Förderprogramm

Migration und Erinnerungskultur

Antisemitismus und Rassismus sind in unserer Gesellschaft noch immer präsent. Die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft ist zudem geprägt von ihrem Blick in die Vergangenheit. Dabei werden unsere diversen Gesellschaftsperspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus in erinnerungskulturellen Praktiken in Deutschland, oftmals übersehen. Darauf reagiert die Stiftung EVZ mit dem Programm Migration und Erinnerungskultur.

Ideenwerkstatt

Im Juni 2019 hat in Bremen die Ideenwerkstatt „YourHistory“ für die Entwicklung von Projekten aus dem Bereich historisch-politische Bildung stattgefunden. Die Teilnehmenden hatten im Anschluss die Möglichkeit Anträge für die Umsetzung ihrer Ideen zu stellen. Ziel war es neue Ansätze zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und anderer Gewalterfahrungen im Kontext der Debatte um die Migrationsgesellschaft in Deutschland zu fördern. Im Rahmen der Ausschreibung wurden insgesamt neun Projektideen eingereicht. Die Stiftung EVZ unterstützt nun vier der beantragten Projekte mit einer Förderung.
Wir freuen uns sehr über jedes Projekt! 

 

Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V.: “HER-STORY (Escape Game) / KICKOFF”

Im Projekt sind die Entwicklung eines mobilen Open-Source Escape Games, Netzwerkarbeit mit Expert*innen und Akteur*innen, Öffentlichkeitsarbeit, Workshops an Schulen und Schulungen für Multiplikator*innen geplant. Zuerst findet eine Kick-Off Veranstaltung statt, die der partizipativen Konzeption des "Her-Story Escape Games" dient. Die hierfür eingeladenen Expert*innen kommen aus den Bereichen Gaming, Spielpädagogik, Erinnerungskultur, Migrationsgesellschaft, Gender Studies, Geschichte, Pädagogik und Inklusion.
Weitere Informationen zum BIM E.V. finden Sie hier.

 

LidiceHaus gGmbH: „Meine Seiten, our History! - Heldinnen* von morgen“

Bei dem Projekt setzt sich eine Gruppe Schwarzer-/Afrodeutscher Mädchen* und junger Frauen* mit Schwarzen Frauen in der deutschen Geschichte auseinander. Der Fokus wird auf die Zeit des Nationalsozialismus gelegt. Es soll herausgefunden werden, wie diese Personen es geschafft haben, in diesen Zeiten zu (über)leben, Widerstand zu leisten und was sie gestärkt haben könnte. Am Ende des Projektes wird ein Superheldin*- Buch entstehen (illustriert, gedruckt und publiziert). Diese Superheldin* soll exemplarisch für viele recherchierte Geschichten Schwarzer Frauen stehen. Geplant sind auch Besuche an historischen Orten und eine Abschlussveranstaltung.
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.

 

Bildungsstätte Bredbeck Heimvolkshochschule des Landkreises Osterholz: „untold stories - Rechercheprojekt zu Migrationsgeschichte in der eigenen Familie“

Das Projekt richtet sich an erwachsene Kinder von Eingewanderten, die sich auf die Suche nach den Einwanderungsgeschichten ihrer Familien machen. Es geht um individuell-biografische Erinnerungen. Dieses unvollständige Wissen um die Lebensgeschichten der eigenen Eltern oder Großeltern, diese "untold stories", erscheinen oft als Lücke in der eigenen Biographie. Ziel des Projektes ist es daher, die vergessenen Geschichten für die Erinnerungskulturen in Deutschland zugänglich zu machen. Geplant sind zwei Seminar-Module, Recherchen, eine Ausstellung und eine Projekt-Dokumentation. Hier geht es zur Anmeldung für das Seminar.

 

Schauspiel Köln: „Broken German - wir müssen reden!“

Im Zentrum des Projekts steht der Roman „Broken German“ des israelischen Autors Tomer Gardi, der auf kreative und eigenwillige Weise aktuelle Fragen um das Gedenken an Shoa, Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg in der deutschen Einwanderungsgesellschaft aufwirft. Dieser moderne israelische Text wurde von IMPORT EXPORT Kollektiv für die Theaterbühne adaptiert. Dafür fand eine Schreibwerkstatt statt, in der junge Menschen partizipativ einbezogen wurden. Begleitend zu dem Theaterstück wurden Workshops für Schulen ausgearbeitet und durchgeführt.

Ausbildung von Multiplikator*innen 2019/20

Die Projekte sollen Personen, die bisher wenig Zugang zur Erinnerungskultur in Deutschland hatten, im Sinne von Inklusion aktiv in die historische Bildung einbeziehen und ihnen Teilhabe ermöglichen. Menschen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrungen werden gestärkt, sich gemeinsam mit Menschen, die in Deutschland geboren sind, im Bereich der historisch-politischen Bildung zu engagieren und ihre Perspektiven in die Erinnerungskultur, insbesondere auf die Geschichte des Nationalsozialismus, einzubringen. Dafür werden sie als Multiplikator*innen inhaltlich und didaktisch qualifiziert, selbständig neue Workshop-Angebote zu entwickeln und mit Besuchsgruppen an historischen Orten zu arbeiten. 

 

Meine, Deine, Unsere Stadtgeschichte

In diesem Projekt des Stadtjugendring Stuttgart e.V. gestalten Teilnehmende gemeinsam und einzeln Bildungsangebote zur nationalsozialistischen Stadtgeschichte von Stuttgart. Es werden Freiräume geschaffen, eigene Konzepte zu entwickeln und nachhaltig anzubieten. 

 

 

Multi-peRSPEKTif

Erinnern für die Zukunft e.V. unterstützt am Denkort Bunker Valentin Teilhabe für Menschen mit stark unterschiedlichen Prägungen. Im Rahmen dieses Projekts werden Multiplikator*innen mit Flucht- oder Migrationserfahrungen ausgebildet und Exkursionen mit ihnen durchgeführt. Durch Erarbeitung eigener historisch-politischer Bildungsangebote soll eine längerfristige Mitarbeit in der Bildung vor Ort ermöglicht werden. 

 

 

Lebensspuren: Meine.Eure.Unsere 

In dem Projekt der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V. in Pirna werden Menschen zur regionalen Geschichte des Nationalsozialismus ausgebildet. Aus der Arbeit entsteht ein Handbuch zur Vermittlung dieser Geschichten. Im Laufe des Projekts wird außerdem ein Fachtag organisiert, der einen Austausch mit Lokalhistoriker*innen und anderen Multiplikator*innen ermöglicht. 

 

Bildung in Buchenwald: Gemeinsam Gestalten

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora bildet durch eine partizipative Erarbeitung eines neuen Bildungsmaterials für die Gedenkstätte eine Gruppe von Personen als Multiplikator*innen aus. Es ist vorgesehen, dass Teilnehmende einen Audiowalk in verschiedenen Sprachen herstellen, der Besucher auf neu kontextualisierte Art durch die Gedenkstätte führt.

 

 

Manara – Leuchturm 

Der Verein Inssan e.V. in Berlin wird eine Gruppe von Personen mit Flucht- oder Migrationserfahrung als Multiplikator*innen ausbilden., Durch partizipative Projektgestaltung wird es möglich, eigene Bildungsangebote zu erproben. Als Teil der Schulungen wird eine Bildungsreise zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald geplant und das Anne Frank Zentrum in Berlin besucht.

Pilotprojekte

Gemeinschafts-Dialoge in Groß Glienicke

Der Fokus dieses Bildungsangebots des Alexander Haus e.V. liegt auf der Entwicklung von Dialogprojekten mit Geflüchteten und schon länger vor Ort lebenden Menschen. In Workshops werden Gespräche über die Geschichten der Menschen und der Geschichte der Heimatländer aller Beteiligten angeregt. Dabei entsteht ein neues Dialogformat im Sinne des Community Dialogue. Für die Dokumentation der Prozesse und als Vernetzungsplattform für ähnliche Projekte entsteht eine Webseite.

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Geschichten in Bewegung: Erinnerungspraktiken, Geschichtskulturen und historisches Lernen in der deutschen Migrationsgesellschaft

Durch das Projekt wird der geschichtskulturelle Wandel in der deutschen Migrationsgesellschaft empirisch untersucht. Es wird der Frage nachgegangen, was kollektiv wichtige Vergangenheit angesichts der Diversität in der deutschen Migrationsgesellschaft bedeutet und wie Institutionen auf die Pluralisierung historischer Sinnbildung reagieren. In vier Teilprojekten werden Orte, Formen, Inhalte und die Perspektiven von Akteur*innen historischer Bildung untersucht. In einem Auftaktsymposium, drei Werkstätten und einer Abschlusstagung wird der nötige Diskursraum zur Untersuchung der oben geschilderten Frage geschafft. Zudem wird ein Handbuch zum Historischen Lernen in der Migrationsgesellschaft konzipiert und herausgegeben.

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Bildungsmaterialien Verflechtungsgeschichte

Mit Erkenntnissen aus der Globalgeschichte und zur Verflechtungs- und Beziehungsgeschichte werden Bezüge zu unserer weltweit vernetzten Gegenwart sichtbar. Die Stiftung EVZ fördert die Erstellung von Bildungsmaterialien zur Verflechtung der Geschichte des Nationalsozialismus mit der Geschichte anderer Unrechts- und Gewalterfahrungen, die in der deutschen Erinnerungskultur bisher marginalisiert werden.

 

 

Rassismen in Kolonialismus und Nationalsozialismus. Formen – Funktionen – Folgen

Im März 2016 begann die Entwicklung eines praxisorientierten Materials in einer Kooperation der Universität Hamburg mit der Gedenkstätte Neuengamme und der Universität Augsburg. Das Online-Bildungsportal befasst sich aus verflechtungsgeschichtlicher Perspektive mit Rassismen in Kolonialismus und Nationalsozialismus. Dabei verfolgt das Projekt zwei verschiedene Themenstränge. Zum einen fragt es exemplarisch nach Strukturen und Funktionen kolonialer Machtausübung sowie kolonialen Elementen der NS-Besatzungspolitik in Osteuropa. Zum anderen werden anhand von Biografien Verbindungen und Lebenswege von Akteuren aus ehemaligen Kolonien und ihren Nachkommen nachgezeichnet. Zudem befasst sich das Material auch mit Frage der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus nach 1945, insbesondere inwiefern rassistisches Denken bis in die Gegenwart unsere Gesellschaft prägt.

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Fluchtpunkte. Bewegte Lebensgeschichten zwischen Europa und Nahost

Fluchtpunkte stellt sieben exemplarische Lebensgeschichten mit Flucht- und Migrationserfahrungen vor, welche die Verflechtungen der deutschen und österreichischen Geschichte mit der Geschichte des Nahen Ostens sichtbar und besprechbar machen. Die Biographien werden durch sechs Lernmodule didaktisch erschlossen und ermöglichen die Diskussion über geschichtliche und politische Prozesse, Identitätsbilder und unterschiedliche Narrative. Das Material ermöglicht Bildungsarbeit zu den Themen Flucht und Migration sowie Antisemitismus und Rassismus im Kontext der Geschichte des Nationalsozialismus und unter Berücksichtigung der Folgen historischer europäischer (Nahost-)Politik.

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"Reise in die Moderne" - Deutsch- türkisch- osmanische Begegnungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ausgehend von den Themen „Reisen“ und „Begegnungen“, erschließt das Projekt die deutsch-osmanisch-türkische Geschichte. Der Ansatz der Verflechtungsgeschichte dient dazu, einen multiperspektivischen Blick auf die politischen, sozialen und kulturellen Lebenswelten während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu richten und damit nationalgeschichtliche Narrative aufzubrechen. Dargestellt werden die Inhalte durch eine interaktive Karte von Deutschland und dem Gebiet des Osmanischen Reiches, auf welcher man unterschiedliche Orte auswählen kann – enthalten sind Information über die Personen und Orte, außerdem werden Reise- und Lebenswege nachgezeichnet. 

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Übersicht der Projekte

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Kontakt

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Magdalena Lovrić
Projektkoordination
history(at)stiftung-evz.de