Das Projekt »Ein Bahnhof ohne Erinnerung« vergibt am Deutschen Theater Göttingen einen Stückauftrag, der NS-Deportationen am Alten Güterbahnhof mit seiner heutigen Nutzung verbindet und nach heutiger Verantwortung fragt.
Am ehemaligen Güterbahnhof Göttingen entsteht ein Theaterstück, das Erinnerung, Verantwortung und Kultur verbindet. Heute erinnert vor Ort kaum etwas an die Verbrechen, die hier stattfanden. Das Deutsche Theater Göttingen widmet sich im Projekt „MemoRails“ der Geschichte von Bahnhöfen als alltäglichen Orten der NS-Verfolgung und macht die Schicksale der Menschen sichtbar. Im Zentrum stehen Göttinger Einzel- und Familienschicksale: Zeitzeug*innen-Berichte und Deportationen erhalten Gestalt – sowohl die der Verfolgten, die von hier in Konzentrationslager verschleppt wurden, als auch die der Zwangsarbeiterinnen, die ankamen und in der Rüstungsindustrie ausgebeutet wurden. Heute dient der Ort als Probebühne und soll zu einem lebendigen Erinnerungsraum werden. Gemeinsam mit Museen und Historiker*innen sammelt das Theater Fakten und persönliche Zeugnisse und entwickelt neue künstlerische Zugänge zu den NS-Verbrechen. Die Inszenierung macht den Bahnhof zum Ort der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
Das Deutsche Theater Göttingen gGmbH (DTG) in Tradition des Stadttheaters von 1890 ist zentraler Kulturträger von Stadt und Landkreis. Barrieren abzubauen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken sind Kernstücke des Spielplans. Das Haus setzt sich durch Stückaufträge mit historischen und aktuellen Ereignissen auseinander - sei es Nationalismus, Diskriminierung oder soziale Ungerechtigkeit: »Die Nutznießer« dokumentierte die Verfolgung jüdischer Göttinger*innen; »Das Deutsche Haus«, thematisiert rechte Netzwerke. Daneben überlassen wir die Bühne Akteur*innen der Stadtgesellschaft: Göttinger Tageblatt Forum (städtische Themen), Göttingen X (Initiativen machen ihre Belange sichtbar). Zudem gestalten wir Aktionen zur Stärkung der Demokratie (Demokratietag mit lokalen Initiativen, Fotoaktionen, Lesungen). Daneben setzte das DTG als erstes öffentliches Theater mit Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung Maßstäbe in Nachhaltigkeit.
