Bildungsagenda Nationalsozialistisches Unrecht (NS-Unrecht)

Auf Initiative des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) startete die Stiftung EVZ im Juni 2021 ein neues Vorhaben: die Bildungsagenda NS-Unrecht. Erste finanzielle Mittel sind vom Deutschen Bundestag im Rahmen der „Folgeaufgaben der Wiedergutmachung an Opfer der NS-Verfolgung“ (Kapitel 0801 Titel 685 31) für das Vorhaben freigegeben worden und werden der Stiftung über das BMF bereitgestellt.

Aktuelle Herausforderungen & Bedarfe

Die Auseinandersetzung mit NS-Unrecht und seinen Fortwirkungen und die historisch-politische Bildungsarbeit über diese Zeit wird künftig auf medial vermittelte Formen angewiesen sein. Ohne die Generation der Überlebenden und mit zunehmender zeitlicher Distanz nimmt das Wissen über NS-Geschichte und den Holocaust ab. Gleichzeitig ist eine besorgniserregende Zunahme von Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus zu verzeichnen. Immer häufiger kommt es zu antisemitisch, antiziganistisch und rassistisch motivierten Gewalttaten und Anschlägen wie z.B. die Attentate in Hanau und Halle.

Unser Ansatz

Die Bildungsagenda NS-Unrecht soll angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in der historisch-politischen Bildung zum NS-Unrecht in Deutschland und Europa einen Beitrag leisten. Durch geschichtsbewusste, aktivierende Vermittlung der Lehren aus der NS-Vergangenheit und die Sichtbarmachung von Erfahrungen der von Verfolgung Betroffenen sollen demokratische Haltungen gestärkt und Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und LSBTIQ-Feindlichkeit entgegengewirkt werden.

Die geplanten Projekte sollen die Schicksale der verfolgten Menschen und Gruppen sichtbar machen, mit einem besonderen Fokus auf diejenigen, die bisher weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten haben. Seien es

  • Jüd:innen, Rom:nja und Sinti:ze,
  • aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgte Menschen,
  • Menschen mit Behinderungen,
  • Zwangsarbeiter:innen,
  • geraubte Kinder,
  • politisch, religiös und als „asozial“ Verfolgte,
  • zivile Opfer der deutschen Besatzungspolitik.

Oder seien es Wiederstandstandskämpfer:innen, Helfer:innen und Retter:innen in der Zeit des Nationalsozialismus, des Holocaust und während des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Auch die Geschichte Deutschlands in der Nachkriegszeit, vor allem in Bezug auf die Bewältigung der Kriegsfolgen, die Prozesse der gesellschaftlichen und politischen Aufarbeitung der Völkermorde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland (Stichwort: Wiedergutmachungspolitik) sollen beleuchtet werden.

 

Erste Phase 2021

Das Vorhaben ist als überjähriges Programm mit vier Förderschwerpunkten konzipiert: In einer ersten Phase im Jahr 2021 werden im Rahmen von Ausschreibungen zunächst beispielhafte Projekte von bundesweiter Bedeutung und europäischer Dimension gefördert. Auf dieser Grundlage werden in einem geplanten zweiten Förderzeitraum Programmlinien entwickelt, die zwischen 2022–2024 umgesetzt werden.

 

Förderschwerpunkte

Kulturelle Lernräume: 

Ziel: Emotionale, empathiefördernde und niedrigschwellige Zugänge zur Geschichte des Nationalsozialismus und zur Geschichte der Bewältigung und Aufarbeitung der NS-Zeit sowie das Aufzeigen von historischen Kontinuitäten und Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart ermöglichen und neue Zielgruppen erreichen,
 
a) indem kulturelle Einrichtungen in Deutschland gefördert werden. Diese entwickeln kulturelle, multidimensionale Bildungsprojekte, in denen eine künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit dem Unrecht und dem daraus abzuleitenden Lernen und Verstehen stattfindet. Dabei werden in unterschiedlichen (Stadt)-Communitys junge Menschen einbezogen, die wenige oder keine familienbiografischen Bezüge zur NS-Geschichte haben.

b) indem öffentlichkeitswirksame (digitale bzw. hybride) Ausstellungen zum Themenkreis mit bundesweiter und europäischer Ausstrahlung gefördert werden, die bislang weniger beachtete Verfolgungsgeschichten in der deutschen oder europäischen Erinnerungskultur aufgreifen sollen. Dabei werden die Perspektiven der Überlebenden und deren Nachkommen einbezogen.

 

Digitale Lernräume: 

Erinnerung 4.0: Beispielhafte digitale Instrumente und Formate für die zeitgemäße Bildung ermöglichen, indem gezielt bundesweite Kooperationen von Historiker:innen, Pädagog:innen und Civic-Tech-Akteur:innen gefördert werden. Damit sollen zunehmend technikaffinere Zielgruppen erreicht werden.

Transfer: 

Wissentransfer und Interventionskompetenzen an relevante Berufsgruppen in Deutschland in Form von Qualifizierungsangeboten ermöglichen. Diese Angebote verstehen sich als lebensbegleitende Lernaktivitäten, um Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen im Hinblick auf persönliche, bürgergesellschaftliche und/oder beschäftigungsbezogene Perspektiven zu stärken.
Sie befähigen dazu, historisch fundierte Zusammenhänge zu erkennen, sich relevantes systematisches Geschichtswissen und Geschichtsbewusstsein anzueignen und wertebasiertes Handeln in der Gegenwart zu fördern.

 

Europa:

Gemeinsames Erinnern an die gesamteuropäische Dimension von NS-Unrecht fördern.
Die Verbundprojekte in diesem Bereich sind transnational und innovativ ausgerichtet und sollen den Zusammenhalt in Europa stärken.
Die Vorhaben stärken Diversitätsbewusstsein, diskriminierungskritische Haltungen und demokratische Kompetenzen sowie die europäische Vernetzung und Zusammenarbeit im Feld der historisch-politischen Bildung in Europa.

 

Beirat & Strukturierter Dialog

Projektvorschläge werden regelmäßig einem internationalen Beirat bestehend aus Vertreter:innen des Kuratoriums der Stiftung EVZ und des BMF vorgelegt.

Im Rahmen des Programms findet begleitend ein strukturierter, multilateraler Dialog mit einschlägigen Praktiker:innen, verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteur:innen, Expert:innen sowie Vertreter:innen von NS-Opfer- und Verfolgtengruppen und ihrer Nachfahren statt.

 

Kontakt

Für Fragen zum Gesamtvorhaben Bildungsagenda NS-Unrecht und Projektförderung steht Ihnen Jens Schley als Ansprechpartner zur Verfügung.