Zweiter europäischer Roma-Gipfel

Am 8. und 9. April 2010 hat im spanischen Córdoba der zweite europäische Gipfel zur Roma-Inklusion stattgefunden. Eingeladen waren Repräsentanten von EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten, internationale Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure sowie Vertreter der Roma-Minderheit. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung oblag der spanischen Regierung, die am 1. Januar 2010 die europäische Ratspräsidentschaft übernommen hat. Das Eröffnungsdatum des Gipfels wurde auf den Internationalen Tag der Roma gelegt, der seit 1990 an das erste wichtige Treffen internationaler Roma-Vertreter in Chelsfield (7.-12. April 1971) erinnert.

Nach wie vor stellen Sinti und Roma nicht nur die größte, sondern auch die am stärksten diskriminierte Minderheit in Europa dar. Vielerorts ist ihre Situation bestimmt durch Armut, Chancenlosigkeit und soziale Isolation. Im Zuge der tiefgreifenden Umbrüche in Mittel- und Osteuropa haben Populisten und nationalistische Gruppierungen die Roma verstärkt ins Visier ihrer auf Stereotypen und Vorurteilen basierenden Kampagnen genommen. Alarmierend ist vor allem die Zunahme von rassistisch motivierten Übergriffen, die zuletzt immer wieder auch Todesopfer gefordert haben.

Schwerpunkte des Gipfels

Beim diesjährigen, zweiten Roma-Gipfel in Córdoba ging es zunächst darum, eine Bestandsaufnahme der europäischen und nationalen Roma-Politik zu leisten und diese vor dem Hintergrund der aktuellen Situation der Minderheit sowie der jüngeren Entwicklungen zu bewerten. Im zweiten Schritt wurde darüber gesprochen, die Effektivität dieser politischen Anstrengungen zu erhöhen und die Verzahnung mit nichtstaatlichen Initiativen zu verbessern. Im Detail ging es in den  Diskussionsrunden und Arbeitsgruppen um folgende Aspekte, die auf den im Juni 2009 verabschiedeten Common Basic Principles on Roma Inclusion basieren:

  • Allgemeine Anforderungen an die Roma-Politik
  • Gender und Diskriminierung: Die Situation der Roma-Frauen
  • Wirksamkeit von EU-Instrumenten auf lokaler Ebene verbessern
  • Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement für Roma
  • Gesundheitswesen und andere Fragen der sozialen Ungleichheit

Die Stiftung EVZ und das Forum for Roma Inclusion

Das Forum for Roma Inclusion, eine Interessengruppe im Europäischen Stiftungsverband (European Foundation Centre, EFC), wurde am 18. September 2009 bei einem Treffen in den Räumen der Stiftung EVZ gegründet. Neben den Gründungsmitgliedern, den Stiftungen Freudenberg (Weinheim), Bernhard van Leer (Den Haag), ERSTE (Wien) und der Stiftung EVZ, waren auch einige Experten aus dem Bereich der Roma-Inklusion an der Ausarbeitung der Statuten und Ziele des Forums beteiligt.

Die wichtigste Aufgabe des Forums besteht darin, in enger Zusammenarbeit mit europäischen Institutionen und Initiativen dazu beizutragen, die Common Basic Principles on Roma Inclusion weiterzuentwickeln und mit Leben zu füllen. Ferner sollen Veranstaltungen und andere Aktivitäten durchgeführt werden, die es Stiftungen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren ermöglichen, Strategien und wirksame Instrumente zur Überwindung der Diskriminierung von Roma zu identifizieren, um diese anschließend an die EU-Politik heranzutragen.

Im Vorfeld des 2. Roma-Gipfels hat das Forum for Roma Inclusion eine Reihe von Empfehlungen ausgearbeitet, die der spanischen Ratspräsidentschaft während des Roma-Gipfels in Córdoba vorgelegt wurden: From Principles to Action for the Inclusion of Roma in Europe (PDF).