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Der Hauptauftrag und wesentliche Zweck der Stiftung EVZ war die Auszahlung von humanitären Leistungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere Opfer des nationalsozialistischen Unrechts, die bestimmte Vermögens-, Versicherungs- und Personenschäden erlitten hatten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieben ehemalige Zwangsarbeiter von den Entschädigungsleistungen der Bundesrepublik weitgehend ausgenommen, da im Londoner Schuldenabkommen von 1953 die Regelung individueller Forderungen von ausländischen Staatsbürgern mit dem Abschluss eines Friedensvertrags verknüpft wurde.
Weitere wichtige Gründe waren, dass viele Opfer hinter dem Eisernen Vorhang und überwiegend in den Ländern der Sowjetunion lebten und sich deshalb erst nach 1989 Gehör verschaffen konnten. Auch galten in der Sowjetunion ehemalige Zwangsarbeiter nicht als Opfer, sondern lange Zeit als Kollaborateure. Nach dem Krieg gab es zudem in Deutschland – in der Bevölkerung, innerhalb der Bundesregierung und bei den Unternehmen – für Zwangsarbeit im Nationalsozialismus noch kein Unrechtsbewusstsein.
Für die deutschen Unternehmen brachte Mitte der 90er Jahre eine Welle von Einzel- und Sammelklagen aus dem Ausland den Anstoß, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Ein verändertes politisches Klima sowie der wachsende juristische Druck mündeten in die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft. Diese setzte sich zwei Ziele: Anerkennung des historischen Unrechts gegenüber den Opfern und Geschädigten sowie weitestgehender Rechtsfrieden, insbesondere in den Beziehungen mit den USA.
Mit der Gründung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im Jahr 2000 wurde eine Institution geschaffen, die im Auftrag der Stifter – des Bundes und der Wirtschaft – die Auszahlungen an die Opfer übernehmen sollte.
Fraglich blieb jedoch zunächst, ob die Betroffenen den gefundenen Kompromiss anerkennen würden: "Wir waren nicht sicher, ob man mit den relativ kleinen Beträgen, die man auszahlen konnte, das Leid tatsächlich ausgleichen konnte – gerade wenn man den späten Zeitpunkt der Auszahlung mit in Betracht zog", erklärt Dr. Manfred Gentz, ehemaliger Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft und Mitgründer der Stiftung EVZ. In zahlreichen Reaktionen der Betroffenen, in Briefen und Gesprächen zeigte sich aber, dass neben der Zahlung die Anerkennung des an ihnen begangenen Unrechts für viele Antragsteller von hoher Bedeutung war und maßgeblich zur Akzeptanz beitrug.
Gesetzlicher Auftrag und wesentlicher Gründungszweck der Stiftung EVZ war es, humanitäre Leistungen an solche Personen auszuzahlen, die während der Zeit des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden und auf diese Weise "Ausbeutung durch Arbeit" erlitten haben. Die finanziellen Mittel wurden über sieben internationale Partnerorganisationen zur Verfügung gestellt; diese waren es auch, die die Entgegennahme und Bearbeitung der Anträge übernahmen.
Darüber hinaus konnten bei den Partnerorganisationen der Stiftung EVZ Anträge auf Ausgleich von Vermögensschäden, darunter Versicherungsschäden, gestellt werden. Leistungsberechtigt waren ferner Personen, die von den "Sonstigen Personenschäden", wie sie im Stiftungsgesetz ausgeführt sind, betroffen waren.
Insbesondere für humanitäre Projekte zugunsten von Überlebenden des Holocaust und von Zwangsarbeit hat die Stiftung ferner in drei Sonderprogrammen Finanzmittel bereitgestellt.
Die Auszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere Opfer nationalsozialis-tischen Unrechts wurden im 1. Halbjahr 2007 abgeschlossen. 1,66 Millionen Menschen in fast 100 Ländern erhielten Zahlungen in Höhe von insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Leistungen, die mit dem Ende der Auszahlungen verfielen, wurden und werden von den ehemaligen Partnerorganisationen der Stiftung EVZ für humanitäre Projekte zugunsten der überlebenden Opfer verwendet.
Die Stiftung EVZ hat die Zahlen, Daten und Fakten zu den Auszahlungen nach NS-Zwangsarbeit, Versicherungs-, Personen- und Vermögensschäden aufgeschlüsselt.
Anlässlich des Abschlusses der Auszahlungen fand am 12. Juni 2007 eine offizielle Veranstaltung im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel statt.
Nach den Auszahlungen konzentriert sich die Stiftung EVZ nun auf ihre internationalen Förderaktivitäten mit den Schwerpunkten Auseinandersetzung mit der Geschichte, Handeln für Menschenrechte und Engagement für Opfer des Nationalsozialismus.
Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft - Informationen zu Verträgen, Leistungen sowie den an den Auszahlungen beteiligten Unternehmen