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Interview mit Nadine Reimer


Nadine, wie sind die Stiftung EVZ und Du zusammengekommen?

Nadine Reimer: Ich habe vorher mehrere Jahre bei einer NGO gearbeitet, beim Petersburger Dialog. Dort nahm das Beantragen von Fördergeldern viel Zeit in Anspruch. Es zwar sehr spannend und auch eine schöne Arbeit in einer NGO, aber gleichzeitig ging dieses Anträge stellen auch zu Lasten von Innovation und Qualität. Das war der eine Punkt, der für mich das Arbeiten in einer Stiftung attraktiv gemacht hat. Außerdem kannte ich zwei Kolleginnen, von denen eine auch immer noch in der Stiftung arbeitet. Beide haben mir begeistert von der Stiftung EVZ erzählt.


Du arbeitest jetzt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Warst du von Beginn an dort oder hast Du vorher – auch mit Blick auf die Fördermittelakquise in der NGO – in einem anderen Bereich der Stiftung gearbeitet? Gab es damals den Fundraisingbereich noch?

Nadine Reimer: Den gab es zwischenzeitlich, damals aber noch nicht. Ich kam 2008 in die Stiftung und arbeitete auch direkt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das war auch mein eigentliches Arbeitsgebiet beim Petersburger Dialog, und nicht die Fördermittelakquise. Ich hatte also genau die Stelle in der Stiftung EVZ, die ich bis heute habe.


Du hast Sprachen studiert, mit einer besonderen Affinität zum Russischen und hast in St. Petersburg gelebt. Wie konntest und kannst Du diese Kompetenz in die Stiftungsarbeit einbringen?

Nadine Reimer: Ich habe Kulturwissenschaften und Kulturgeschichte Osteuropas studiert, nur ein Teil davon war das Lernen von Russisch, was ich auch schon zu Schulzeiten gelernt habe und nach der langen Zeit nicht verlieren wollte. Das wäre zu schade gewesen, es dann später nicht mehr nutzen zu können. In St. Petersburg habe ich ein Semester lang studiert und einen Teil meiner Magisterarbeit dort geschrieben. Neben Russisch war ein Schwerpunkt im Studium das Fach „Medien“ und ich habe in den Semesterferien mehrere journalistische Praktika absolviert – ich glaube, es waren insgesamt acht - in unterschiedlichen Medien – von Online und Print über Hörfunk bis TV. Aus beiden Bereichen – der Sprache und dem Fach Medien – kann ich sehr viel umsetzen. Journalistisch fällt es mir leicht, schnell Content zu produzieren oder Texte zu schreiben und Russisch ist eine von drei Stiftungssprachen der Stiftung EVZ und hat mir auch zum Beispiel bei der Vorbereitung von Pressereisen in Osteuropa weitergeholfen. Land und Leute zu kennen hilft da sehr.


Du hast von Deinen journalistischen Erfahrungen berichtet, von Deinen Praktika erzählt und verfügst über Sprachkompetenzen. Durch diese unterschiedlichen Erfahrungen hast du einen guten Vergleichswert zur Arbeit in der Stiftung. Was glaubst Du, ist das besondere an der Kommunikation in der Stiftung EVZ? Was macht es auch für Deine Arbeit so besonders?

Nadine Reimer: Was die Arbeit und die Stiftung selbst so besonders macht, sind natürlich einerseits die sensiblen Themen, die nicht überall und allgegenwärtig besprochen werden, andererseits auch die enorme Themenvielfalt und die Internationalität der Stiftung. Das macht die Öffentlichkeitsarbeit sehr interessant, aber auch komplex. Außerdem glaube ich, dass es selten der Fall ist, dass man die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit inklusive Social Media und Marketing abdeckt. Häufig ist das getrennt oder es gibt Pressesprecher*innen, Marketingabteilungen, Social Media-Beauftragte und ähnliches. Bei uns liegen all diese Aufgaben im Zuständigkeitsbereich eines Teams. Das ist sehr viel Arbeit, aber bringt auch viel Abwechslung.

…Abwechslung und Chancen, denn die Bereiche können miteinander verknüpft werden, gerade was die Pressearbeit und die Arbeit für die Sozialen Medien angeht.

Nadine Reimer: Ja, das stimmt.


Was war für Dich, in Deiner Arbeit für die Stiftung, das Highlight? Gibt es irgendetwas, wo Du sagst, da konnte ich daran mitwirken, dass die Stiftung besonders in der Öffentlichkeit stand oder dass ein Projekt besonders kommuniziert worden ist?

Nadine Reimer: Das sind weniger einzelne Projekte als eher ganze Zeiträume. Zum einen der Relaunch 2008/2009 als ich noch sehr neu in der Stiftung war. Es gab vorher noch kein Corporate Design, weil der Schwerpunkt bis 2007 auf den Auszahlungen an die ehemaligen Zwangsarbeiter*innen lag und weniger Wert auf ein schönes Logo und Farben gelegt wurde. Das war auch schön und richtig so, denn Fokus war ganz klar, dass die Menschen das ihnen zustehende Entschädigungsgeld erhalten – unabhängig von der Kommunikation darüber. Also dieser Corporate Design-Relaunch, ich würde eher Launch dazu sagen, weil es ja wirklich noch fast gar nichts gab außer ein Logo, war ein Highlight.


Du hast die Planung für das 10-jährige Jubiläum mitdurchgeführt und wir, das Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, arbeiten ja gerade an den Kommunikationsplänen für das 20-jährige Bestehen der Stiftung in diesem Jahr. Was hat sich denn in diesen zehn Jahren verändert? Wie anders wird die Stiftung heute wahrgenommen?

Nadine Reimer: Ich bin gar nicht sicher, ob sie so anders als damals wahrgenommen wird. Ich glaube, dadurch, dass der Auszahlungsbereich durch die internationalen Verhandlungen und die Verbindung zur Bundesregierung so groß war, hat sich die Wahrnehmung eher verschoben. Die Projekte heute sind kleiner und einteiliger und nicht so politisch relevant wie die Auszahlungen es gewesen sind. Was sich aber natürlich für die Arbeit an sich verändert hat, ist der digitale Bereich, der unheimlich gewachsen ist. Als ich neu in der Stiftung EVZ war, haben wir noch darüber diskutiert, ob wir Facebook als Kanal wirklich brauchen. Da ging alles rund um Social Media und die Vernetzung durch diese Medien erst los und das macht einen großen Unterschied für die Arbeit im Bereich Kommunikation, der damals in diesem Ausmaß noch nicht zu erwarten und zu begreifen war. Auch von interaktiven, multimedialen Online-Tätigkeitsberichten war noch nicht die Rede.
Wenn ich noch etwas als Highlight bezeichnen darf, dann ist das auf jeden Fall, was die Arbeit in der Stiftung angeht, die Kollegialität, die ich selten so in anderen Jobs oder Praktika erlebt habe. Das ist sehr bemerkenswert. Als ich das erste Mal in Elternzeit gegangen bin, bekam ich ein Kochbuch, mit handgeschriebenen Rezepten von allen Kollegen und Kolleginnen und eigens dafür entworfenem Logo. Das ist so toll, damit koche ich heute noch. Diese Kollegialität zwischen den vielen Mitarbeiter*innen – es sind mittlerweile über 50 – ist für mich wirklich besonders.


Vielen Dank für das Gespräch, Nadine!