Historisch-politische Bildung in der digitalen Gesellschaft

Historisch-politische Bildung findet zunehmend in digitalen Kontexten statt. Die Stiftung EVZ fördert innovative Formate, von denen neue Impulse ausgehen und welche durch die Nutzung medialer Entwicklungen ihre Potentiale voll entfalten.

Online-Archiv: "Zwangsarbeit 1939-1945"

Das Interview-Archiv für Bildung und Wissenschaft "Zwangsarbeit 1939-1945" erinnert an über zwanzig Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland arbeiten mussten. Knapp 600 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 26 Ländern erzählen ihre Lebensgeschichte in ausführlichen Audio- und Video-Interviews.
Im Online-Archiv können nach einer Anmeldung die vollständigen Interviews durchsucht und angehört werden. Dazu gibt es Transkripte, Übersetzungen, Fotos und Kurzbiografien. Die Interviews auf 25 verschiedenen Sprachen sind auch auf Englisch, Russisch und Tschechisch zugänglich.

Online-Lernumgebung: Lernen mit Interviews

Die Online-Lernumgebung „Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939–1945“ wurde in deutscher und tschechischer Sprache 2016 vorgestellt. In Kooperation mit dem Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin (CeDiS) und der NGO „Živá paměť“ in Prag wurde ein kompetenzorientiertes Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren entwickelt.
Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten von sieben ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeitern unterschiedlicher Opfergruppen. Sie berichten von ihrer Kindheit, ihren Familien, ihren Erfahrungen in Lagern und Fabriken und dem Verhalten der Deutschen sowie ihrem Leben nach 1945. In der tschechischen Sprachversion berichten sieben ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Tschechien über den Zweiten Weltkrieg, die NS-Zwangsarbeit und die Nachkriegszeit.
Transkripte und Übersetzungen, Navigation und Aufgaben, Arbeitsfenster und Portfolio-Funktion
erlauben ein forschendes Lernen im Regelunterricht, bei Projekttagen und Präsentations- prüfungen. „Lernen mit Interviews“ läuft auf Smartphones, Tablets, Computern und Whiteboards. 

Ausgewählte Projekte

Die "Gerechten unter den Völkern" in Yad Vashem

Informationen über Menschen, die sich mit persönlichem Risiko für die Rettung von nationalsozialistisch verfolgten Juden eingesetzt haben, werden seit 1962 systematisch im Spezial-Archiv „Gerechte unter den Völkern“ der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem gesammelt und dokumentiert. Seit 2012 unterstützt die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ die Digitalisierung des Archivbestandes über „Gerechte“ aus Polen und aus Deutschland. Es dient der Bewahrung und weltweiten Nutzung eines einzigartigen Bestandes. 

4000 Akten, die Auskunft über 6.300 polnische und 500 deutsche Gerechte geben, wurden digitalisiert, in einer Online-Plattform erfasst und veröffentlicht. Das Archiv trägt zur Erinnerung an den Holocaust bei, besonders an den Mut der Retter. Es steht unter dem Motto: „Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt".

 

 

Zwangsarbeit im NS-Staat

Das Portal "Zwangsarbeit im NS-Staat" bietet umfassende Recherchemöglichkeiten zum Thema Zwangsarbeit und richtet sich an ehemalige ZwangsarbeiterInnen, an die interessierte Öffentlichkeit und an die Wissenschaft. Das Portal ist gefördert durch die Stiftung EVZ und wurde vom Bundesarchiv in Zusammenarbeit mit zahlreichen archivischen Einrichtungen im In- und Ausland umgesetzt. Das digitale Archiv enthält Informationen zu rund 3.800 Lagern und Haftstätten, die Nutzungsdauer als Haftorte für ZwangsarbeiterInnen, die geografische Lage sowie Literatur- und Quellenangaben. Mit der Archiv-Suchfunktion können Archive lokalisiert werden, die in ihrem Bestand Materialien zur NS-Zwangsarbeit haben. Im Webportal können ausgewählte Dokumente, Fotos und biographische Zeugnisse eingesehen werden.

 

 

Mit Stempel und Unterschrift

Das Web-Portal "Mit Stempel und Unterschrift" erschließt 30 historische Dokumente der NS-Zwangsarbeit und Entschädigungspraxis zwischen 1945 und 2003. Die Dokumente stammen aus drei Phasen: Nationalsozialismus, frühe Nachkriegszeit und die späten Jahre der Entschädigungen.
Die Seite ordnet die Quellen in den jeweiligen Kontext ein, erörtert Details, wirft Fragen auf. Durch die Kombination von Online- Werkzeugen mit bewährten Hilfsmitteln wie Handouts und Arbeitsaufträgen ist das Web-Portal ebenso für die Gruppenarbeit wie für das Selbststudium geeignet und wendet sich besonders an SchülerInnen, Studierende und Lehrende.

 

 

Lernen aus der Geschichte

Das mehrsprachig angelegte Web-Portal "Lernen aus der Geschichte" wird durch den Verein Agentur für Bildung - Geschichte, Politik und Medien e.V. realisiert. Es stellt inhaltliche und methodische Ressourcen für den Unterricht an Schulen sowie für die Projektarbeit zur Geschichte des 20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Holocaust und Nationalsozialismus bereit.

In einer Projektdatenbank können zahlreiche ausführlich dokumentierte Praxisbeispiele aus der historisch-politischen Bildung eingesehen werden. Darüber hinaus wird eine Online-Beratung durch Expertinnen und Experten, Informationen zur Projektförderung sowie ein wöchentlicher Newsletter angeboten.

 

 

Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland

Die Datenbank „Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland“ ist seit 2015 online und bietet ein bundesweites Verzeichnis der Standorte von Gräbern und entsprechenden Erinnerungsorten der ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und gefallenen Soldaten in Deutschland. Die Dokumentation wurde vom Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, gemeinsam mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Russischen Botschaft und mit Unterstützung vieler Menschen erarbeitet. Auf der Webseite können Sie zwischen der deutschen und russischen Sprachversion wechseln.

Ansprechpartner

Malte Switkes vel Wittels

Projektkoordination

switkes(at)stiftung-evz.de

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-37

Fax: +49 (0)30 25 92 97-11