Internationale Wanderausstellung

20 Millionen Zwangsarbeiter aus ganz Europa

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland und den besetz­ten Ländern in unzäh­ligen Be­trie­ben, auf Baustellen und Bauernhöfen Zwangsarbeiter ausgebeutet. Sie sollten die zur Wehrmacht eingezogenen deutschen Arbeiter ersetzen und so die Aufrecht­erhaltung der Kriegsproduktion ermöglichen. Insgesamt wurden über 20 Millionen Männer, Frauen und selbst Kinder aus ganz Europa als "Fremd­arbeiter", Kriegs­gefangene oder KZ-Häft­linge zur Arbeit gezwungen. Die meisten dieser Menschen waren zuvor gewaltsam aus ihrer Heimat verschleppt worden.

Nach 1945 sollte es Jahrzehnte dauern, bis das europa­weite Unrecht als solches anerkannt wurde und die deutsche Gesellschaft sich zu ihrer Verantwortung bekann­te. In Ausübung ihres Auftrags, die NS-Zwangsarbeit zu dokumentieren, die Lebens­wege der Opfer zu würdi­gen und in der europäi­schen Erinnerung zu veran­kern, hat die Stif­tung EVZ die interna­tio­nale Wander­ausstellung "Zwangsarbeit. Die Deu­tschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg" initiiert und gefördert, die erstmals die gesam­te Geschich­te eines lange verdrängten und verschwiegenen Verbrechens erzählt.

Rassistische Gesellschaftsordnung

Die Zwangsarbeit hatte nicht nur eine wirtschaft­liche Funktion, sondern war als In­stru­ment von Ausgrenzung und Verfol­gung von Beginn an Teil der rassis­­tischen NS-Gesell­schafts­ordnung. Sie diente der Demü­tigung, mit zunehmender Radikali­sierung schlicht der physi­schen Vernich­tung ihrer Opfer. Vor allem jener, die der NS-Rassen­­ideologie als "Unter­­menschen" galten: Juden, Sinti und Roma, sowje­tische Kriegs­gefangene und "Ost­arbeiter". Sie mussten unter schlimmsten Bedin­gungen existieren, genossen keine Arbeits­schutz-Maßnahmen, wurden häufig misshand­elt und für geringste Vergehen bestraft.

Mit Beginn des Krieges wurde die Zwangs­arbeit zunehmend zu einem festen Be­stand­teil der deutschen Kriegs­führung und fügte sich in die totale Ausbeutung der be­setz­ten Länder. Im Spätsommer 1944 waren etwa ein Viertel der Arbeits­­kräfte in der deu­tschen Wirt­­schaft Zwangs­­arbeiter. Die Ausstellung präsentiert Exponate, Film- und Fo­to­­dokumente, die es ermö­gli­chen, das Ver­hältnis zwischen Deutschen und den Men­schen auszuloten, die nicht zur propagier­ten "Volksgemeinschaft" gehörten. Fall­bei­spiele zeigen: Ob Zwangs­arbeiter erniedrigt und misshandelt wurden oder ob sie ei­nem Rest von Mensch­lich­keit begegneten, hing auch vom Verhalten des Einzelnen ab.

Partner und Stationen

Die Ausstellung wurde von der Stiftung Gedenk­stätten Buchenwald und Mittel­bau-Dora erar­beitet und wird von der Stiftung EVZ mit 4 Millionen Euro gefördert. Schirmherr ist Bun­des­präsident Christian Wulff. Sie wurde erstmals im Jüdischen Museum Berlin gezeigt und soll nun an mehreren Stationen einem internationalen Publikum präsentiert wer­den. Am 22. Juni 2011, zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjet­union, wurde die Ausstellung im Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges in Moskau eröffnet und war dort bis zum 21. November zu sehen. Die nächste Station ist vom 18. März bis zum 30. September 2012 das Westfälische Landesmuseum für Industriekultur (Zeche Zollern) in Dortmund.

Kurzfilm: Zeitzeugeninterviews in der Ausstellung

Vorschaubild Video Zeitzeugen

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Länge: 2:45 Min.

Der Film bietet eine Kurzvorstellung der Ausstellung und erläutert, wie die Zeitzeugen-Interviews des Online-Archivs "Zwangsarbeit 1939-1945: Erinnerungen und Geschichte" in das Konzept einbezogen wurden. Mit einem Kommentar des Kurators Dr. Jens-Christian Wagner.

 

 

Weitere Informationen

Die Stationen

(1) 28.9.09-30.1.10
Jüdisches Museum Berlin

(2) 22.6.11-21.11.11
Zentralmuseum des Großen Vater­län­di­schen Krieges 1941-45 (Moskau)

(3) 18.3.2012-30.9.2012
LWL-Industrie­muse­um
Zeche Zollern
(Dortmund)

(4) Warschau (geplant)

Ansprechpartner

Judith Blum

Programmleitung

Tel.: +49 (30) 25 92 97-68
Fax: +49 (30) 25 92 97-11

luft@stiftung-evz.de