Förderprogramm

Partnerschaften für Opfer des Nationalsozialismus

Im Rahmen des Programms unterstützt die Stiftung EVZ Projektpartner in Mittel- und Osteuropa, Israel und Deutschland, damit diese grenzüberschreitend und in gemeinsamer Verantwortung den heute hochbetagten NS -Opfern ein Altern in Würde ermöglichen. Auf die spezifischen Bedürfnisse der NS-Opfer abgestimmt, werden mit den Projekten neue Formen der Altenhilfe bekannt gemacht und zivilgesellschaftliche Akteure in diesem Feld gestärkt.

Oft haben die Projekte Modellcharakter und geben als solche wichtige Impulse für eine bessere Versorgung alter Menschen in den betreffenden Ländern. Die Stiftung konnte durch das Programm ein internationales Netzwerk professioneller und ehrenamtlicher Akteure zur Arbeit mit traumatisierten NS-Opfern aufbauen. Seit dem Jahr 2002 hat die Stiftung EVZ im diesem Programm insgesamt rund 200 Projekte unterstützt. Die Stiftung setzt mit diesem Programm, das nicht mehr öffentlich ausgeschrieben wird, ihre bisherige Kooperation mit über 70 ausgewählten Partnern in sieben Ländern fort.

 

Ausgewählte Projekte

Jerusalem u.a.: Generationendialog Holocaustüberlebender mit jungen Menschen

Amcha - Israelisches Zentrum für psychosoziale Unterstützung von Holocaust-Überlebenden und der zweiten Generation, Jerusalem

Über drei Jahre hinweg organisiert AMCHA Begegnungen von rund 1.000 Jugendlichen und 500 Holocaust-Überlebenden, sei es als Hausbesuch, kulturelle Veranstaltung (Konzerte, Lesungen, Theater etc.), ein Fest zu Feier- und Geburtstagen, Computer- und anderen gemeinschaftlichen Kursen oder ein Erzählcafé. Über den Kontakt mit jungen Menschen werden alleinstehende Überlebende aus ihrer Isolation geholt. Sozialarbeiter sprechen die jungen Ehrenamtlichen über Schulen und Jugendorganisationen an. Sie bauen Kontakte zu den Überlebenden auf und organisieren die gemeinsamen Veranstaltungen. Die Aktivitäten an den verschiedenen Standorten werden durch regelmäßige Treffen der Projektmitarbeiter vernetzt, um einen kontinuierlichen Erfahrungstransfer zu garantieren. Ein besonderer Schwerpunkt der Aktivitäten wird auf die Stadt Ashkelon und den Süden von Israel gelegt, wo viele Holocaust-Überlebende wegen des Raketenbeschusses aus Gaza unter massivem psychischen Stress stehen und oft Re-Traumatisierungen erleiden.

Wolgograd: Ambulanter Hilfs- und Pflegedienst für ehemalige Zwangsarbeiter/innen

Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Wolgograd e.V., Köln

Im Rahmen des Projekts werden rund 200 ehemalige ZwangsarbeiterInnen von einem ambulanten Hilfs- und Pflegedienst betreut. Das Leistungsspektrum reicht von sozialen Alltagshilfen bis hin zur intensiven Betreuung und Pflege bettlägeriger, schwerkranker Menschen. Der Arzt und die sechs SozialbetreuerInnen werden von einem kleinen Kreis Ehrenamtlicher bei einfachen sozialpflegerischen Aufgaben unterstützt. Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Wolgograd e.V. arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich mit dem Zentrum zur Unterstützung von nichtkommerziellen Organisationen und der Wolgograder Vereinigung ehemaliger Gefangener in Konzentrationslagern zusammen.

Dnipropetrowsk: Häusliche Betreuung und Freizeitangebote

Ukrainischer Verband der minderjährigen NS-Opfer, Dnipropetrowsk

Der Projektträger - ein regionaler Opferverband - organisiert für ca. 80 mobile Senioren gemeinsame kulturelle Aktivitäten und Vorträge zu historischen Themen und zur Gesundheitsprävention Darüber hinaus bietet der Träger für eingeschränkt bzw. nicht mobile Personen häusliche Betreuung an, sowie bei Bedarf die Versorgung mit Medikamenten. Durch dieses Projekt wird die Lebensqualität von rund 120 NS-Opfern verbessert und ihre gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Der Träger ist sehr gut mit städtischen Einrichtungen und dem nationalen Opferverband vernetzt und betreibt eine aktive Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zugunsten der NS-Überlebenden. Dazu gehört u.a. auch die Organisation von Zeitzeugengesprächen an Schulen.

Łodz: Sozialstation für KZ- und Ghettoüberlebende

Maximilian-Kolbe-Werk e.V., Freiburg

Das 1989 gegründete Sozialmedizinische Zentrum in Lodz bietet den rund 230 KZ- und Ghetto-Überlebenden, die heute noch in der Region leben, medizinische und soziale Unterstützung z.B. in Form von Facharzt-Sprechstunden, Physiotherapie und Hausbesuchen. Ein Freiwilliger aus Deutschland bringt den alten Leuten warme Mahlzeiten. Teil des Projektes ist zudem ein landesweites Netzwerk von etwa 50 ehrenamtlichen Vertrauensleuten. Diese sind meist selbst Überlebende von NS-Verfolgung oder deren Angehörige. Sie helfen bei der Vermittlung von medizinischer Versorgung, Anträgen auf Beihilfen oder für Kur-Aufenthalte. Mit Förderung der Stiftung EVZ können die jährlichen Netzwerktreffen der Vertrauensleute fortgesetzt und die Bemühungen ausgeweitet werden, jüngere Menschen für ein Engagement für NS-Verfolgte in Polen zu begeistern.

Prag u.a.: Treffpunkte und Hausbesuche

Živá paměť, O.P.S. (gemeinnützige Gesellschaft Lebendige Erinnerung), Prag
Die Prager Organisation Živá paměť will mit diesem Projekt ehemaligen NS-Verfolgten Angebote zur Begegnung untereinander und zum Dialog mit nachfolgenden Generationen machen. In Treffpunkten in verschiedenen tschechischen Städten (Prag, Olomouc, Ostrava, České Budějovice und Ústí nad Labem) können noch mobile, aber oftmals im Alter vereinsamte ehemalige Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer ihre Freizeit verbringen, Beratungs- und Trainingsangebote nutzen und gemeinsame kulturelle und soziale Angebote wahrnehmen. Darüber hinaus erhalten ca. 80 wenig mobile Personen regelmäßig im häuslichen Umfeld individuelle Unterstützung im Alltag, u.a. Begleitungen zu Arztbesuchen und anderen Terminen. Durch diese Angebote und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit trägt Živá paměť dazu bei, die Lebenserfahrungen von NS-Opfern zu würdigen und die Verbindung zwischen den Generationen zu fördern. Das Projekt fördert die gesellschaftliche Teilhabe und Verantwortung der älteren Menschen und trägt damit zur Verbesserung des Wohlbefindens der Zielgruppe bei.

Hamburg: Ehrenamtlicher Besuchsdienst für NS-Verfolgte

Verein psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e.V., Hamburg

Um die Lebenssituation von rund 60 ehemaligen NS-Verfolgten in Hamburg nachhaltig zu verbessern, entsteht im Rahmen des Projekts ein ehrenamtlicher Hausbesuchs- und Begleitdienst. Vor allem hochbetagte und weniger mobile NS-Verfolgte haben dadurch wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teil. Dies gewährleisten Ehrenamtliche im Alter von 16 bis 75 Jahren. Ihre Unterstützung besteht aus Besuchen zu Hause, Gesprächen, gemeinsamen Mahlzeiten, Vorlesen, Einkäufen, Unterstützung im Haushalt, Begleitung zu Arztterminen, zu Veranstaltungen, Spaziergängen. Der Verein Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e. V. bietet Verfolgten und ihrem Umfeld Beratung und psychosoziale Hilfen an. Ziel ist die Schaffung, Vermittlung und Begleitung angemessener Hilfen im Alltag, die die lebensgeschichtlichen Besonderheiten von Überlebenden der NS-Verfolgung und Vernichtungspolitik im Land der NS-Täter berücksichtigen und einen respektvollen Umgang mit ihren Erfahrungen und besonderen Ängsten zu pflegen.