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Interview mit Pavel Baravik


Pavel Baravik, wie sind die Stiftung EVZ und Du zusammengekommen?

Das war 2014. Ich war als Student der Politikwissenschaften und Soziologie mit dem Schwerpunkt Osteuropa Stipendiat im „Studienkolleg zu Berlin“ und das Stipendium ist zu Ende gegangen.
Zufälligerweise gab es im Programm „Treffpunkt Dialog“ auch gerade eine Stellenausschreibung für eine studentische Hilfskraft, die ich gefunden, auf die ich mich beworben und die ich auch erhalten habe. Und als mein Studium beendet war, gab es dann eine interne Ausschreibung für eine Projektassistenz im Programm „Europeans for Peace“. Und so begann meine Arbeit im internationalen Jugendaustausch.

 

Du bist ja ausgebildeter Lehrer: Welche Eigenschaften eines Lehrers kannst Du in die Stiftungsarbeit einbringen?

Viel Geduld und Verständnis. Ich bin ja zudem Deutschlehrer, kommuniziere aber fast ausschließlich in Englisch. Das langsame und deutliche Sprechen kommt auch aus dem Lehrerberuf. Auch wenn ich nur zwei Jahre als Lehrer gearbeitet habe, besitze ich dieses Verständnis für die Sprachfehler und habe verstanden, dass langsames Sprechen und Erklären häufiger zum Erfolg führen. Gerade jetzt in der Corona-Zeit, wo Projekte gestoppt oder digital umgesetzt werden, war es gut, dass die Projektträger*innen Vertrauen zu mir hatten und wussten: Sie können mich anrufen und wir klären ihre Probleme dann gemeinsam.

 

Was nimmst Du denn mit aus der Corona-Zeit? Wo sagst Du, haben wir gemeinsam mit den Projektträger*innen gelernt?

Ich denke, es gibt noch zu wenige Beispiele im Jugendaustauschbereich, die das in der Tat schon umgesetzt haben. Die meisten warten immer noch auf die Möglichkeit, analoge Begegnungen zu haben. Das Programm „Europeans for Peace“ läuft dieses Jahr aus und so haben alle Projektträger*innen noch bis Oktober Zeit und hoffen noch immer, dass sie im Sommer ein oder zwei Termine zur Umsetzung ihres Projektes bekommen.

Also entsteht eine Art Wettrennen gegen die Corona-Zeit?

Genau. Aber es gibt auch über die Corona-Zeit hinaus Situationen, wo wir Projekte unter anderen schwierigen Bedingungen umgesetzt haben, zum Beispiel in politisch eher instabilen Ländern.

 

Welches war denn dein Lieblingsprojekt?

Das war die Tandem-Radtour „I see! I can! I will!“ zum Thema „Barrierefreiheit“. Danach haben wir lange gesucht: Ein Projekt, das sehr inklusiv ist und in verschiedenen Ländern stattfindet. Es hat viel Freude gemacht, die Teilnehmenden zu beobachten, wie sie mit dem Fahrrad die Ukraine, Polen und Deutschland bereist haben. Am Bundestag haben wir sie dann hier in Berlin empfangen.
Es gibt da aber noch ein Projekt, das ist schon lange her: Das war mit Jugendlichen aus Deutschland und Russland. Da ging es um einen Generationendialog. Eine Gruppe Jugendlicher wurde mit hochbetagten Zeitzeug*innen der Leningrader Blockade zusammengebracht. Ich weiß noch, dass ich Gänsehaut bekommen habe, als ich Abschlussbericht las, dass alle zusammen Brot aus genau den Zutaten gebacken haben, die man auch zur Zeit der Blockade zur Verfügung hatte. Also mit Klebstoff (tierischer Knochenleim), fast ohne Mehl und mit Trockenfrüchten oder was sonst zu finden war. Die Jugendlichen sollten verstehen, wie das Leben und die Bedingungen zu dieser Zeit waren. Und zwar nicht für nur einen Tag, sondern über einen Zeitraum von über einem Jahr. Das war sehr beeindruckend und ich habe verstanden, warum wir genau solche Projekte umsetzen: Damit die Jugendlichen diese Geschichten aus der Sicht der Zeitzeug*innen erleben. Das hat mich sehr beeindruckt.
 

Vielen Dank, Pavel.