Förderprogramm

Migration und Erinnerungskultur

Die Gesellschaft in Deutschland steht vor vielfältigen Herausforderungen in einer Welt, die durch Globalisierung und Migration geprägt ist. Ein- und Auswanderungsprozesse führen verstärkt zu wissenschaftlichen und pädagogischen Diskussionen über einen zeitgemäßen Umgang mit Geschichte.

Aus vielfältigen Zugehörigkeiten ergeben sich neue Perspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus. Migrationsgeschichtliche, verflechtungshistorische und transnationale Zugänge gewinnen an Bedeutung. Die Stiftung EVZ möchte ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der Erinnerungskulturen in Deutschland mit diesem Förderprogramm leisten.

 

Ausbildung von Multiplikator*innen 2019/20

Die Projekte sollen Personen, die bisher wenig Zugang zur Erinnerungskultur in Deutschland hatten, im Sinne von Inklusion aktiv in die historische Bildung einbeziehen und ihnen Teilhabe ermöglichen. Menschen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrungen werden gestärkt, sich gemeinsam mit Menschen, die in Deutschland geboren sind, im Bereich der historisch-politischen Bildung zu engagieren und ihre Perspektiven in die Erinnerungskultur, insbesondere auf die Geschichte des Nationalsozialismus, einzubringen. Dafür werden sie als Multiplikator*innen inhaltlich und didaktisch qualifiziert, selbständig neue Workshop-Angebote zu entwickeln und mit Besuchsgruppen an historischen Orten zu arbeiten. 

 

Meine, Deine, Unsere Stadtgeschichte

In diesem Projekt des Stadtjugendring Stuttgart e.V. gestalten Teilnehmende gemeinsam und einzeln Bildungsangebote zur nationalsozialistischen Stadtgeschichte von Stuttgart. Es werden Freiräume geschaffen, eigene Konzepte zu entwickeln und nachhaltig anzubieten. 

 

 

Multi-peRSPEKTif

Erinnern für die Zukunft e.V. unterstützt am Denkort Bunker Valentin Teilhabe für Menschen mit stark unterschiedlichen Prägungen. Im Rahmen dieses Projekts werden Multiplikator*innen mit Flucht- oder Migrationserfahrungen ausgebildet und Exkursionen mit ihnen durchgeführt. Durch Erarbeitung eigener historisch-politischer Bildungsangebote soll eine längerfristige Mitarbeit in der Bildung vor Ort ermöglicht werden. 

 

 

Lebensspuren: Meine.Eure.Unsere 

In dem Projekt der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V. in Pirna werden Menschen zur regionalen Geschichte des Nationalsozialismus ausgebildet. Aus der Arbeit entsteht ein Handbuch zur Vermittlung dieser Geschichten. Im Laufe des Projekts wird außerdem ein Fachtag organisiert, der einen Austausch mit Lokalhistoriker*innen und anderen Multiplikator*innen ermöglicht. 

 

Bildung in Buchenwald: Gemeinsam Gestalten

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora bildet durch eine partizipative Erarbeitung eines neuen Bildungsmaterials für die Gedenkstätte eine Gruppe von Personen als Multiplikator*innen aus. Es ist vorgesehen, dass Teilnehmende einen Audiowalk in verschiedenen Sprachen herstellen, der Besucher auf neu kontextualisierte Art durch die Gedenkstätte führt.

 

 

Manara – Leuchturm 

Der Verein Inssan e.V. in Berlin wird eine Gruppe von Personen mit Flucht- oder Migrationserfahrung als Multiplikator*innen ausbilden., Durch partizipative Projektgestaltung wird es möglich, eigene Bildungsangebote zu erproben. Als Teil der Schulungen wird eine Bildungsreise zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald geplant und das Anne Frank Zentrum in Berlin besucht.

Pilotprojekte

Gemeinschafts-Dialoge in Groß Glienicke

Der Fokus dieses Bildungsangebots des Alexander Haus e.V. liegt auf der Entwicklung von Dialogprojekten mit Geflüchteten und schon länger vor Ort lebenden Menschen. In Workshops werden Gespräche über die Geschichten der Menschen und der Geschichte der Heimatländer aller Beteiligten angeregt. Dabei entsteht ein neues Dialogformat im Sinne des Community Dialogue. Für die Dokumentation der Prozesse und als Vernetzungsplattform für ähnliche Projekte entsteht eine Webseite.

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Geschichten in Bewegung: Erinnerungspraktiken, Geschichtskulturen und historisches Lernen in der deutschen Migrationsgesellschaft

Durch das Projekt wird der geschichtskulturelle Wandel in der deutschen Migrationsgesellschaft empirisch untersucht. Es wird der Frage nachgegangen, was kollektiv wichtige Vergangenheit angesichts der Diversität in der deutschen Migrationsgesellschaft bedeutet und wie Institutionen auf die Pluralisierung historischer Sinnbildung reagieren. In vier Teilprojekten werden Orte, Formen, Inhalte und die Perspektiven von Akteur*innen historischer Bildung untersucht. In einem Auftaktsymposium, drei Werkstätten und einer Abschlusstagung wird der nötige Diskursraum zur Untersuchung der oben geschilderten Frage geschafft. Zudem wird ein Handbuch zum Historischen Lernen in der Migrationsgesellschaft konzipiert und herausgegeben.

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Bildungsmaterialien Verflechtungsgeschichte

Mit Erkenntnissen aus der Globalgeschichte und zur Verflechtungs- und Beziehungsgeschichte werden Bezüge zu unserer weltweit vernetzten Gegenwart sichtbar. Die Stiftung EVZ fördert die Erstellung von Bildungsmaterialien zur Verflechtung der Geschichte des Nationalsozialismus mit der Geschichte anderer Unrechts- und Gewalterfahrungen, die in der deutschen Erinnerungskultur bisher marginalisiert werden.

 

 

Rassismen in Kolonialismus und Nationalsozialismus. Formen – Funktionen – Folgen

Im März 2016 begann die Entwicklung eines praxisorientierten Materials in einer Kooperation der Universität Hamburg mit der Gedenkstätte Neuengamme und der Universität Augsburg. Das Online-Bildungsportal befasst sich aus verflechtungsgeschichtlicher Perspektive mit Rassismen in Kolonialismus und Nationalsozialismus. Dabei verfolgt das Projekt zwei verschiedene Themenstränge. Zum einen fragt es exemplarisch nach Strukturen und Funktionen kolonialer Machtausübung sowie kolonialen Elementen der NS-Besatzungspolitik in Osteuropa. Zum anderen werden anhand von Biografien Verbindungen und Lebenswege von Akteuren aus ehemaligen Kolonien und ihren Nachkommen nachgezeichnet. Zudem befasst sich das Material auch mit Frage der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus nach 1945, insbesondere inwiefern rassistisches Denken bis in die Gegenwart unsere Gesellschaft prägt.

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Fluchtpunkte. Bewegte Lebensgeschichten zwischen Europa und Nahost

Fluchtpunkte stellt sieben exemplarische Lebensgeschichten mit Flucht- und Migrationserfahrungen vor, welche die Verflechtungen der deutschen und österreichischen Geschichte mit der Geschichte des Nahen Ostens sichtbar und besprechbar machen. Die Biographien werden durch sechs Lernmodule didaktisch erschlossen und ermöglichen die Diskussion über geschichtliche und politische Prozesse, Identitätsbilder und unterschiedliche Narrative. Das Material ermöglicht Bildungsarbeit zu den Themen Flucht und Migration sowie Antisemitismus und Rassismus im Kontext der Geschichte des Nationalsozialismus und unter Berücksichtigung der Folgen historischer europäischer (Nahost-)Politik.

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"Reise in die Moderne" - Deutsch- türkisch- osmanische Begegnungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ausgehend von den Themen „Reisen“ und „Begegnungen“, erschließt das Projekt die deutsch-osmanisch-türkische Geschichte. Der Ansatz der Verflechtungsgeschichte dient dazu, einen multiperspektivischen Blick auf die politischen, sozialen und kulturellen Lebenswelten während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu richten und damit nationalgeschichtliche Narrative aufzubrechen. Dargestellt werden die Inhalte durch eine interaktive Karte von Deutschland und dem Gebiet des Osmanischen Reiches, auf welcher man unterschiedliche Orte auswählen kann – enthalten sind Information über die Personen und Orte, außerdem werden Reise- und Lebenswege nachgezeichnet. 

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Ausbildung von Multiplikator*innen 2017/18

Mit der Förderung von sieben Projekten zur Ausbildung von Multiplikator*innen in der historischen Bildung wurde auch ein Auftrag zur Begleitung, Weiterqualifizierung und Vernetzung dieser Projekte an die Kooperative Berlin vergeben.

 

Romane Krla - Die Roma Stimmen

Das Projekt von Amaro Drom e.V. hatte das Ziel, bundesweit junge Rom*nja als Multiplikator*innen für die Geschichte und Erinnerungskultur von Rom*nja, Jüd*innen (und anderen Minderheiten) auszubilden. Mit Hilfe des historischen Lernens und der Menschenrechtsbildung wurden didaktische Konzepte angeeignet, die in lokalen Aktivitäten umgesetzt wurden um das Bewusstsein zu Themen wie Rassismus, Antiromaismus, Antisemitismus oder Erinnerung zu wecken. Außerdem sind die Teilnehmenden nun Teil des Trainer*innen-Pools von Amaro Drom, um Workshops zu den oben genannten Themen durchzuführen.

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'Not about us without us' - Perspektivenwechsel bei der Aufarbeitung von Völkermorden

Das August Bebel Institut in Berlin fokussierte sich in ihrem Ausbildungsprogramm auf das Thema Völkermorde des 20. Jahrhunderts. Ziel war es, Geschichte nicht nur aus deutscher Perspektive zu erzählen, sondern die dokumentierten Erzählungen und Sichtweisen der Nachfahren miteinzuschließen. Die Ausbildung umfasste inhaltliche und methodische Workshops, die Organisation von einer Tagung, Aktionen zum Internationalen Genozidtag an Sinit und Roma sowie die Erstellung einer Ausstellung gemeinsam mit dem Mitte Museum Berlin.

 

Diversität, Erinnerung, Geschichte - Ausbildung von Multiplikator*innen für eine heterogene Gesellschaft

In dem Kurs des Max Mannheimer Hauses in Dachau, an dem Menschen mit und ohne Migrationsbiografie teilnahmen, wurden gemeinsam Konzepte für Rundgänge und Studienprogramme an der KZ-Gedenkstätte Dachau entwickelt, die den spezifischen Herausforderungen historisch-politischer Bildung in der Einwanderungsgesellschaft gerecht werden sollen. 

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Lokale Geschichte in Oldenburg entdecken

Im Projekt von Werkstattfilm e.V. entstanden Stadtrundgänge zu den Themen Jüdisches Leben, Sinti und Roma sowie Geschichte der Zwangsarbeit in Oldenburg zur Zeit des Nationalsozialismus sowie eine mobile Ausstellung. Die Teilnehmenden verbanden ihre eigenen Erfahrungen zu Flucht und Migration mit den in historischen Quellen und Zeitzeug*innenberichten festgehaltenen und erweiterten dadurch den Erinnerungsdiskurs über den Nationalsozialismus. Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit werden mehrsprachig angeboten.
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Mach dich zum Profi! Qualifizierungsprogramm in der historisch-politischen Bildung

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/ Main entwickelte in einem partizipativen Prozess interaktive und innovative Workshops für die Arbeit mit Jugendlichen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrungen in der neuen Anne Frank Ausstellung und in der neuen Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt/ Main. Zugleich bietet das Projekt jungen Erwachsenen mit und ohne Fluchterfahrung eine Berufsperspektive in der museumspädagogischen und außerschulischen historisch-politischen Bildung.
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ERINNERUNGSWERKSTATT: Suchen, finden, verstehen und erzählen

Das Multikulturelle Zentrum Dessau e.V. bildete in diesem Projekt junge Menschen aus. Einerseits diente das Projekt als Plattform, um Kenntnisse zum Thema Nationalsozialismus in Dessau sowie anderer geschichtlicher Themen kollektiver Gewalt des 20. Jahrhundert zu vertiefen. Zudem wurden Konzepte für die historisch-politische Bildung von Gruppen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, Nationalität und Religion sowie eine Broschüre entwickeln.

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Be the Change! - Erinnerungskultur gemeinsam gestalten am Internationalen Platz Vogelsang IP

In einem Fortbildungsprozess wurden Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchthintergrund gemeinsam in Teams zu Multiplikator*innen der historisch-politischen Bildung in der Akademie Vogelsang IP qualifiziert. Am Erinnerungsort Vogelsang - einem sogenannten "Täterort" - stand besonders die Teilhabe an einer differenzierten und kritischen Erinnerungskultur im Fokus. Die Teilnehmer*innen lernten inklusive Ansätze der Geschichtsdidaktik, Menschenrechtsbildung und Demokratiepädagogik sowie partizipative Ansätze der Vermittlungsarbeit kennen und erarbeiteten auf dieser Grundlage u.a. neue innovative Formate der historisch-politischen Bildung in einer inklusiven Erinnerungskultur. Zudem ist eine Broschüre mit Methoden aus dem Projekt entstanden.
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BarCamp

Über 100 Menschen aus ganz Deutschland kamen am 30. November und 1. Dezember 2018 zum BarCamp „YOURHISTORY“ zum Thema „Migration und Erinnerungskultur“ zusammen. Beim diesem offenen Format entstand das Programm mit insgesamt 35 sogenannten Sessions direkt vor Ort. Eingeladen waren alle Projektbeteiligten im Förderprogramm und andere, die in diesem Themenfeld aktiv sind. Dabei wurde vor allem der aktuelle Stand und zukünftige Möglichkeiten für die Gestaltung der Erinnerungslandschaft diskutiert.

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