Vergangenheit, die nicht vergeht
Für die meisten Menschen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben und die trotz allem überlebten, war es nach 1945 nicht möglich, in ihr altes Leben zurückzukehren. Viele ehemalige NS-Zwangsarbeiter, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren, ehemalige Kriegsgefangene und die wenigen Menschen, die die Konzentrationslager überlebten, mussten sich mühsam eine neue Existenz aufbauen. Ihre gesamten Lebenswege wurden von den bitteren Erfahrungen dieser Jahre überschattet und verändert. NS-Opfer aus der ehemaligen Sowjetunion erlebten nach der Rückkehr in ihre Heimat nicht selten erneute Verfolgung und Repression.
Bis heute, mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, leiden viele Opfer des NS-Regimes noch immer an den Folgen von Misshandlungen und Folter. Zudem steht am Ende ihrer schweren Leben oft große Armut. Insbesondere in Mittel- und Osteuropa fehlen den Menschen die Mittel für eine gesundheitliche Betreuung oder hauswirtschaftliche Hilfe. Viele berichten von Traumatisierungen und sozialer Isolation.
Hinzu kommt, dass das soziale Netz von Verwandten und Freunden, das in der Shoah nahezu vollständig zerrissen wurde, später kaum neu geknüpft werden konnte. Viele der Überlebenden heirateten nicht mehr und ein Großteil der Frauen blieb kinderlos. Aufgrund der niedrigeren Lebenserwartung von Männern sind heute mehr als 70 Prozent der Überlebenden allein stehende Frauen.
Über 13 Millionen NS-Zwangarbeiter
Zwischen 1939 und 1945 mussten in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten schätzungsweise über 13 Millionen Menschen unfreiwillig Arbeit verrichten, unter Androhung von Strafen bis zu Gewalt und Tod - Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zivilisten der besetzten Gebiete.
Vor allem in Osteuropa wurden Menschen in Razzien zusammengetrieben und in Zwangsarbeiterlager verschleppt, darunter auch viele Jugendliche und Kinder. In den Zwangsabreiterlagern, oft Barackenlager, die von Stacheldraht eingezäunt waren, hausten sie unter notdürftigen Bedingungen.
Zwangsarbeiter aus Osteuropa wurden von den Nationalsozialisten mit dem „Ostarbeitererlass“ weitgehend entrechtet, bei Zuwiderhandlungen drohten Gewalt und teilweise die Todesstrafe. Das galt auch für sowjetische Kriegsgefangene in den Internierungslagern, wo sie zu Schwerstarbeit gezwungen wurden.
Die Zwangsarbeiter sollten fehlende deutsche Arbeitskräfte ersetzen. Sie wurden zu Arbeiten in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in der Industrie und in der Verwaltung eingesetzt. Insbesondere die Rüstungsindustrie bediente sich ihrer, um die Kriegsproduktion aufrecht zu erhalten. Aber auch öffentliche Institutionen und Privatpersonen konnten Zwangsarbeiter zur Unterstützung anfordern. Für sie galt kein Arbeitsschutz, sie mussten schwere Arbeiten verrichten und waren den Bombardierungen und Angriffen schutzlos ausgesetzt.
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