EVZ expanded – Labor für neue Förderformate

Um auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zeitnah zu reagieren und die strategische Weiterentwicklung der Stiftung voranzutreiben, konzipiert EVZ expanded neue Methoden und zukunftsorientierte Förderformate. Der Begriff „expanded“ steht für ein verbindendes und „erweitertes“ Team, das methodisch und thematisch Neues wagt: Der aus drei Frauen bestehende Think-und-Do-Tank ergänzt in Kooperation mit den Kolleg*innen der drei Handlungsfelder die längerfristig angelegten Förderprogramme.

Projektankündigung: Antisemitismus im Dark Social

Dem Antisemitismus im Netz kann nur effektiv begegnet werden, wenn Politik, digitale Akteure, insbesondere Plattformbetreiber, und Zivilgesellschaft zusammenwirken. Das Vorläuferprojekt des Berliner Beratungsnetzwerks polisphere in Zusammenarbeit mit EVZ expanded hat allgemeine Strategien für den Umgang mit Antisemitismus im Netz herausgearbeitet. 

 

Nun erstellt polisphere aufbauend auf diesen Ergebnissen eine vergleichende Analyse von aktuellen antisemitischen Phänomenen in den Radikalisierungsräumen des „neuen Darknet“. Das Spektrum der untersuchten Netzwerke reicht von anonymen Imageboards wie 8chan über neue Social Networks wie TikTok bis hin zu (Game)-Streaming-Plattformen wie Twitch oder ausgewählten Messengerdiensten, auch unter „Dark Social“ zusammengefasst. 

Das Projekt kartographiert diese in der gesellschaftspolitischen Kommunikationsforschung bisher wenig betrachteten digitalen Räume und beleuchtet ihre unterschiedlichen Funktions- und Wirkungsweisen in Hinblick auf den dort gedeihenden Antisemitismus.

Ergebnisse der Recherche werden in einer Abschlussveranstaltung diskutiert, zudem entsteht ein Ideenkatalog mit Gegenmaßnahmen für Plattformbetreiber, Politik und Zivilgesellschaft. 

Das Projekt wird fachlich unterstützt von der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

Interaktive Biografien von Überlebenden des Holocaust

Anita Lasker-Wallfisch (c) USC Shoah Foundation

Zeitgemäßes Erinnern verlangt nach unterschiedlichsten Formen der Vermittlung. 

Aus dem Grund fördert EVZ expanded zwei Projekte mit dem Ziel, deutschsprachige interaktive Zeitzeugnisse von Überlebenden des Holocaust zu entwickeln: „Dimensions in Testimony“ von der Shoah Foundation und „Lernen mit digitalen Zeugnissen“ der Ludwig-Maximilians-Universität München.   

Dafür beantworten im ersten Schritt Überlebende des Holocaust vor laufenden Kameras einen umfassenden Fragenkatalog zu ihrem Leben. Dieses Filmmaterial wird mit einer Spracherkennungssoftware aufbereitet, sodass den Überlebenden Fragen zur Lebensgeschichte vor, während und nach dem Holocaust gestellt werden können. Die interaktiven Zeitzeugnisse können in der historischen Bildung in Museen, Gedenkstätten, Schulen und Ausbildung verankert werden. Mit diesen Projekten wollen wir auch zukünftigen Generationen eine Form der Interaktion mit Überlebenden ermöglichen und setzen uns für den Erhalt der Zeitzeugnisse ein. 

„Dimensions in Testimony“ von der Shoah Foundation wurden in den Dauerausstellungen von diversen Museen in den USA und in Nanjing in China gezeigt. In Zusammenarbeit mit der Stiftung EVZ wird das interaktive Zeitzeugnis von Anita Lasker-Wallfisch entwickelt. Das Zeugnis befindet sich zurzeit in der Betatest-Phase. 

FAQs 

Abba Naor und Eva Umlauf auf der Einweihung ihrer digitalen Zeugnisse im Leibniz-Rechenzentrum
(c)SZ/Alessandra Schellnegger

Für das Projekt „Lernen mit digitalen Zeugnissen“ der Ludwig-Maximilians-Universität konnten Abba Naor und Eva Umlauf gewonnen werden. Die Zeitzeugnisse haben einen regionalen Bezug zu München und zu den Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau. Zusätzlich weist das Projekt einen Schwerpunkt auf die Vermittlung der interaktiven Zeitzeugnisse im Schulunterricht auf.

EVZ Foundation Award for Jewish-Muslim Solidarity

©Boris Bocheinski/KIgA

Die Erfahrung von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus prägt das Leben von Juden, Jüdinnen* und Muslim*innen in Deutschland. Die sich immer deutlich abzeichnenden nationalistische, autoritäre und rassistische Tendenzen gefährden die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unserer Gesellschaft.

Um diesen Ideologien der Ungleichwertigkeit nachhaltig entgegenzuwirken, sind Kooperationen zwischen Muslim*innen und Jüdinnen und Juden*eine wichtige Strategie. Deutschlandweit gibt es zahlreiche jüdisch-muslimische Projekte – durch Begegnungen, Solidaritätsaktionen oder gemeinsame Unternehmungen erschließen die Akteure neue Perspektiven und schaffen Verständnis füreinander.  Sie stärken sowohl die vom Rassismus und Antisemitismus betroffenen Communities als auch den sozialen Zusammenhalt.

Mit dem "EVZ Foundation Award for Jewish-Muslim Solidarity" wollen die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. (KIgA) und die Stiftung EVZ daher die so wichtigen Kooperationen zwischen Juden, Jüdinnen* und Muslim*innen unterstützen. 

Die Gewinner-Organisation des EVZ Foundation Award for Jewish-Muslim Solidarity im Jahr 2020 ist das Münchener Festival „ausARTen“.

Projektankündigung: Social Videos gegen Antisemitismus

Mit einer fünfteiligen Social-Video-Serie eröffnen AJC Berlin und die digitale Bildungsinitiative MESH Collective jungen Menschen neue Zugänge zum Thema Antisemitismus. Im Zentrum des Projekts steht die Zusammenarbeit mit reichweitenstarken und divers aufgestellten Social Video-Creator*innen.

Die Serie richtet sich an junge Menschen in Deutschland zwischen 14 und 24 Jahren und besteht aus mehreren inhaltlichen Modulen. Social Video-Creator*innen auf Instagram und YouTube werden junge Menschen über die aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus und Folgen für die Betroffenen sensibilisieren. Sie werden auch zeigen, wie auf antisemitische Hassrede auf Social Media-Plattformen reagiert werden kann. Die Zuschauer*innen werden dadurch zu Reaktionen gegen Antisemitismus in ihrem Alltag motiviert. In einem Teil der Videoserie werden Creator*innen mit jüdischen Multiplikator*innen zusammengebracht, um die diversen Lebensrealitäten von Juden und Jüdinnen* in Deutschland sichtbar zu machen.

Mit diesem Projekt will die Stiftung EVZ einen Impuls gegen Antisemitismus in sozialen Netzwerken und Online-Kommentaren setzen.

Die Veröffentlichung der Videos ist im März/April 2021 geplant.

Kontakt

Marianna Matzer
matzer(at)stiftung-evz.de
Tel.: +49 (0)30 25 92 97-19
Fax: +49 (0)30 25 92 97-11