Vom 8. bis zum 11. März 2011 wurde in Skopje ein Holocaustmahnmal eingeweiht. An jener Stelle in der Altstadt, wo früher Juden lebten, ist ein neues Gebäude entstanden, das museal die historische Linie vorstellt und an das tragische Ende der jüdischen Population erinnert. Die gut integrierten jüdischen Einwohner Mazedoniens waren mehrheitlich sephardische Flüchtlinge aus Spanien, denen das Osmanische Reich nach ihrer Vertreibung am Ende des 15. Jahrhunderts Zuflucht geboten hatte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Mazedonien von Bulgarien besetzt und die sephardische Gemeinschaft schließlich nach Treblinka ausgeliefert. Unvorstellbare 98 % der jüdischen Bevölkerung Mazedoniens starb in den Gaskammern, und niemand kehrte zurück. Nur einige wenige retteten sich durch rechtzeitige Auswanderung nach Palästina oder kämpften in den Partisanengruppen.
Wahrnehmung in Politik und Gesellschaft
Die Regierung des Nachfolgestaates der jugoslawischen Föderation hat in den letzten Jahren eine beispielhafte legislative Basis für die Restitution des jüdischen Eigentums ausgearbeitet und so entstand ein Fonds, aus dem die Erinnerung unterstützt wird. Aus diesen Mitteln wurde auch das Gebäude finanziert, in dem eine Dauerausstellung installiert ist und in dem auch Bildungsaktivitäten einen Platz finden werden. Die Einweihung wurde als eine große internationale Begegnung organisiert. Außer der politischen Spitze des Landes waren auch die Präsidenten der Nachbarstaaten Albanien und Montenegro, der stellvertretende Ministerpräsident Israels, Vertreter von jüdischen Organisationen, der Kirchen und religiösen Gemeinschaften sowie Diplomaten aus der ganzen Welt dabei.
Angebot an Nachbarstaaten
Neben einer Veranstaltung im Theater wurde die Erinnerung in den öffentlichen Raum gebracht. Drei Urnen mit Asche aus Treblinka wurden zuerst in den Städten gezeigt, in denen es große jüdische Gemeinden gab – neben Skopje waren es Štip und Bitola, wo auch Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen organisiert wurden. Die Urnen wurden schließlich im Mazedonischen Historischen Museum in Skopje ausgestellt und in einer feierlichen Prozession durch Skopje von Soldaten in das neue Gebäude gebracht. So wurde neben den Begegnungen mit internationalen Partnern auch die makedonische Öffentlichkeit erreicht – die Zeitungen berichteten umfassend. Diese Aktivität wird von der Regierung als ein Angebot an die Nachbarstaaten präsentiert, zum Holocaust in einer europäischen Dimension gemeinsame Ansätze zu finden. Dies wird jedoch insbesondere in der Beziehung zu Bulgarien keine leichte Aufgabe sein, da dort die Rettung der jüdischen Population zum nationalen Geschichtsnarrativ gehört – der allerdings jüdische Schicksale in den von Bulgarien besetzten Gebieten nicht beinhaltet.
Verfasser: Dr. Jaroslav Šonka (Studienleiter an der Europäischen Akademie Berlin)