Förderprogramm

Zwangsarbeit und vergessene Opfer - Erinnern an nationalsozialistisches Unrecht

Der Stand der Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit ist in Europa nach wie vor sehr unterschiedlich. Es gibt zudem in Deutschland und den vom NS-Regime besetzten Ländern bzw. deren Nachfolgestaaten weitere Opfergruppen von NS-Unrecht, die noch keinen angemessenen Platz in der jeweiligen Erinnerungskultur haben. Diese werden in Deutschland häufig mit dem Begriff „vergessene“ NS-Opfer bezeichnet.


Wir unterstützen mit diesem Programm Projekte und Konferenzen, die einen multiperspektivischen Ansatz verfolgen und dadurch zur Entwicklung eines gemeinsamen  Geschichtsverständnisses in Europa beitragen.

Wir fördern:

1) Internationale Projekte, die sich mit der NS-Zwangsarbeit oder der Geschichte vergessener Opfergruppen auseinandersetzen und dazu beitragen, die Themen dauerhaft in den Erinnerungskulturen in Europa zu verankern.

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2) Internationale Konferenzen, die kontextübergreifend das Thema NS-Zwangsarbeit oder „vergessener NS-Opfergruppen“ behandeln.

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Wer kann gefördert werden?

Projektbewerbungen können u.a. von Bildungseinrichtungen, Museen, Gedenkstätten, Archiven, zivilgesellschaftlichen Initiativen, gemeinnützigen Organisationen und Geschichtswerkstätten eingereicht werden.

Kriterien und Standards

Die Projekte verfolgen einen multiperspektivischen Ansatz und tragen dadurch zur Entwicklung eines europäischen Geschichtsverständnisses bei.

Geförderte Projekte

Webdoku „Im Märkischen Sand“ 

Das Projekt beleuchtet am Beispiel einer brandenburgischen Kleinstadt das Schicksal der 650.000 ‚Italienischen Militärinternierten‘ (IMI) in Deutschland, die Aufarbeitung eines Kriegsverbrechens und den langen Prozess transnationaler Erinnerung in Deutschland und Italien. Im Märkischen Sand ist eine zweisprachige, interaktive Webdokumentation. In 18 thematischen und biografischen Gegenwartsepisoden wird das historische Ereignis aus heutiger Sicht dokumentiert. In einem Netz aus Interviews und Erfahrungsgeschichten kommen Zeitzeugen, Familienangehörige und verschiedene Akteure aus Deutschland und Italien zu Wort, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Zur Web-Doku

 

 

Filmdokumentation: „Gehörlose Opfer der Zwangssterilisationen und der ‚Euthanasie‘ in der NS-Zeit“

Der Dokumentarfilm zeigt die Lebensgeschichten von gehörlosen Opfern der Zwangssterilisationen und NS-„Euthanasie“. Im Film werden den namenlosen und weitgehend unbekannten Opfern und ihren Familien ein „Gesicht“, eine Lebensgeschichte, ein Platz in der Geschichte und damit ein Stück Würde zurückgegeben. Der Film wurde von der Bundesvereinigung für Kultur und Geschichte Gehörloser e. V. erarbeitet.

Zum Film

 

 

Film: „…dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“  

Der Dokumentarfilm der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.
in Kooperation mit der Österreichischen Lagergemeinschaft schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter Asozialer im Nationalsozialismus, anhand der Biografie von Maria Potrzeba.
Maria Potrzeba wurde vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu dem polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska zu haben. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Nach einem Verhör durch die Gestapo wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark eingeliefert. Die polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska und Josef Goryl wurden öffentlich gehängt.

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Konferenz „Archäologie und Gedächtnis. NS-Lagerstandorte erforschen, bewahren und vermitteln“, Archäologisches Landesmuseum Brandenburg an der Havel

Die Reste nationalsozialistischer Lager sind überall zu finden und insbesondere lokale Initiativen engagieren sich für deren Erhalt und historische Aufarbeitung. Die große Anzahl stellt sowohl die archäologische Forschung, als auch die Denkmalpflege vor große Herausforderungen. Auf der Konferenz im September 2015 diskutierten über 100 Fachleute aus sieben Nationen über den Umgang und mögliche Standards in der Behandlung nationalsozialistischer Hinterlassenschaften. Die Stiftung EVZ förderte die Teilnahme von Experten zum Thema NS-Zwangsarbeit.

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Konferenz „Medizin im besetzten Polen im Schatten des Nationalsozialismus“

Die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Universität Poznań organisierte dreitägige Konferenz „Medizin im besetzten Polen im Schatten des Nationalsozialismus“ im Oktober 2014 in Poznań richtete sich an einen internationalen Teilnehmerkreis: Historiker, Ärzte, Juristen, Theologen, Pädagogen, Forscher und persönlich Betroffene diskutierten historische Fragen, aber auch ethische Konsequenzen der modernen Medizin und Biologie. Im Mittelpunkt standen die Opfer nationalsozialistischer Krankenmorde im besetzten Polen – zum einen polnische Staatsbürger, die in psychiatrischen Anstalten und anderen Einrichtungen der Fürsorge lebten, zum anderen deutsche Patienten, die im Laufe des Krieges nach Pommern, in den Reichsgau Wartheland oder das Generalgouvernement deportiert wurden und dort in großer Zahl an Hunger und mangelnder Hygiene starben.

Zu den Tagungsbeiträgen

 

 

Internationale Konferenz „Beyond Camps and Forced Labour“ im Imperial War Museum, London

Auf der Konferenz im Januar 2015 diskutierten 100 Fachleute aus der Wissenschaft und aus Gedenkstätten in Europa, Nordamerika und Australien neuere Forschungsergebnisse zu Gruppen Überlebender nationalsozialistischer Verfolgung. Der Fokus der interdisziplinär angelegten Konferenz lag neben der Verfolgungsgeschichte auch auf der Nachgeschichte sowie Rezeption und dem gesellschaftlichen Umgang mit dem NS-Unrecht. Die Stiftung EVZ förderte die Teilnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Mittel- und Osteuropa.

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Wanderausstellung „Vergessene Orte der Zwangsarbeit in der Tschechischen Republik“

Das Institut Terezínské initiativy erstellte in Kooperation mit der Gedenkstätte Flossenbürg eine Wanderausstellung, in der am Beispiel zehn authentischer Orte verschiedene Formen der NS-Zwangsarbeit gezeigt werden. Der topografische Zugang ergänzt die Geschichte bekannter Orte um die Geschichte der Zwangsarbeit.

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Graphic Novel: Redrawing Stories from the Past

Im Rahmen des Projektes erforschen KünstlerInnen und Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern die gemeinsame Vergangenheit und Gegenwart in Comics.

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Status

Bewerbungsfrist für die Projektförderung ist der 13. Oktober 2017
Konferenzzuschüsse können laufend beantragt werden.

Übersicht der Projekte

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Ansprechpartner

Martin Bock

Projektkoordination

zavo(at)stiftung-evz.de

Tel.: +49 (0)30 25 92 97-48

Fax: +49 (0)30 25 92 97-11