Förderprogramm

Treffpunkt Dialog

Förderprogramm zur gesellschaftlichen Anerkennung von NS-Opfern in Osteuropa

Das Programm "Treffpunkt Dialog" richtet sich an Organisationen aus Belarus und Russland, die sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Überlebenden der NS-Verfolgung in ihren Ländern engagieren. Die Stiftung EVZ will die Überlebenden nicht allein als hilfsbedürftige Menschen ansprechen. Ziel der Förderung ist es vielmehr, zur Würdigung der Lebensleistung und gesellschaftlichen Anerkennung von NS-Opfern beizutragen. Das jährlich mit 800.000 Euro unterstützte Programm soll auch dazu anregen, die Potenziale einheimischer Sozialsysteme zu nutzen und nachhaltige Strukturen für NS-Opfer vor Ort aufzubauen.

Ausgewählte Projekte

Medizinische Versorgung für NS-Opfer im Nowgoroder Gebiet

In Russland haben alte Menschen, die in abgelegenen Dörfern leben, nur schwer Zugang zu fachärztlicher Versorgung. Das Rote Kreuz Nowgorod, das NS-Opfer in mehreren Gemeinden mit Treffpunkten, Beratungsleistungen und Hausbesuchen unterstützt, hat daher einen Fahrdienst ins Leben gerufen. Gruppen von je 25 Überlebenden werden für einen Tag zu fachärztlichen Untersuchungen ins – eigentlich den Kriegsveteranen vorbehaltene - Veteranenkrankenhaus von Nowgorod gebracht. Dort werden sie reihum von verschiedenen Fachärzten untersucht, bekommen notwendige Verschreibungen und werden – falls notwendig - gleich in die Klinik aufgenommen. „Sobald sie einmal in der Datei des Krankenhauses registriert sind, können sie auch wiederkommen“, erzählt Natalja Nikolajewa, Direktorin des Rotkreuzverbandes. „Wir organisieren und zahlen aus Projektmitteln lediglich den Transport und die Verpflegung an diesem Tag“. Für die Ärzte des Spitals ist die Teilnahme am Programm „Treffpunkt Dialog“ von Nutzen, da sie am fachlichen Austausch und an Fortbildungen, die der Programmträger CAF mit Moskauer Gerontologen organisiert, teilnehmen können.

 

NGO  "Kinder des Krieges" in Gomel

Gegenseitige Unterstützung von ehemaligen NS-Opfern und schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen in Gomel: Hilfe im Alltag und beim Lernen, gemeinsame Ausflüge, Kreativgruppen, Begleitung und Hausbesuche für wenig und nicht Mobile. 

Die Organisation wird schon seit einigen Jahren gefördert, sie hat als Opfer-Selbstorganisation direkten Zugang zur Zielgruppe und zuletzt 85 NS-Opfer erreicht, davon ca. 30. wenig oder nicht mobile. Im Rahmen der Begegnungen von NS-Opfern mit schwierigen Jugendlichen sind einige Freundschaften zwischen Alt und Jung entstanden. Die Organisation entwickelt sich beständig weiter und ist stark in der Arbeit mit Ehrenamtlichen und der Kooperation mit anderen Organisationen und Medien. 

Zielgruppe

Die Zielgruppe des Förderprogramms sind Menschen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben, wie zum Beispiel ehemalige KZ- und Ghettohäftlinge, ehemalige NS-Zwangsarbeiter, sowjetische Kriegsgefangene und andere. Begrüßt wird auch die Teilnahme von anderen alten und jüngeren Menschen, die zu gemeinsamen Aktivitäten eingeladen oder als Freiwillige in die Projekte einbezogen werden. Gefördert werden Organisationen in Belarus und der Russischen Föderation.

Koordination durch Programmträger vor Ort

Die Stiftung EVZ hat das Management der Förderprogramme an zwei Organisationen in Belarus und der Russischen Föderation übertragen. Diese Programmträger sind verantwortlich für die Bekanntmachung und Administration des Programms sowie für die Begleitung und Vernetzung der geförderten Projekte. Antragsteller, die sich um eine Förderung bewerben möchten, wenden sich bitte an die Programmträger in den jeweiligen Ländern (s. rechte Spalte).

Förderung

Seit dem Jahr 2009 wurden im Rahmen des Förderprogramms "Treffpunkt Dialog" 548 Projekte mit insgesamt knapp 14.000.000 Millionen Euro bewilligt, davon 169 Projekte in Russland, 175 in Belarus und 204 in der Ukraine. Gefördert werden Projekte, die Lösungen für die komplexer werdenden Bedarfe von Überlebenden der NS-Verfolgung anbieten. Das sind beispielsweise gesellige Treffen in wohnortnaher Umgebung oder zuhause, Besuchs- und Begleitdienste, Unterstützung beim Zugang zu staatlichen Leistungen oder Angeboten anderer NGOs sowie andere Formate zur gesellschaftlichen Teilhabe und praktischen Unterstützung der älteren Menschen. Die Stiftung EVZ finanziert in der Regel Personal- und Sachkosten für Laufzeiten von ein bis drei Jahren.

 

Seit dem Jahr 2019 wird das Programm in Belarus und Russland fortgesetzt. Überlebende in der Ukraine werden seitdem im Programm „Wir sind da! - My Porutsch!“ unterstützt.

Aktivitäten der Programmbegleitung

Neben der Förderung modellhafter Einzelprojekte investiert die Stiftung EVZ auch in begleitende Aktivitäten, um das Programm in den Ländern zu verankern und die NS-Opfer nachhaltiger zu unterstützen. Die Programmträger organisieren Fortbildungen und Vernetzungstreffen für die geförderten Organisationen und begleiten die Projekte durch Beratung und Monitoringbesuche. Sie vertreten auch in Gremien zur Alten- und Sozialpolitik, die Interessen der Überlebenden der NS-Verfolgung. Unabhängige Experten aus den jeweiligen Ländern beraten die Stiftung und die Programmträger bei der Auswahl der Projekte.

Belarus

 

 

Russland

 

Übersicht der Projekte seit 2010

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Ulrike Vasel
Projektkoordination
Treffpunkt Dialog
vasel(at)stiftung-evz.de
Tel.:+49 (0)30 25 92 97-21
Fax: +49 (0)30 25 92 97-11

Sigrun Döring
Projektkoordination
Treffpunkt Dialog
doering(at)stiftung-evz.de
Tel.:+49 (0)30 25 92 97-53
Fax: +49 (0)30 25 92 97-11