II. Seminar "Schriftzeugnisse und Theater"


Freitag, 15. Mai und Samstag, 16. Mai 2009
Villa Rosental
Humboldtstr. 1
04105 Leipzig

Schriftzeugnisse

Die schriftliche Hinterlassenschaft der Opfer des Nationalsozialismus umfasst ein breites Spektrum an Textsorten, angefangen von kurzen Notizen, Postkarten und Briefen über Tagebücher, Chroniken und Berichte bis hin zur autobiographischen Zeugnisliteratur. Sie sind Ausdruck von Selbstbehauptungs- und Überlebenswillen oder vom Drang, ja der Pflicht, die Verbrechen zu dokumentieren. Die Zeitspanne ihrer Entstehung reicht von der Verfolgungszeit und den direkten Nachkriegsjahren bis zu Erinnerungsberichten, die bis heute verfasst und veröffentlicht werden. Die Aufzeichnungen vermitteln Facetten persönlicher Verfolgungs-, Haft- und Leidensgeschichte. Im Kontext der Ereignisgeschichte verdeutlichen sie das historische Ausmaß nationalsozialistischer Rasse- und Mordpolitik ebenso wie die Ausbeutung und Verschleppung von über 13 Millionen Menschen, die zur Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft gezwungen wurden.

Gegenstand des Seminars

Das zweite Seminar der Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit methodischen Zugängen zu schriftlichen Zeugnissen von Opfern des Holocaust und der Zwangsarbeit, die in den Jahren der Verfolgung bzw. Haft und Verschleppung entstanden sind oder kurz danach. Einen Schwerpunkt bildet hier die von der Stiftung EVZ geförderte Quellenedition „Kinder über den Holocaust. Frühe Zeugnisse 1944-1948“, die vom Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, dem Jüdischen Historischen Institut Warschau und der Universität Leipzig herausgegeben wurde.
Methoden

Aus den unterschiedlichen Feldern der Textarbeit und der Theaterpädagogik werden methodische Ansätze vorgestellt, wie mit schriftlichen Zeugnissen in der schulischen und der außerschulischen Bildung gearbeitet werden kann. Die Archivpädagogik verfügt über ein umfangreiches Methodenrepertoire zu Recherchemöglichkeiten und quellenkritischer Textarbeit. Darüber hinaus leistete sie in den letzten Jahren Pionierarbeit in der Methodenentwicklung zum Thema Zwangsarbeit, das im schulischen Rahmen wie in der gesellschaftlichen Wahrnehmung erst langsam seit den Auseinandersetzungen um die Entschädigung aus dem Schattendasein tritt. Auch die Theaterpädagogik hält zunehmend Einzug in die Bildungsarbeit zur NS-Geschichte und dem Holocaust. Aneignungs- und Auseinandersetzungsformen mit dem historischen Thema beruhen hier auf Körperarbeit, Darstellung und Ausdruck, wodurch kognitive Verstehensprozesse nicht ausgeblendet, sondern unterstützt und erweitert werden sollen.

Theater

Anstoß für ein neues Projekt des Theaters der Jungen Welt, Leipzig gab die Quellenedition „Kinder über den Holocaust. Frühe Zeugnisse 1944-1948“. Die Zusammenstellung von 55 Protokollen dokumentiert Überlebensberichte jüdischer Kinder, die von der Jüdischen Historischen Kommission in Polen unmittelbar nach Beendigung der Kriegshandlungen interviewt wurden. Es sind die jüngsten Zeugen, die hier über den Holocaust erzählen. Ihre Berichte wurden im letzten Jahr zum ersten Mal veröffentlicht. Die Texte bilden die Grundlage der Theaterinszenierung, deren Generalprobe am Abend des ersten Seminartags für die Teilnehmer/innen auf dem Programm steht. In einer Kombination von Profi-Schauspielern und einer Gruppe von Jugendlichen wagt das Theater eine aktive Auseinandersetzung mit diesen Zeugnissen. Entstanden ist eine Collage, die Originaltexte mit den Fragen der Jugendlichen von heute verbindet.

Die Veranstaltung richtet sich bundesweit an Lehrkräfte, insbesondere der Fächer Deutsch, Geschichte und der Theater AGs, ebenso an Gedenkstättenmitarbeiter/innen und andere außerschulische Bildungsreferenten/innen sowie alle Interessierten. Nach einführenden wissenschaftlichen Vorträgen bilden die Arbeitsgruppen mit der Vermittlung und Erprobung von Methoden den Hauptteil des Programms.

Veranstaltungsort

Villa Rosental
Humboldtstr. 1
04105 Leipzig

Anreise

Vom Hauptbahnhof Leipzig den Tröndlingring entlang, rechts in die Pfaffendorfer Str. einbiegen, kurz darauf links in die Lortzingstr., die auf die Humboldtstr. 1 stößt; insgesamt 5 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof entfernt.

Hotel für die auswärtigen Teilnehmer/innen

Merseburgerhof
Merseburgerstr. 107
04177 Leipzig


Anmeldeschluss: 10. Mai 2009