Treffpunkt Dialog
Die in den Ländern Osteuropas lebenden NS-Verfolgten, Opfer von rassischer Erniedrigung, Zwangsarbeit und menschenverachtender Kriegsgefangenschaft, stoßen in ihrer Heimat zum Teil bis heute auf Unverständnis oder sogar Ablehnung. Die Anerkennung ihrer Lebenswege gestaltet sich nach wie vor schwierig; nicht zuletzt wirkt das stalinsche Stigma des Vaterlandsverrats nach, das viele von ihnen seinerzeit aus dem besiegten Deutschland direkt in das sowjetische Lagersystem geführt hatte.
Das Förderprogramm Treffpunkt Dialog der Stiftung EVZ richtet sich an Organisationen in Belarus, Russland und der Ukraine, die sich für die Verbesserung der Lebenssituation solcher Menschen in ihrem Land engagieren. Ziel des Programms ist es, zur gesellschaftlichen Anerkennung der NS-Opfer sowie der Opfer des Stalinismus beizutragen und ihre Lebensleistung zu würdigen.
PARTNERSCHAFTEN FÜR OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS
Das Leben der im Nationalsozialismus Verfolgten ist jedoch nicht nur im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Situation schwierig: So können die im Alter häufig stärker werdenden Erinnerungen bei Menschen, die Opfer des NS-Regimes geworden sind, zu Retraumatisierungen führen. Ein sensibles Thema, dem besonders in der Altenpflege mehr Beachtung gebührt. Notwendig ist hier vor allem die Aufklärung des Pflegepersonals über die möglichen Folgen der NS-Verfolgung.
Mit dem Programm PSYCHOSOZIALE UND MEDIZINISCHE BETREUUNG VON EHEMALIGEN NS-OPFERN konnte die Stiftung EVZ bis zum Jahr 2009 mit fast 40 Projekten rund 9.000 ehemaligen NS-Verfolgten in acht Ländern helfen. Neben der Sensibilisierung der Pflegekräfte in den Altenheimen war auch das Gespräch mit den jüngeren Generationen wichtig. Viele der Opfer von Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit haben kaum über das Erlebte gesprochen. Stellen sie sich diesem Dialog, hilft ihnen das nicht nur bei der Verarbeitung des Erlebten - sie bekommen auch das Gefühl, aktiv dazu beizutragen, dass derartiges nicht noch einmal passiert.
Im Programm INTERNATIONALE PARTNERSCHAFTEN DER ALTENHILFE förderte die Stiftung bis 2009 mit rund 70 Projekten die internationale Zusammenarbeit zur Betreuung und Versorgung älterer Menschen. Es richtete sich an gemeinnützige Vereine und Initiativen, die sich mit Partnern in Mittel- und Osteuropa oder Israel für die Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen, insbesondere ehemaliger NS-Opfer, engagieren.
Im Rahmen des Programms PARTNERSCHAFTEN FÜR NS-OPFER fördert die Stiftung weiterhin ausgewählte Projekte, die auf die spezifischen Bedürfnisse traumatisierter NS-Opfer ausgerichtet sind, aber auch über diese Zielgruppe hinaus in den Projektländern Modellcharakter haben für eine würdevolle Betreuung alter Menschen.
Begegnungsprogramme
Für die Stiftung EVZ gehört der Dialog mit den Zeitzeugen zu den wichtigsten Schwerpunkten ihrer Arbeit. Mit ihren internationalen Begegnungsprogrammen will die Stiftung dazu beitragen, die Erinnerungen an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts wach zu halten. Seit 2002 wurden insgesamt mehr als 500 Projekte gefördert. Damit konnten über 3.200 Überlebende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nach Deutschland reisen, um an Gedenkveranstaltungen und Zeitzeugengesprächen teilzunehmen.
Die Stiftung EVZ fördert aber auch Reisekosten, um Begegnungen an den Wohnorten der Zeitzeugen zu ermöglichen. „Einige der mittlerweile hoch betagten Zeitzeugen können nicht mehr reisen. Und so organisiert die Stiftung Reisen mit Jugendlichen in die Ukraine, Belarus oder Russland“, erklärt Dr. Martin Salm, Vorstandsvorsitzender der Stiftung EVZ.
Studie
In einer von der Stiftung EVZ in Auftrag gegebenen Studie beschreibt die Autorin Sabine Erdmann-Kutnevic die Entwicklung der Sozialsysteme in drei osteuropäischen Ländern seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Studie ist 2006 erschienen und trägt den Titel "Die Situation von älteren Menschen in Belarus, Russland und der Ukraine".