Berlin, 20.04.2016

Einladung zur Pressekonferenz und Eröffnung der Ausstellung »Zwangsarbeit im Nationalsozialismus« am 11. Mai

Internationale Ausstellung kommt nach Berlin, Hamburg, Moskau, Prag und Warschau nun nach Österreich – Ausstellungsort ist mit Steyr ein ehemaliges Zentrum von NS- Zwangsarbeit.

Über 20 Millionen Menschen aus fast allen Ländern Europas mussten während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit im Deutschen Reich oder in den besetzten Gebieten leisten. Überall wurden Frauen, Männer und Kinder eingesetzt – in Rüstungsbetrieben wie der Steyr- Daimler-Puch AG ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Alle sind ihnen begegnet – ob als Wehrmachtsoldat in den besetzten Gebieten oder als Bäuerin in Niederösterreich. Zwangsarbeit war kein Geheimnis, sie war ein weitgehend öffentlich stattfindendes Verbrechen. »Zwangsarbeit im Nationalsozialismus« zeigt – erstmals in Österreich – die gesamte Geschichte dieses Verbrechens und seiner Folgen nach 1945. Über 60 repräsentative Fallgeschichten bilden den Kern der Ausstellung. Sie sind das Ergebnis weltweit durchgeführter Recherchen. Mit historischen Exponaten, Fotografien und Zeitzeugeninterviews beleuchtet die Schau das rassistisch definierte Verhältnis zwischen der Bevölkerung und den Zwangsarbeitenden – mit allen Handlungsspielräumen, die sich den Menschen boten.


Die Ausstellung steht unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten der Republik Österreich Dr. Heinz Fischer und der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland Joachim Gauck.

 

„Die Republik Österreich trägt die Verantwortung dafür, dass Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde auf Dauer Fundamente unseres Staates bleiben. Daher richtet sich der Appell der Ausstellung »Zwangsarbeit im Nationalsozialismus« an uns alle und darüber hinaus an alle, die heute in Europa Verantwortung tragen, aus unserer Vergangenheit zu lernen und jeder Form von Rassismus oder Antisemitismus mit größter Entschiedenheit entgegen zu treten.“
Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident der Republik Österreich

 

Pressekonferenz

Mittwoch, 11. Mai 2016, 11.00 Uhr, Museum Arbeitswelt Steyr

Wir laden Sie zur Pressekonferenz und Eröffnung dieser Ausstellung am Mittwoch, dem    11. Mai 2016 ein:

11.00 – 11.45 Uhr
Redner/innen der Pressekonferenz:


12.00 – 13.00 Uhr
Im Anschluss findet die Kuratorenführung mit Dr. Stefan Hördler (Kurator der Ausstellung und Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora) statt.


Ab 13.00 Uhr
Für Interviews steht neben den bereits genannten Personen auch Katharina Brandstetter, Tochter einer ehemaligen Zwangsarbeiterin, zur Verfügung.


Kurzinfo zu Katharina Brandstetter
Wann, wo, mit welchem Namen und von welchen Eltern die gut 70-jährige Katharina Brandstetter aus Wels/Oberösterreich geboren wurde, weiß sie nicht. Denn die Frau, der sie nach Kriegsende 1945 vom „Fremdvölkischen Kinderheim Schloss Etzelsdorf“ in Pichl bei Wels ausgehändigt wurde und als deren Kind sie aufwuchs, war nur ihre soziale, nicht aber ihre biologische Mutter. Dies hat auch ein später durchgeführter DNA-Test zweifelsfrei ergeben. Katharina Brandstetter wurde zum Opfer einer Verwechslung, die angesiedelt ist im Umfeld des Schicksals zehntausender Zwangsarbeiterinnen-Kinder, die ab 1942 in sogenannten „Ausländerkinderpflegestätten“ ihren Müttern entzogen wurden. In solchen Einrichtungen kamen während der NS-Zeit tausendfach Säuglinge zu Tode. Möglicherweise war das Kind, dessen Name und Papiere Katharina Brandstetter besitzt, unter den in Pichl verstorbenen Kindern.

 

Eröffnung

Mittwoch, 11. Mai 2016, 19.00 Uhr, Museum Arbeitswelt Steyr

Programm der abendlichen Eröffnung (Großer Veranstaltungssaal):

 

Zur Ausstellung »Zwangsarbeit im Nationalsozialismus«

1. Thema

Zwangsarbeit ist eine europäische Erfahrung ohne Beispiel. An keinem anderen NS-Verbrechen waren derart viele Menschen beteiligt – als Opfer, Täter, Profiteure oder Zuschauer. Anliegen der Ausstellung ist es, erstmals die gesamte Geschichte dieses NS-Verbrechens und seiner Folgen nach 1945 darzustellen. Sie zeigt, wie die Zwangsarbeit von Beginn an Teil der rassistischen Gesellschaftsordnung des NS-Staates war: Die propagierte »Volksgemeinschaft« und die Zwangsarbeit der Ausgeschlossenen – beides gehörte zusammen. Selbsternannte »Herrenmenschen« beuteten die als angebliche »Untermenschen« Unterworfenen rücksichtslos aus.
Alle mussten sich entscheiden, wie sie den Zwangsarbeitenden begegneten: mit einem Rest von Mitmenschlichkeit oder der angeblich gebotenen, rassistisch motivierten Kälte und Unerbittlichkeit des Angehörigen eines vermeintlich höherwertigen Volkes.
In der Alltäglichkeit der Zwangsarbeit und in der breiten gesellschaftlichen Beteiligung zeigte sich der rassistische Kern des Nationalsozialismus. 
Die Ausstellung geht so über die Geschichte der Zwangsarbeit im engeren Sinne hinaus und verdeutlicht, wie stark die Gesellschaft nationalsozialistisch durchdrungen war.

 

2. Aufbau

Über sechzig repräsentative Fallgeschichten bilden den Kern der Ausstellung. Thematisch reichen sie von der entwürdigenden Arbeit politisch Verfolgter in Chemnitz bis hin zur mörderischen Sklavenarbeit von Juden in der besetzten Sowjetunion und dem Zwangsarbeiteralltag auf einem Bauernhof in Niederösterreich oder in der Rüstungsindustrie in Steyr. Chronologisch gliedert sich die Ausstellung in vier Kapitel, die das Thema von 1933 bis zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Anerkennung der Zwangsarbeit als Verbrechen in der Gegenwart behandeln. Das letzte Wort haben ehemalige Zwangs-arbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die rund 450 gezeigten Dokumente und Fotos sind das Ergebnis akribischer Recherchen in öffentlichen und privaten Archiven weltweit. Eine Besonderheit sind zudem Medienstationen mit Berichten von 38 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

 

3. Ausstellungsort Steyr

Die internationale Wanderausstellung, die seit 2010 in Berlin, Dortmund, Hamburg, Moskau, Prag und Warschau zu sehen war, wurde für die Präsentation in Steyr speziell überarbeitet und erweitert. Als Ausstellungsort wurde mit Steyr bewusst eines der ehemaligen industriellen Zentren der NS-Zwangsarbeit in Österreich gewählt.
Die Steyr-Daimler-Puch AG stellte während des Zweiten Weltkrieges unter anderem Handfeuerwaffen, Flugmotoren, Kraftfahrzeuge, Kugellager und Panzer her. 1944 waren die Hälfte der Beschäftigten ausländische Zwangsarbeitskräfte. In einem der Betriebsgebäude des Hauptwerks Steyr ist heute das Museum Arbeitswelt aufgebaut. Somit ist die Ausstellung dort an einem authentischen historischen Ort zu sehen. In unmittelbarer Museumsnähe befindet sich mit dem Gedenkort »Stollen der Erinnerung« schließlich ein weiterer Schauplatz von NS-Zwangsarbeit. Heute wird dort in einer Ausstellung die lokale Dimension dieses Gesellschaftsverbrechens dargestellt.

»Zwangsarbeit im Nationalsozialismus« ist im Museum Arbeitswelt Steyr vom 12. Mai bis zum 18. Dezember 2016 zu sehen. Öffnungszeiten: Di. bis So. von 9 bis 17 Uhr
 

Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung wird in Steyr, Linz und Wien ein Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionen, Stadtführungen und Exkursionen angeboten.
Weitere Informationen zu Ausstellung und Begleitprogramm finden Sie unter: www.ausstellung-zwangsarbeit.at | www.museum-steyr.at

 

Begleitband und Pressefotos

Zur Ausstellung erscheint ein um Beiträge zur NS-Zwangsarbeit auf österreichischem Gebiet erweiterter Begleitband:

»Zwangsarbeit im Nationalsozialismus«, herausgegeben von Stefan Hördler, Volkhard Knigge, Rikola-Gunnar Lüttgenau und Jens-Christian Wagner im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, 276 Seiten, Preis: 19,80 Euro

 

Für Rezensionsexemplare wenden Sie sich bitte an:
Stephan Rosinger, Museum Arbeitswelt Steyr, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 07252/77351-15 / e-Mail: stephan.rosinger(at)museum-steyr.at

 

Pressefotos, die Sie gerne für die Berichterstattung unter Beachtung der Bildnachweise verwenden können, finden Sie unter:
http://www.ausstellung-zwangsarbeit.org/341/
Zusätzliche Pressefotos zu NS-Zwangsarbeit auf österreichischem Gebiet werden unter www.museum-steyr.at > Presse > Zwangsarbeit bereitgestellt.

 

Pressekontakte

Stephan Rosinger, Museum Arbeitswelt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 07252/77351-15, e-Mail: stephan.rosinger(at)museum-steyr.at

 

Dr. Philipp Neumann-Thein, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora,
Tel.: +49 3643 430156, e-Mail: pneumann(at)buchenwald.de

 

Dietrich-Wolf Fenner, Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ),
Tel.: +49 3025 9297-76, e-Mail: fenner(at)stiftung-evz.de

 

Anmeldung zur Teilnahme an der Pressekonferenz zur Ausstellung »Zwangsarbeit im Nationalsozialismus« im Museum Arbeitswelt und/oder zur Ausstellungseröffnung an:
Stephan Rosinger
Museum Arbeitswelt Steyr
Tel.: 07252/77351-15
Fax: 07252.77351-11
e-Mail: stephan.rosinger(at)museum-steyr.at

Weitere Informationen

Dietrich Wolf Fenner, Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
Telefon: 030 / 259 297 76, E-Mail: fenner(at)stiftung-evz.de