digital // memory

Wie haltbar ist unser erinnerungskultureller Konsens? Brauchen wir neue Ansätze des Erinnerns? Wie verändern die Neuen Medien unser Bild von der Vergangenheit? Die Stiftung EVZ geht diesen Fragen im Förderprogramm „digital // memory“ nach, mit dem sie die Entwicklung und Erprobung digitaler Formate in der historisch-politischen Bildung ermöglicht.

Wir möchten vielfältige Zugänge zur Geschichte des Nationalsozialismus fördern und dabei zur kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und ihren Konsequenzen anregen. Wir unterstützen Projekte, die Lern- und Kommunikationswelten der modernen Informationsgesellschaft nutzen und dadurch die Demokratie stärken.

Beim Begleit- und Vernetzungsprogramm der geförderten Projekte kooperieren wir mit dem iRights.Lab.

Geförderte Projekte

Osrodek »Brama Grodzka – Teatr NN« w Lublinie (Lublin, Polen)

Webdokumentation und Online-Kampagne: Polnisch-jüdisch-deutscher Dialog
Eine Online-Kampagne zum polnisch-jüdisch-deutschen Dialog veröffentlicht wöchentlich Beiträge mit dem Hashtag #DifficultQuestions. Grundlage dazu ist eine Webdokumentation, die in der historisch-politischen Bildung eingesetzt wird und digitale Tools und Techniken mit historischen Orten sowie lokalen historischen Erfahrungen verknüpft. Dazu werden Personen interviewt, die interkulturell und transnational arbeiten und sich mit erinnerungspolitischen Fragen auseinandersetzen. Leitfragen sind: Wie war das Verhältnis zwischen Pol*innen, Jüdinnen und Juden sowie Deutschen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg? Wie tragfähig ist unser Konsens der Gedenkkultur? Was ist mit denen, die diesen Konsens nicht akzeptieren? Ein wichtiges Element dieser Debatte ist die Konzentration auf die Geschichte des Nationalsozialismus und auf zeitgenössische Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Hate Speech, Antisemitismus).
 

Fundacja Zapomniane (Warschau, Polen)

Handwerk, Bits & Bytes: Partizipatives Erinnern durch codebasiertes Markieren lokaler Gedenkorte
Das Projekt möchte im ländlichen Raum mit Jugendlichen arbeiten und plant den Prototyp eines interaktiven Werkzeugs, das eine Erstellung von lokalen Denkmälern ermöglicht. Damit sollen Daten aus einer schon vorhandenen Datenbank verarbeitet und Druckformen entworfen werden, die dann mit Laser oder in 3-D-Technik gedruckt werden, abhängig von den vor Ort vorhandenen Materialien. Das ermöglicht, personalisierte und maßgeschneiderte Erinnerungsorte anzufertigen. Der Prototyp soll in fünf Workshops erprobt und verbessert werden. Den Projektabschluss bildet eine internationale Veranstaltung in Warschau, bei der sich Historiker*innen und Pädagog*innen über den Einsatz von modernen Technologien bei der Geschichtsvermittlung austauschen und gemeinsam auch praktisch experimentieren.

 

Stiftung Bayerische Gedenkstätten | KZ-Gedenkstätte Dachau (Dachau, Deutschland)

Augmented-Reality-App »ARt«: Zeichnerische Zugänge zur Lebenswelt von Häftlingen des KZ Dachau

Das Projekt »ARt« möchte den Besucher*innen der KZ-Gedenkstätte Dachau Zeichnungen von Häftlingen in einer Augmented-Reality-App präsentieren. Die Gedenkstätte verfügt über Aquarelle und Kohleskizzen, die den Besucher*innen bisher nur selten in Sonderausstellungen zugänglich sind. Die App wird es den Besucher*innen während der Erkundung des Gedenkstättengeländes ermöglichen, über das eigene Smartphone Zeichnungen am jeweiligen Standort in die Realität zu projizieren und dazu weitere mediale Angebote, wie zum Beispiel die entsprechenden Erinnerungen von Häftlingen als Hintergrundinformationen zu erhalten. Damit werden die Besucher*innen in die Lage versetzt, Kunstwerke zu sehen, die ansonsten im Verborgenen bleiben. Sie können selbstständig Wissen über das KZ-System gewinnen und erwerben Medienkompetenzen.

»ARt« verfolgt einen multiperspektivischen Ansatz, der das historische Verständnis über die Heterogenität der Häftlingsgesellschaft fördert und einen Bezug zum Thema gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Gegenwart schafft.

 

Museen der Stadt Nürnberg | Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (Nürnberg, Deutschland)

Vom Prototyp zur ersten Anwenderversion: Das Serious Game »Behind the Scenes: Nuremberg '34«

Die Entwicklung des Serious Game »Behind the Scenes: Nuremberg '34« stellt als digitales Vermittlungsformat einen zentralen Baustein in der Neukonzeption des Museums des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg dar. Es fungiert gleichermaßen als Bindeglied zwischen etablierten Formaten historisch-politischer Bildung und kreativ-technischem Innovationspotenzial. Die Entwicklung des Prototyps, der im Herbst des 2020 erprobt und evaluiert wurde, förderte die Stiftung EVZ bereits 2019/20. Das Spiel ermöglicht innovative und multiperspektivische Zugänge zu den Geschehnissen des Reichsparteitags 1934. Durch Erkundung und Interaktion wird das historische Ereignis erfahrbar, individuell und gegenwartsbezogen. Mit der weiteren Förderung des Projekts soll der Prototyp in eine Anwenderversion ausgebaut und in Form von Tablet-Stationen dauerhaft in das Museum integriert werden.

 

Stiftung Digitale Spielekultur (Berlin, Deutschland)

Durchführung einer Konferenz zu neuen Formen der Erinnerungskultur mit digitalen Spielen
Die Stiftung Digitale Spielekultur plant die Tagung »Neue Formen der Erinnerungskultur mit digitalen Spielen«, die sich dem kollektiven Erinnern als partizipativem Prozess widmet. Ein Einstiegspanel am Vormittag soll neben Anforderungen und Herausforderungen, mit denen Akteur*innen der Erinnerungskultur konfrontiert sind, vor allem Chancen spielbasierter Formate aufzeigen. Um Einblick in die Praxis zu geben, werden im Anschluss mehrere sog. »Spielungen« veranstaltet, in deren Rahmen Spiele vorgestellt werden, die bereits einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten. In Anlehnung an die klassische Lesung spielen bei diesem Format der*die jeweilige Spielentwickler*in und ein*e Historiker*in ihr Spiel live auf der Bühne und erörtern es hinsichtlich pädagogisch-didaktischer Potenziale für die Erinnerungskultur. Der Abschluss der Tagung legt den Schwerpunkt auf die Vernetzung der Akteur*innen.

AMCHA e.V. (Berlin, Deutschland)

Leben nach dem Überleben: Entwicklung eines webbasierten Serious Games zu Trauma und Erinnerung an die Shoah
Im Rahmen des Projekts wird ein Serious Game für die schulische und außerschulische Bildung entwickelt. Dabei werden psychosoziale Erfahrungen in die pädagogische Arbeit einbezogen und somit faktenbasierte und emotionale Ansätze der Geschichtsvermittlung kombiniert. Ausgangspunkt ist die Dokumentation »Leben nach dem Überleben« der Fotografin Helena Schätzle. In Form von Interviews, Fotografien, Zitaten, Fakten, Ton, Musik und Filmen wird der Akteur im Serious Game emotional an das Thema Holocaust und seine traumatischen Auswirkungen über Generationen hinweg herangeführt. Eine eigene Game Art wird entlang der pädagogischen Bedürfnisse entwickelt. Über Aufgaben tauchen die Nutzer*innen tiefer in die Geschichte der Überlebenden und ihrer Nachkommen ein.

 

Arolsen Archives (Bad Arolsen, Deutschland)

Murmeln der Erinnerung: Entwicklung eines Chatbots über das Schicksal jüdischer Kinder in Berlin 1933–1945
Das Projekt entwickelt auf Basis des Messenger-Services WhatsApp einen neuen digitalen Beitrag zur Erinnerungskultur: Ein primär an Schüler*innen gerichteter Chatbot bietet zweisprachig (DE/EN) eine niedrigschwellige Kombination aus historischem Lernen und aktivem Erinnern. Im Fokus stehen die Geschichten von jüdischen Kindern in Berlin während der NS-Zeit. Über drei Zugänge erhalten Nutzer*innen bei ihrer Bewegung durch Berlin GPS-basiert multimediale Informationen auf ihre Smartphones. Perspektivisch kann das Projekt auf andere Städte und Verfolgtengruppen ausgedehnt werden.

 

RomaniPhen e.V. (Berlin, Deutschland)

Keeping the Memory: Entwicklung einer Lernapp zum Berliner Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas
Das Projektteam entwickelt eine deutsch- und romanessprachige App mit interaktiver Karte, Bild-, Audio- und Videomaterial, die das Berliner Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas ergänzt. Bisher existiert dort keine Begleitausstellung und an den umgebenden Glaswänden sind nur wenig Informationen verfügbar. Das Wissen über den Genozid, der an Rom*nja und Sinti*zze begangen wurde, ist gesellschaftlich bisher nur marginal verbreitet. Noch weniger ist die Geschichte der Bürger*innenrechtsbewegung und deren jahrelangen Engagements für die Anerkennung des Genozids und für die Errichtung des Denkmals bekannt. Mit der Entwicklung der App soll dieses Wissen einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar gemacht und auch die Stimmen der Nachkommen in das Geschichtsnarrativ aufgenommen werden.

Ausschreibung bis zum 22. Februar 2021

Ausschreibung

Skizzenformular

 

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Kontakt:

Malte Switkes vel Wittels

Projektkoordination

digital.memory(at)stiftung-evz.de

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-37
Fax: +49 (0)30 25 92 97-11

 

Leonore Martin

Projektkoordination

digital.memory(at)stiftung-evz.de

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-45
Fax: +49 (0)30 25 92 97-11