Wie können Organisationen Antisemitismus sicher erkennen und verantwortungsvoll reagieren? Welche Strukturen braucht es, damit der Umgang mit Antisemitismus nicht vom Engagement Einzelner abhängt? Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) setzt ihr Förderprogramm „In die Praxis! Strukturen schaffen gegen Antisemitismus“ mit einer neuen Ausschreibung fort. Nach zwei Runden mit insgesamt 26 geförderten Organisationen richtet sich das neue Interessensbekundungsverfahren an Organisationen aus Sport sowie Kunst und Kultur in Deutschland, die ihre Praxis im Umgang mit Antisemitismus weiterentwickeln wollen.
Die Arbeit etablierter Träger ist eine unverzichtbare Grundlage im Engagement gegen Antisemitismus. Gleichzeitig braucht es institutionelle Verantwortung: Sportvereine und -verbände, Kunst- und Kultureinrichtungen und andere gesellschaftliche Organisationen sollen selbst in der Lage sein, Antisemitismus zu erkennen, ihm entgegenzutreten und Verantwortung zu übernehmen.
Vom Handlungsbedarf zum tragfähigen Vorhaben
Die Erfahrungen aus den bisherigen Förderrunden der Stiftung EVZ fließen in die Weiterentwicklung des Programms ein. Ziel bleibt es, Organisationen langfristig handlungsfähiger im Umgang mit Antisemitismus zu machen. Dafür geht die Stiftung EVZ einen neuen Weg: Statt fertiger Projektideen steht am Anfang die Analyse des konkreten Handlungsbedarfs der Organisationen. Auf dieser Grundlage werden gemeinsam Ansätze für nachhaltige Veränderungen entwickelt.
Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren beginnt für die Organisationen die Entwicklungsphase. Gemeinsam mit der Stiftung EVZ und fachlichen Partner:innen entwickeln sie auf Grundlage ihrer Bedarfsanalyse ein Vorhaben, das zu den jeweiligen Herausforderungen, Strukturen und Handlungsmöglichkeiten der Organisation passt.
Die Stiftung EVZ hat mit „Informiert, couragiert, engagiert!” selbst digitale Lernangebote sowie Blended-Learning-Formate zur antisemitismuskritischen Bildung entwickelt und stellt diese zur Verfügung.
„Aus unseren bisherigen Förderrunden wissen wir, dass nachhaltige Veränderungen dort am nachhaltigsten gelingen, wo sich Organisationen als Ganzes mit Antisemitismus auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Mit dem weiterentwickelten Verfahren setzen wir als Stiftung EVZ deshalb früher an und schaffen Raum, mit den Organisationen gemeinsam passende Ansätze zu entwickeln und dauerhaft in der institutionellen Praxis zu verankern“, sagt Dr. Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ.
Zur Ausschreibung
Die Stiftung EVZ bietet am 30. September 2026 einen digitalen Lunchtalk an: In 45 Minuten geht es darum, wo Antisemitismus in Sport, Kunst und Kultur auftreten kann, welche Herausforderungen sich daraus für Organisationen ergeben und warum es wichtig ist, selbst aktiv zu werden.
Interessensbekundungen können vom 15. September bis 25. Oktober 2026 eingereicht werden.
Förderprogramm „In die Praxis! Strukturen schaffen gegen Antisemitismus“
26 Organisationen wurden seit der Schaffung dieses Förderprogramms im Jahr 2023 von der Stiftung EVZ gefördert. Dazu zählen unter anderem der DSC Arminia Bielefeld, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Kurdische Gemeinde Deutschland. Die Projekte reichen zum Beispiel von der Schaffung einer Anlaufstelle gegen Antisemitismus über Schulungen bis hin zur Entwicklung von Schutzkonzepten und Handlungsleitfäden.
Über die Stiftung EVZ
Auftrag der Stiftung EVZ ist es, die Erinnerung an das Unrecht der nationalsozialistischen Verfolgung lebendig zu halten, die daraus erwachsende Verantwortung im Hier und Heute anzunehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten. Zentrales Motiv der Stiftungsgründung im Jahr 2000 war die Auszahlung humanitärer Ausgleichsleistungen an ehemalige Zwangsarbeiter:innen des NS-Regimes – ein Meilenstein der deutschen Aufarbeitung. Heute fördert die Stiftung über ihre Handlungsfelder Bilden und Handeln Projekte und Aktivitäten, die den Überlebenden nationalsozialistischer Verfolgung, der Völkerverständigung und der Stärkung von Menschenrechten dienen.
Weiterführende Informationen
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