Preisverleihung und Theateraufführung

Preisverleihung „andersartig gedenken on stage“

Im Programm „Arbeit mit Zeugnissen“ förderte die Stiftung EVZ den bundesweiten Theaterwettbewerb der AG gedenkort-T4.eu „andersartig gedenken on stage“. Schultheater und inklusive Theatergruppen verarbeiteten Einzelschicksale von NS-“Euthanasie“- Opfern auf der Bühne. Bis Ende Mai 2016 wurden 14 selbst entwickelte Theaterstücke beim Träger des Wettbewerbs, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, eingereicht. Die Jury unter der Leitung des Theaterregisseurs Michael Stacheder bestimmte daraus die sieben Preisträger.

Alle Preisträger
Vorstand Günter Saathoff

Am 1.Oktober fand die Preisverleihung in Berlin im Kulturcentrum „Die Weisse Rose“ statt. Die Förderer des Wettbewerbs begrüßten die Preisträger und die ca. 150 anwesenden Gäste: Ulla Schmidt, MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe beschrieb das Ziel des Wettbewerbes, eines der 300.000 Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen dem Vergessen zu entreißen, so: „Fast Jeder kennt das furchtbare Schicksal der Anne Frank, aber wer kennt Käthe Spreen?“ 

 

Prof. Dr. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin stellte den Zusammenhang zwischen der jungen Widerstandskämpfern der „Weisse Rose“ und dem Mut der jungen Teilnehmenden an „andersartig gedenken on stage“ zur Thematik der NS-„Euthanasie“ zu forschen und zu arbeiten her.

 

Günter Saathoff, Vorstand der Stiftung EVZ, erinnerte in seiner Ansprache auch an das Schicksal der 350.000 Zwangssterilisierten, sowie deren sehr langen Kampf um Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes.

 

Nach der Laudatio überreichten die 5 Jurymitglieder Sigrid Falkenstein, Prof. Dr. Marianne Hirschberg, Sigrid Kolster, Michael Stacheder und Florian Kemmelmeier die sieben Preise.

 

1.Preis – Das Schulzentrum Geschwister Scholl aus Bremerhaven für das Theaterstück „KÄTHE – ein Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus“
2. Preis – die Kooperation des Carl-Orff Gymnasiums Unterschleißheim und des Heilpädagogischen Centrum Augustinum Oberschleißheim für das Theaterstück „Geheimnisse im Kopf“
3. Preis – Ernst-Mach-Gymnasium und Mittelschule Haar für die Produktion „Spurensuche – was für ein Mensch willst Du sein?“
4. Preis – Bandhaus-Theater Backnang für das Theaterstück „Kannst Du schweigen? – Ich auch!“
5. Preis – Geschwister Scholl Oberschule Bad Laer für das Theaterstück „Rupprecht Villinger – Recht auf Leben“

 

Der Förderpreis für die herausragende schauspielerische Einzelleistung ging an Kai Bosch vom Bandhaus-Theater Backnang. Die Lebenshilfe Berlin e.V. vergab den Inklusionspreis an das Theater 36 aus Hamburg für das Theaterstück „Der Brief – ein Spiel zwischen Gestern und Heute“.

 

Anschließend wurde der Siegerbeitrag "KÄTHE - ein Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus" aufgeführt. Das Stück erzählt die Geschichte von Käthe Spreen, die in Bremerhaven geboren und in Hadamar 1941 umgebracht wurde. In der Abschlussszene verlassen die Schüler_innen ihre Rollen und sprechen persönlich zum Publikum. "Im Geschichtsunterricht hat mich das alles nicht sehr interessiert, jetzt ist alles so greifbar" - so eines ihrer Statements. Damit lieferten sie zugleich den Beweis, dass das, was sich die AG gedenkort-T4.eu mit dem Wettbewerb „andersartig gedenken on stage“ vorgenommen hat, auch eingetreten ist: die intensive Auseinandersetzung  möglichst vieler junger Menschen mit und ohne Behinderungen mit zu oft vergessenen, zu oft verdrängten Thema der NS-„Euthanasie“ und mit den wenigen bekannten Biographien von Opfern.

 

Weitere Fotos und Infos zur Preisverleihung, sowie die Video-Trailer der fünf Preise können auf www.andersartig-gedenken.de angeschaut werden.

 

von Stana Schenck

Fotos ©Marko Georgi
Berlin, 4.10.2016