Antisemitismus ist der Oberbegriff für das internationale Phänomen einer dauerhaften Feindschaft gegenüber Juden als Kollektiv und repräsentiert eine antimoderne Weltanschauung, die Juden für soziale, politische, religiöse und kulturelle Probleme verantwortlich macht. Er ist damit ein Teil von Xenophobie und Rassismus, geht aber in seiner Komplexität und Zielstellung auch darüber hinaus.
Die Stiftung EVZ orientiert sich an der Arbeitsdefinition des European Monitoring Center against Racism and Xenophobia (EUMC) von 2005, der Antisemitismus als eine bestimmte Wahrnehmung von Juden definiert, die sich als „Hass gegenüber Juden“ ausdrücken kann und sich „in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Personen sowie gegen jüdische Einrichtungen“ richtet. Ursachen, Begründungen, Ziele, Formen und Inhalte von Judenfeindschaft sind vielfältig und verändern sich in Reaktion auf gesellschaftliche Konfliktlagen und Interessen. Eine Spielart, bei der sich die Ablehnung gegen den Staat Israel und sein Existenzrecht richtet, ist der „Antizionismus“. Dieser kann, muss aber nicht antisemitische Elemente enthalten. Unter islamisch geprägten Jugendlichen stehen dabei der Nahost-Konflikt und die Feindschaft ihrer Heimatländer zu Israel im Mittelpunkt.
Die Stiftung EVZ sieht in der Auseinandersetzung mit allen Formen des Antisemitismus eine wichtige Aufgabe, um jüdisches Leben in Deutschland und ihren Zielländern zu fördern und die Demokratie zu schützen. Da Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Schichten anzutreffen ist, geht es darum, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen.
Die Stiftung EVZ fördert daher geeignete Projekte in unterschiedlichen Förderprogrammen. Dazu gehören die Entwicklung und Erprobung geeigneter Bildungskonzepte wie das multimediale Projekt "Gegen-Antisemitismus" des Lisum Berlin-Brandenburg und des Zentrums für Antisemitismusforschung, das den digita-Preis 2009 erhielt, oder innovativer Projekte in den Programmen Menschen Rechte Bilden und Geschichte(n) in Vielfalt. Jugendliche setzen sich im Programm Europeans for Peace grenzüberschreitend mit dem Holocaust, aber auch mit anderen historischen und aktuellen Formen von Antisemitismus auseinander. Schüler aus Deutschland können Überlebende des Holocaust aus Mittel- und Osteuropa oder Israel einladen und mit ihnen über das erlittene NS-Unrecht sprechen.
Die Wahrnehmung von Juden darf aber nicht auf ihre Verfolgungsgeschichte verkürzt werden. Die Stiftung EVZ fördert daher auch Projekte, die den Beitrag der jüdischen Kultur zur europäischen Geschichte und Gegenwart vermitteln, wie in den Programmen „Leo-Baeck“ und „memoria. Freiwillige für Europas Kulturerbe“, oder die dem Empowerment der jüdischen Gemeinschaften dienen, wie im Programm „Brückenschlag der Geschichte“. Ziel der Projekte ist es daher auch, demokratisches Handeln für die Zivilgesellschaft zu stärken und die Achtung der Menschenrechte zu fördern.
Nicht zuletzt engagiert sich die Stiftung EVZ mit ihrer internationalen Ausrichtung auch auf der politischen Ebene. Der Vorsitzende des Vorstandes, Dr. Martin Salm, wirkte bis Ende 2010 als Sprecher im Expertenkreises gegen Antisemitismus der Bundesregierung mit.