geeignet empfunden. Dieser geschlossenen Frage ging voraus, dass die Befragten selbst beschreiben sollten, was im Jahr 1945 passiert sei. Der Großteil der Befragten, 77 Prozent, antworteten mit der allgemeinen Bezeichnung „Ende des Zweiten Weltkrieges“. Spezifische Beschreibungen, wie „Kapitulation“, „Befreiung“, „Besetzung Deutschlands“ wurden nur selten spontan genannt.  
Die Ergebnisse zeigen, dass es 75 Jahre nach dem Kriegsende keinen klaren Konsens zur Bedeutung des Weltkriegsendes für Menschen in Deutschland gibt. Die Mehrheit der Bevölkerung antwortet lediglich mit einer die Jahreszahl definierenden Aussage, also dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bei tieferer Betrachtung korreliert der Zustimmungswert für den Begriff „Kapitulation“ mit dem Alter. D.h. ältere Befragte wählen den Begriff „Kapitulation“ häufiger und finden ihn angemessener.


Blick in die Geschichte
Im Mai 1945 hat Deutschland die bedingungslose Kapitulation unterschrieben. Seit den 50er-Jahren war der 8. Mai in der DDR der „Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus“ und wurde zeitweise als Feiertag begangen. In der BRD formulierte 1985 Bundespräsident Richard von Weizsäcker erstmals: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“